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Taymour Tamaddon: "Haben einiges an Chancenpotenzial identifiziert"

Für den Portfoliomanager der U.S. Large-Cap Growth Equity Strategy von T. Rowe Price sind Wachstumsunternehmen gegenüber Value-Titel mittlerweile wieder attraktiv bewertet. Aktive Manager können daher aus dem Vollen schöpfen und Alpha generieren.

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Taymour Tamaddon, T. Rowe Price: "Wir glauben, dass das kommende Marktumfeld aktive Asset Manager begünstigt, da politische Veränderungen wahrscheinlich klare Gewinner und Verlierer hervorbringen dürften."
© T. Rowe Price

Taymour Tamaddon, Portfoliomanager der U.S. Large-Cap Growth Equity Strategy von T. Rowe Price, erklärt im Exklusiv-Interview, wie er sich im aktuellen Marktumfeld positioniert, welche Erwartungen er hat und wie er innovative Unternehmen für sein Portefeuille findet. Die wichtigsten Kernnaussagen des Interviews:

Während Bewertungen US-amerikanischer Aktien nach der starken Rallye in den vergangenen Monaten generell weniger attraktiv sind, könnten ein stärkeres Wirtschaftswachstum und die Umsetzung der Unternehmenssteuerreform die Gewinne beflügeln.

Seit der US-Wahl ist Tamaddon stärker im Finanzsektor investiert – aufgrund der Erwartung, dass die neue Regierung die Deregulierung vorantreibt und ein steigendes Zinsumfeld für viele der eingegangen Positionen positiv sein wird.

Tamaddon und seine Kollegen identifizieren vielversprechende Chancen bei Unternehmen, die mit der Zeit gehen und die auf leistungsfähige langfristige Trends ausgerichtet sind, einschließlich E-Commerce, maschinellem Lernen, digitalen Zahlungen und Cloud Computing, – um nur einige zu nennen.

Es scheint laut Tamaddon wahrscheinlich, dass die Marktvolatilität angesichts der Unsicherheit künftiger politischer Prozesse und Inhalte zunehmen wird. Weiterhin spielt es eine Rolle, wie sich Investoren durch die letzten Phasen des Konjunkturzyklus bewegen.

IM: Herr Tamaddon, wie beurteilen Sie die gegenwärtigen Bewertungen am US-Aktienmarkt, nach der starken Performance Ende 2016?
Taymour Tamaddon: Mit der Rallye im vierten Quartal, gefolgt von soliden Ergebnissen im Januar, fängt es nun an, schwieriger zu werden, attraktive neue Investitionsmöglichkeiten zu finden. Denn der Markt hat den verbesserten Ausblick bereits eingepreist. Wir glauben, dass besonders zwei Faktoren wichtig für den Markt in diesem Jahr sind: das Potenzial für einen Aufschwung des Wirtschaftswachstums und die Verabschiedung der Unternehmenssteuerreform. Wenn beides eintritt, erwarten wir eine starke Performance des Aktienmarktes. Wenn beides nicht eintritt, rechnen wir nur mit verhaltenen Gewinnen. Und wenn nur einer von beiden Faktoren eintritt und der anderr nicht, dann werden wir wahrscheinlich irgendwo in der Mitte landen. Mit den allgemein positiven Quartalsergebnissen aus dem vierten Quartal 2016 startete das neue Jahr gut.

IM: Wie beurteilen Sie Value- und Growth-Werte innerhalb der US-Large-Caps?
Tamaddon: Wachstumsaktien aus dem Large-Cap-Segment erscheinen uns attraktiver als Value-Unternehmen im selben Bereich. Wachstumswerte wiesen im Jahr 2016 eine signifikante Underperformance gegenüber Value-Titeln auf, was oftmals mehr durch Veränderungen des Investorensentiments getrieben wurde als durch fundamentale Faktoren. Viele Wachstumsunternehmen sind heute fundamental stärker als vor einem Jahr – auch im Hinblick auf ihre Value-Pendants.

IM: Rechnen Sie mit einer steigenden Volatilität?
Tamaddon: Es ist wahrscheinlich, dass die Marktvolatilität zunehmen wird – angesichts der Kombination aus Unsicherheit über künftigen Kurs der Politik und den letzten Phasen des Konjunkturzyklus. Wir glauben, dass das kommende Marktumfeld aktive Manager begünstigt, wobei es im Umfeld von potenziellen politischen Veränderungen wahrscheinlich klare Gewinner und Verlierer geben wird. Zudem sind wir der Auffassung, dass bei der Aktienrally nach der US-Wahl Spekulation eine Rolle spielte. Wir achten sehr darauf, nicht einfach nur der Performance hinterherzulaufen.

Zu den vielen Ungewissheiten der Investoren trägt außerdem die britische Entscheidung bei, die Europäische Union verlassen. Als weitere Unsicherheitsfaktoren sehen wir die bevorstehenden Europawahlen und den Umstand, dass etablierte Handelsabkommen gestört werden könnten. Dies könnte die Volatilität an den Devisenmärkten erhöhen. Auch die Art und das Ausmaß, wie die Vorschriften im Gesundheits- und Finanzdienstleistungssektoren umgesetzt werden, stehen bei uns im Fokus. Das Gleiche gilt im Hinblick auf die US-Steuerreform.

IM: Haben Sie das Portfolio seit der US-Präsidentschaftswahl neu positioniert?
Tamaddon: Nein. Wenn man sich die Top-Namen im Portfolio ansieht, sind wir ziemlich konsequent mit den Titeln, die wir bereits vor sechs Monaten gehalten haben. Wir favorisieren weiterhin langfristige Wachstumswerte, die im ersten Halbjahr 2016 underperformt haben und die dann im Verlauf des Jahres stark zulegen konnten. Wir sind der Meinung, dass das aktuelle Umfeld für unseren Fokus auf qualitativ hochwertige Unternehmen mit nachhaltigem Wachstum und nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen förderlich ist. Dabei verfolgen wir dabei einen konsequenten Bottom-up-Ansatz. Unsere Portfolio-Entscheidungen basieren stärker auf fundamentalen Daten als auf Makrofaktoren.

IM: Die Kurse von Aktien aus dem Finanzsektor sind nach der US-Wahl deutlich gestiegen. Wie sehen Sie diesen Sektor?
Tamaddon: Vor der Wahl hatten wir eine leichte Übergewichtung auf der Grundlage unserer Einschätzung, dass wir ein regulatorisches Plateau erreichen – nach einer längeren Zeit der zunehmenden Aufsicht. Viele Unternehmen in der Branche hatten sich erfolgreich neu ausgerichtet, um die regulatorischen Herausforderungen zu meistern. Daher sahen wir in dem Bereich Chancen für ein gesteigertes Gewinnwachstum. Nach der Wahl erkannten wir, dass die Aussicht noch besser wurde. Die neue Regierung will lieber Vorschriften abschaffen und nicht nur auf neue verzichten. Daher haben wir unsere Gewichtung in der Branche erhöht. Außerdem beginnen die Zinssätze zu steigen, was vielen Unternehmen in der Branche zugutekommt.

IM: Welche anderen Sektoren bieten Chancen?
Tamaddon: Informationstechnologie ist unser größter Sektor in absoluten Zahlen und macht fast ein Drittel des Portfolios aus, wir haben eine leichte Übergewichtung im Vergleich zur Benchmark. Während viele große Internetunternehmen zunächst bis Ende 2016 hinterherhinkten, blieb die fundamentale Lage solide. Wir bleiben bei unserem positiven Ausblick für diese Branche: Das zunächst negative Sentiment in Bezug auf den gesamten Sektor hat es uns erlaubt, einige unserer bevorzugten Investitionsideen umzusetzen, indem wir entsprechende Titel ins Portfolio aufnahmen. Wir favorisieren Unternehmen, die von der globalen Verschiebung zu digitalen Zahlungen profitieren werden.

Wir sind auch bei Nichtbasis-Konsumgütern übergewichtet, das ist unser zweitgrößter Sektor in absoluten Zahlen. Unsere langfristigen Positionen in Amazon.com und Reiseportalbetreiber Priceline machen einen wesentlichen Teil unserer Investitionen in der Branche aus.

Amazon.com hat das Potenzial für dauerhaftes Wachstum – sowohl im Einzelhandel als beim Cloud-Computing.

Priceline indes kann der Konkurrenz weiterhin Marktanteile abnehmen. Die internationale Expansion und die Ausdehnung auf Nicht-Hotel-Immobilien bieten ebenfalls attraktive Chancen für langfristiges Wachstum. Auch auf der Makroebene erwarten wir Rückenwind für den Sektor. Die US-Wirtschaft scheint gesund zu sein. Die Nachfrage der Verbraucher steigt im Umfeld von steigenden Löhnen und einem anziehenden Arbeitsmarkt.

Gewichtungen nach Sektoren sind ein Nebenprodukt unserer Bottom-up-Aktienselektion. Technologie, Nichtbasis-Konsumgüter und Healthcare scheinen derzeit die besten Voraussetzungen für Wachstumswerte zu bieten. Diese Bereiche könnten reif für innovative und disruptive Technologien sein.

IM: Wie kann man Ihren Ansatz, auf disruptive Technologien zu setzen, veranschaulichen? Tamaddon: Ein Aktie, der typisch für unseren Ansatz, ist Red Hat, eine Softwareunternehmen, das das Linux-Betriebssystem vertreibt. Während die Möglichkeiten von Red Hat Chancen in der Cloud weniger offensichtlich sind, haben sich andere Unternehmen komplett über die Cloud-Technik aufgestellt. Wir denken, dass Rat Hat seine Bemühungen auf vielversprechende Bereiche konzentriert. Insbesondere Open-Source-Software wird im Rahmen der Cloud-Technologie wahrscheinlich viel prominenter sein als in Unternehmensrechenzentren, und die überwiegende Mehrheit der Cloud-Computing-Branche arbeitet bereits mit Linux – wenn auch meist mit freien Linux-Alternativen, zu denen Red Hat immer in Konkurrenz stand. Wir erwarten, dass der Wert dieser Strategie klarer wird, wenn Unternehmen zunehmend kritischere Rechenprozesse in der Cloud einsetzen.

IM: Was ist Ihr strategischer Ansatz für die Erstellung des Portfolios?
Tamaddon: Bei der Erstellung des Portfolios ist es unsere Philosophie, nach Unternehmen zu suchen, die nachhaltige Erträge und Cashflow-Wachstum generieren. Wir verwenden eine Vielzahl von quantitativen Filterkriterien, um unser Universum zu fokussieren, und wir haben ein talentiertes Analysten-Team, das uns mit umfassenden Recherchen zu einzelnen Unternehmen versorgt.

Wir konzentrieren uns auf Unternehmen, die für große und dauerhafte Veränderungen bestens aufgestellt sind. Diese Veränderungen beinhalten derzeit die Erweiterung des E-Commerce, die Verlagerung der Werbeeinnahmen von Print- und Broadcast-Medien auf digitale und soziale Medien und das Entstehen von Software-as-a-Service und Cloud Computing. Schließlich ist künstliche Intelligenz beziehungsweise das maschinelle Lernen ein neuer Trend, an den wir glauben. All diese Entwicklungen werden im Laufe der Zeit erhebliche Investitionsmöglichkeiten bieten.

Als Healthcare-Analyst, Portfoliomanager und Sektor-Teamleiter habe ich länger als ein Jahrzehnt eng mit der dem Large-Cap Growth Portfolio Management-Team zusammengearbeitet. Dabei habe ich erfolgreiche Investitionsideen für die Large-Cap-Wachstums-Portfolios entwickelt. Healthcare machte bislang bis zu 30 Prozent des Portfolios aus und war der wichtigste Alpha-generierende Sektor für mehrere Jahre. In den vergangenen sechs Monaten habe ich Healthcare-Positionen reduziert und mich auf bessere Einstiegsgelegenheiten in anderen Bereichen des Marktes konzentriert.

Seitdem ich die Strategie mitgestalte, also seit Mitte 2016, habe ich mich mit den Managern fast aller Unternehmen getroffen, in die wir investiert sind. Dies ist ein Prozess, der unsere aktuelle Portfolio-Positionierung weitgehend unterstützt hat. Wir haben auch eine Menge Zeit damit verbracht, neue Portfolio-Ideen zu bewerten. Dabei haben wir einiges an Chancenpotenzial identifiziert und dies auch bei der Konstruktion des Portfolios berücksichtigt.

IM: Wir danken für das Interview. (aa)

 

 

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