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T. Rowe Price: Bei Grünen Anleihen steckt der Teufel im Detail

Der Green-Bond-Markt boomt. Das bringt institutionellen Investoren einerseits Vorteile, andererseits steigen auch die Risiken. Denn nicht alles, was ein grünes Label trägt, muss auch „grün“ sein. Eine fundamentale Analyse der Papiere ist deshalb unumgänglich, erklärt T. Rowe Price.

Matt Lawton, T. Rowe Price
Matt Lawton, T. Rowe Price
© T. Rowe Price

Der Boom bei ESG-Anlagen hat längst den Anleihemarkt erfasst. 2020 wurden Anleihen mit ESG-Label im Volumen von 512 Milliarden Dollar begeben – ein Plus von 67 Prozent zum Vorjahr. Zwar zählen dazu auch Social oder Nachhaltigkeitsbonds, vor allem wird das Wachstum aber durch Grüne Anleihen angetrieben. Diese sind ebenso strukturiert wie ihre traditionellen Pendants. Der Unterschied besteht aber darin, dass die Erlöse in Projekte fließen müssen, die eine positive Wirkung auf die Umwelt haben, und der Emittent darüber transparent und regelmäßig berichten muss, schreibt Matt Lawton, Sector Portfolio Manager, Fixed Income bei T. Rowe Price, in einer "Institutional Money" exklusiv vorliegenden Analyse.

Zunehmende Diversität
Allein im ersten Quartal dieses Jahres summierte sich das Emissionsvolumen grüner Bonds auf 117 Milliarden US-Dollar. Im Vergleich dazu waren es im gesamten Jahr 2017 nur 120 Milliarden Dollar. Besonders interessant ist, dass der Markt an Diversität gewinnt.

Zwar dominieren weiter staatliche Emittenten, doch wächst der Markt der grünen Unternehmensanleihen sowohl im Volumen wie auch in der Breite. Im ersten Quartal dieses Jahres wurden grüne Corporate Bonds im Wert von 95 Milliarden US-Dollar begeben, wobei die Emittenten aus zehn verschiedenen Branchen kamen. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2016 waren es nur 42 Milliarden Dollar aus sieben verschiedenen Sektoren.

Markt für grüne Unternehmensanleihen wächst

Quelle: Bloomberg Finance; Stand 31. März 2021

Grüne Anleihen sind Anleihen, deren Erlöse zur Finanzierung oder Refinanzierung von speziell klima- oder umweltbezogenen Projekten verwendet werden. Sozialanleihen sind Anleihen, deren Erlöse zur Finanzierung oder Refinanzierung von Projekten verwendet werden, die speziell auf die Schaffung positiver sozialer Ergebnisse in Gemeinden abzielen. Nachhaltigkeitsanleihen sind Anleihen, bei denen die Erlöse zur Finanzierung oder Refinanzierung einer Kombination aus grünen und sozialen Projekten oder Aktivitäten verwendet werden. Nachhaltigkeitsgebundene Anleihen sind strukturell an das Erreichen von Klima- oder allgemeineren nachhaltigen Entwicklungszielen des Emittenten gebunden.

Keine klaren international gültigen Standards
Dieses Marktwachstum ist für Investoren, deren Nachfrage nach Green Bonds anhaltend hoch ist, zwar positiv, da sie nun stärker diversifizieren können. Es birgt Lawton zufolge aber auch Risiken. Dabei sei das grundsätzliche Problem, dass es an klaren international gültigen Standards fehlt und letztlich jeder Emittent die von ihm begebene Anleihe selbst als „grün“ einstuft. "Das kann beispielsweise dazu führen, dass eine Anleihe zwar ein grünes oder ein ESG-Label trägt, aber in Wirklichkeit zu finanziellen und nicht zu umweltfreundlichen Zwecken ausgegeben wird – also unter den Begriff des „Green Washings“ fällt", moniert Lawton.

Auch musse klar sein, dass eine Anleihe wirklich mit einem umweltfreundlichen Projekt verbunden ist und nicht mit dem Unternehmen. Welche Auswirkungen das haben kann, wenn hier keine klare Trennung herrscht, zeigt das Beispiel des Mexico City Airport Trusts. Dieser hatte 2017 einen grüne Anleihe für ein Umweltprojekt ausgegeben und sechs Milliarden Dollar eingesammelt. Doch 2018 kam eine neue Regierung an die Macht und stoppte alle Bauvorhaben am Flughafen. Der von Moody’s als grün eingestufte Bond wurde zwar herabgestuft, jedoch hat er auch jetzt noch ein grünes Label, obwohl er kein zulässiges grünes Projekt mehr finanziert.

Gründliche Analyse jeder grünen Anleihe
Bedenklich ist laut Lawton ferner, dass auch vorzeitig kündbare Green Bonds an den Markt kommen. Der Emittent kann die Anleihe also kündigen, bevor das Projekt überhaupt komplett umgesetzt wurde. "Dies sind nur einige Beispiele, die Investoren aber abschrecken können - vor allem, da die Kosten bei Green Bonds höher sind. Sie werden in der Regel mit einem Aufschlag gegenüber vergleichbaren Anleihen des gleichen Emittenten gehandelt, was als „Greenium“ bezeichnet wird", sagt Lawton.

Dennoch können sich Green-Bond-Investments auszahlen, da der Markt langfristig jene Emittenten belohnen dürfte, die einen glaubwürdigen und ambitionierten „grünen“ Rahmen bieten. Investoren müssen sich deshalb mit jedem Green Bond und dessen Emittenten gründlich auseinanderzusetzen.

Dabei stehen Lawtons Ansicht nach vier Aspekte im Vordergrund, auf die grüne Anleihen geprüft werden müssen:

  • Zunächst ist das ESG-Profil eines Unternehmens vorausschauend zu analysieren, also zu untersuchen, wie es sich künftig entwickeln wird.
  • Angesichts des Greenwashing-Risikos müssen Anleger zweitens beurteilen, inwieweit der Green-Bond-Rahmen eines Unternehmens bestehenden internationalen Standards entspricht.
  • Drittens helfen die fortlaufende Beobachtung und Berichterstattung bei der Überprüfung, ob es dem Emittenten mit seinen ESG-Zielen wirklich ernst ist.
  • Und schließlich müssen Investoren die relative Werthaltigkeit einer Anleihe im Vergleich zur Peer Group analysieren.

"Wer das alles berücksichtigt, kann mit Green Bonds aber langfristig einen Mehrwert für sein Portfolio generieren", erklärt Lawton abschließend. (aa)


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