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T. Rowe Price: Bei Fallen Angels bleibt Vorsicht geboten

Warum institutionelle Investoren bei Engagements in Fallen Angels derzeit ganz genau hinsehen sollten, erläutert David Stanley, Portfoliomanager Fixed Income bei T. Rowe Price.

David Stanley, Portfoliomanager Fixed Income bei T. Rowe Price
David Stanley, T. Rowe Price
© T. Rowe Price

Ein Rekordvolumen von Unternehmensanleihen wurde 2020 auf Ramsch-Niveau herabgestuft. Während historische Perfomance und Notenbankpolitik für die Papiere sprechen, sollten Investoren weitere Corona-Risiken in den Blick nehmen und selektiv vorgehen, erklärt David Stanley, Portfoliomanager Fixed Income bei T. Rowe Price, in einem "Institutional Money" exklusiv vorliegenden Beitrag.

Rekordhohe Abstufungen
Fallen Angels sind kein neues Phänomen an den Märkten für Unternehmensanleihen. Doch stellt das Ausmaß der Herabstufungen von Anleihen von Investment-Grade- auf Ramsch-Niveau im ersten Halbjahr alle bisherigen Entwicklungen in den Schatten. Allein im März wurden Bonds im Volumen von mehr als 90 Milliarden US-Dollar herabgestuft; das ist fast doppelt so viel wie der bisherige monatliche Rekordwert von 48 Milliarden US-Dollar aus dem Jahr 2005. "Mit rund 197 Milliarden US-Dollar waren schon Ende Juni sämtliche Fallen-Angels-Rekorde vorangegangener Kalenderjahre übertroffen", hält Stanley fest.

Insbesondere zyklische Industrien wie Transport und Energie wurden hart getroffen. Aber auch namhafte Emittenten blieben nicht verschont. So musste etwa der US-Autohersteller Ford im März zusehen, wie sein 36 Milliarden US-Dollar hoher Schuldenberg auf Hochzinsniveau herabgestuft wurde.

"Historisch betrachtet könnte die sprunghafte Zunahme gefallener Engel eine Gelegenheit für Investoren bieten, die in den Anleihesegmenten Investment Grade und High Yield aktiv sind", erklärt Stanley. Denn Fallen-Angel-Papiere haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten regelmäßig besser abgeschnitten. Analysen von T. Rowe Price zeigen, dass gefallene Engel weltweit seit 1998 mindestens um rund drei Prozent pro Jahr besser abgeschnitten haben als Investment-Grade- und High-Yield-Anleihen.

Gründe für die Outperformance
Hintergrund ist der Verkauf der Papiere nach einer Herabstufung. Er ist darauf zurückzuführen, dass viele Investoren wie passive börsengehandelte Investment-Grade-Fonds (ETFs) betreffende Anleihen abstoßen müssen, weil sie nicht zu ihrem Investmentuniversum zählen. Das führt zu sinkenden Kursen, die aktiven Managern günstige Gelegenheiten eröffnen, ansonsten gesunde Anleihen zuzukaufen.

Rückenwind für Anleihen
Zusätzlich bietet das aktuelle Marktumfeld einige weitere Merkmale, die Fallen-Angel-Anleihen stützen könnten. Dazu zählen insbesondere die beispiellosen Hilfsprogramme der großen Zentralbanken. So haben einige Notenbanken im Rahmen ihrer Programme zum Aufkauf von Vermögenswerten zuletzt auch herabgestufte Anleihen direkt ins Visier genommen. Bereits im April hat die US-Notenbank Fed angekündigt, sie werde High-Yield-Unternehmensanleihen aufkaufen, wenn diese infolge der Pandemie ihren Investment-Grade-Status verlieren. Zugleich erklärte die Europäische Zentralbank, dass sie Anleihen, die nach April auf Junkniveau zurückgestuft werden, als Bankensicherheit für ihre ultra-billigen Kredite akzeptieren würde – was jedoch noch nicht in ihrem Anleihekaufprogramm enthalten ist.

Auf besondere Fallstricke achten
Um von den neuen Fallen Angels zu profitieren, wäre es laut Stanley jedoch unklug, diese in dem Vertrauen auf eine weitere Flut an Stützungsprogrammen blind aufzukaufen. Es lauern verschiedene potenzielle Fallstricke:

Die Erwartung einer attraktiven Wertentwicklung ist eng an eine schnelle Erholung der globalen Wirtschaft nach der Corona-Pandemie geknüpft. Sollte diese jedoch langsamer als erwartet ausfallen, steigt das Risiko höherer Ausfallraten in der Assetklasse. Belastend könnten sich zudem zusätzliche Corona-Infektionswellen und noch strengere Maßnahmen zu deren Eindämmungen auswirken.

Daher kommt es Stanley zufolge entscheidend darauf an, eine strenge Titelauswahl vorzunehmen. Dazu gehört insbesondere eine Analyse, welche Sektoren von einer zweiten Infektionswelle am stärksten erfasst werden könnten.

Bisher habe die Corona-Pandemie vor allem zyklische Industrieunternehmen unter Druck gesetzt. So entfielen 75 Prozent der Fallen Angels auf Transport-, Energie-, Freizeit- und Einzelhandelsunternehmen. Für das Gesamtjahr 2020 haben sich die Herabstufungen auf Ramsch-Niveau außerhalb des Finanzsektors auf ca. 300 Milliarden US-Dollar summiert. "Als besonders Corona-sensitiv erweisen sich dabei weiterhin beispielsweise Fluggesellschaften, Transportunternehmen und börsennotierte Immobilienfonds mit Fokus auf Einzelhandelsimmobilien, die es folglich zu meiden gilt", hält Stanley abschließend fest. (aa)

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Redaktionelle Anmerkung: Zu Fallen Angels gab es in der Printausgabe 3/2020 von "Institutional Money" einen größeren Artikel. Nachzulesen im E-Magazin: "Wenn Engel fallen"

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