"Systemisches Problem": Dieser Manager kauft keine KI-Anleihen
Der KI-Ausbau wird mit immer größeren Anleiheemissionen finanziert. Fidelity-Manager James Durance hält die Risiken derzeit für unattraktiv – und setzt stattdessen auf britische Unternehmensanleihen und ausgewählte Schwellenländer.

Eckpunkte:
- Der Fidelity-Manager warnt vor zu großem Exposure in Anleihen von KI-Unternehmen
- Er sieht kein gutes Chancen-/Risikoverhältnis und bleibt mit seinem Benchmark-agnostischen Portfolios in diesen Papieren untergewichtet
James Durance von Fidelity International will keine KI-Anleihen. Während Hyperscaler den Markt mit Schuldtiteln überschwemmen, um den Boom der künstlichen Intelligenz zu finanzieren, hat der Londoner Portfoliomanager, der ein Vermögen von 14 Milliarden US-Dollar verwaltet, den Technologieanteil in seinen Income-Strategien unter zwei Prozent gehalten. Bis Ende kommenden Jahres könnte die Kreditvergabe an den Sektor seiner Ansicht nach so stark wachsen, dass allein deren Umfang zu einem Risiko wird.
"Ich bevorzuge den Technologiesektor nicht wirklich, obwohl sein Gewicht am Anleihemarkt stark wächst", sagte Durance in einem Interview in Singapur. "Auf dem aktuellen Niveau gefällt er mir derzeit nicht."
KI-Konzerne konkurrieren mit den USA um Kapital
Unternehmen wie Amazon und Alphabet nehmen so viel Fremdkapital auf, um in KI zu investieren, dass sie mit US-Staatsanleihen um Kapital konkurrieren und dadurch zum Anstieg der langfristigen Renditen beitragen – eine Umkehr der üblichen Dynamik.
Die Schuldenflut zeigt kaum Anzeichen einer Abschwächung. Dabei bleibt ungewiss, ob sich die Investitionen auszahlen werden. Zugleich haben Sicherheitsbedenken Führungskräfte einiger der größten Unternehmen dazu veranlasst, eine langsamere KI-Entwicklung zu fordern.
Durance ist leitender Manager der Fidelity-Strategien Global Income, Global Short Duration Income und Global High Income. Zudem verantwortet er gemeinsam mit anderen das europäische High-Yield-Geschäft des Vermögensverwalters. Seine Global-Income- und Short-Duration-Fonds sind nicht an eine Benchmark gebunden.
"Wir können einfach nicht investieren", sagte Durance, dessen Short-Duration-Fonds in den drei Jahren bis Ende August eine Rendite von 6,7 Prozent erzielte. "Ein benchmarkorientierter Manager sieht, dass seine Untergewichtung möglicherweise immer größer wird, wenn er nicht kauft. Dadurch ist er gewissermaßen gezwungen, sich damit zu beschäftigen. Wir müssen das nicht."
Technologieanleihen schneiden schlechter ab
Die Zurückhaltung erscheint umsichtig. Ein "Bloomberg"-Index für Anleihen von Technologieunternehmen verlor im vergangenen Jahr rund 2,4 Prozent. Der breiter gefasste globale Aggregate-Index gab dagegen um 1,3 Prozent nach.
Eines der am stärksten unterschätzten Marktrisiken ist Durance zufolge die weitere Entwicklung des KI-Investitionsbooms. Die Wette könnte sich durch Produktivitätsfortschritte und höheres Wachstum auszahlen. Bringen die Investitionen jedoch keine ausreichenden Erträge, könnte dies die Wachstumserwartungen dämpfen und Risikoanlagen belasten.
"Ich halte es für einen Risikofaktor"
Durance verwies darauf, dass die Investitionszusagen für dieses und das kommende Jahr enorm seien. Für die Zeit danach hätten die Unternehmen jedoch noch keine Prognosen vorgelegt.
"Die Anleiheemissionen der Hyperscaler sind in absoluten Zahlen weiterhin deutlich kleiner als jene des US-Finanzministeriums. Ihre durchschnittliche gewichtete Duration ist jedoch überproportional lang", meint "Bloomberg Markets Live"-Strategin Alyce Andres.
"Es ist nicht mein Basisszenario, dass die Welt deshalb in eine Rezession rutscht. Aber ich halte es für einen Risikofaktor", sagte Durance.
Britische Anleihen statt KI-Schulden
Durance investiert stattdessen in britische Unternehmensanleihen. Dazu zählen Investment-Grade- und High-Yield-Papiere von Banken und anderen Unternehmen. Dieser Markt habe im laufenden Jahr einige der besten Gesamterträge im Kreditsegment erzielt – trotz des Rufs britischer Staatsanleihen, an schwachen Handelstagen besonders volatil zu sein oder besonders schlecht abzuschneiden.
In den Schwellenländern bevorzugt Durance Hartwährungsanleihen, die in wichtigen Währungen wie dem US-Dollar statt in der jeweiligen Landeswährung ausgegeben werden. Dazu gehören Anleihen türkischer Unternehmen wie Akbank und Turkcell. Darüber hinaus hält er Staatsanleihen aus Mexiko, Rumänien und den Philippinen.
Tech-Schulden werden zu "systemischem Problem"
"Wir investieren nicht in die besonders spekulativen Sachen", sagte Durance. Schwellenländer hätten ihre Verschuldung insgesamt reduziert, während Unternehmen aus den Industrieländern immer mehr Schulden anhäuften – ein großer Teil davon werde durch den Technologiesektor getrieben.
"Bis Ende kommenden Jahres wird das Volumen der technologiebezogenen Schulden im System zu einer Art systemischem Problem", fügte er hinzu. (mb/Bloomberg)