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Systematische Portfolio-Diversifizierungsstrategien braucht man jetzt!

Die aktuelle Lage an Anleihen- und Aktienmärkten verlangt nach einer stärkeren Portfolio-Diversifikation. In diesem Umfeld punkten uneingeschränkte, systematische Investmentansätze, deren Kernstück systematische Investmentstrategien sind, meint GAM-Experte Lawler.

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Anthony Lawler, Co-Head von GAM Systematic 
© GAM

Nach Jahren des Aufschwungs seit der Finanzkrise 2008 wird die Lage an den globalen Anleihen- und Aktienmärkten komplexer, vielschichtiger und risikoreicher. Angespannte Bewertungen bei Aktien und Anleihen und eine größere Preisstreuung schaffen Anreize für Investoren zur stärkeren Portfoliodiversifikation. Anthony Lawler, Co-Head von GAM Systematic zeigt auf, wie Investoren mit uneingeschränkten, systematischen Investmentstrategien davon profitieren können. „Vereinfacht ausgedrückt, schaffen stärkere Preisstreuungen mehr Investitionsmöglichkeiten“, unterstreicht der Experte.

In den vergangenen zehn Jahren war Gleichlauf angesagt
Die von den Notenbanken in die Märkte gepumpte Liquidität trieb die Preise verschiedenster Assetklassen gleichzeitig nach oben. In diesem Umfeld bewährten sich passive Investmentstrategien, da sich die Assetpreise im Gleichschritt bewegten – Anleger mussten nichts weiter tun, als sich in den Markt einzukaufen und darauf zu vertrauen, dass die Preise weiter steigen würden. „Nun aber treten wir in eine neue Phase: Die Geldpolitik in den USA, Europa und Japan divergiert, wie auch die wirtschaftlichen Wachstums- und Inflationsraten. Das treibt die Preisstreuung unter den verschiedenen Assetklassen an und schafft ein Umfeld, in dem Bewertungsabweichungen sowie Fundamentaldaten wieder relevanter werden. Das ist vor allem für Unconstrained-Strategien interessant“, so Lawler.

Druck auf Investoren wächst, stärker zu diversifizieren
Für viele Anleger erscheinen Aktien und risikoreichere Vermögenswerte aktuell angesichts eines zuletzt kontinuierlich stabilen Wirtschaftswachstums ohne größere vorhersehbare Unterbrechungen als „priced for perfection“. „Doch es mehren sich Risiken wie Handelsprotektionismus, Lohninflation und politische Disruptionen, die zu einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums führen können. Entsprechend zurückhaltend sind Anleger, ihre Risikoposition im Aktienportfolio zu vergrößern“, gibt Lawler zu bedenken. Und auch hinsichtlich der Anleihenmärkte schätzt der Experte, dass Investoren keinen allzu optimistischen Ausblick haben: „Es sei denn, sie gehen davon aus, dass die Zinsen auf minus vier oder minus fünf Prozent fallen“. Zukünftig werden Anleger von niedrigeren Erträgen als in den vergangenen Jahren ausgehen müssen. „Investoren betrachten Aktien als ziemlich hoch bewertet und Anleihen generell als teuer. Daraus wächst insgesamt ein gewisser Druck auf Anleger, die Renditetreiber ihres Portfolios stärker zu diversifizieren.“

"Systematic Unconstrained" ist die strategisch richtige Antwort
Mögliche Antworten auf diese Entwicklung seien eine diversifizierte, systematische Makro-Strategie oder ein uneingeschränkter Multi-Asset-Ansatz. „Diese können das tradtionelle Aktienportfolio ergänzen, während alternative Risikoprämienstrategien in der Regel stetige Erträge erzielen und so einen attraktiven Anleihenersatz darstellen“, so Lawler.

Disziplinierte Umsetzung
Unconstrained bedeutet dabei nicht weniger Disziplin, sondern lediglich, dass die Beschränkung durch eine enge Bindung an einen Referenzindex aufgehoben ist. Chancen können so über alle Anlageklassen hinweg genutzt werden. In Verbindung mit einem systematischen Ansatz können so Überrenditen über ein breites Anlage- und Risikospektrum angestrebt und Long- wie auch Short-Positionen eingegangen werden. Da systematische Portfolios breiter diversifiziert sind, bieten sie im Falle eines anhaltenden Ausverkaufs in der Regel ein ausgeglicheneres Renditeprofil und einen höheren Schutz vor Verlusten.

Im Portfoliokontext können sich diskretionäre und systematische Strategien ergänzen „Diskretionäre Strategien zeichnen sich durch eine relativ kleine Anzahl von Positionen aus, von denen jede einen signifikanten Einfluss auf die Gesamtperformance haben kann. Systematische Strategien investieren in der Regel in eine größere Anzahl von Positionen, bei denen die Recherche einen statistischen Vorteil festgestellt hat. Da die Ertragsquellen divergenter sind, weist das Leistungsprofil eines systematischen Handelsprogramms oft eine geringe Korrelation zu diskretionären Strategien auf“, argumentiert Lawler.

It’s the right Data, stupid!
Kernstück und Treiber einer systematischen Investmentstrategie sind Daten. „Wir haben Zugang zu einer Vielzahl unterschiedlicher Daten. Diese reichen von Preisdaten über Fundamentaldaten bis hin zu Informationen darüber, welche Waren Unternehmen auf der ganzen Welt verschicken oder wie voll der Parkplatz eines bestimmten Einkaufszentrums ist. Für Makroinvestitionen können wir Satelliten- und Wetterdaten verwenden, um Ernteerträge vorherzusagen oder den Strom- und Gasbedarf im jeweiligen Versorgungsnetz in Echtzeit verfolgen“, erklärt Lawler.

Systematische Ansätze unterliegen keinen systematischen Risiken
In Zeiten von „Big Data“ bedeute ein Mehr an verfügbaren Daten allerdings nicht gleich einen höheren Informationswert – nicht alle Daten seien für Investitionen nützlich. Die Kunst bestehe vielmehr darin, aus der Datenflut Signalwerte herauszufiltern und auf deren Basis auf die richtigen Märkte zu setzen. Dadurch weite sich der Blick im Vergleich zu einem klassischen diskretionären Portfoliomanager von einigen Dutzend Aktientiteln auf mehrere tausend Titel. „Letztlich sollte man sich das wie folgt vorstellen: Der Mensch kann aus einer Vielzahl Ideen eine oder ein paar wenige ausgezeichnete Ideen verfolgen; das systematische Programm hingegen ist in der Lage, gleichzeitig hunderte gute Ideen auszuwählen“, resümiert Lawler.

Eine weitere Stärke des systematischen Ansatzes bestehe darin, dass ein Handelsprogramm seine Meinung im Eifer des Gefechts niemals ändern werde. „Dadurch werden verhaltensökonomische Risiken reduziert oder sogar komplett aufgehoben“, resümiert Lawler. (kb)

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