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Sylvia Wisniwski, Finance in Motion, über Impact Private Debt

Inwieweit Profianleger über Privat Debt wirkungsorientiert investieren können und ob man auch als Fremdkapitalgeber ohne Eigentumsrechte auch sinnvoll auf Unternehmen einwirken kann, erläutert Sylvia Wisniwski, Managing Director bei Finance in Motion.

Sylvia Wisniwski, Finance in Motion
Sylvia Wisniwski, Managing Director, Executive Management, Finance in Motion
© Finance in Motion

Impact Investing ist nicht nur über klassische Anlageinstrumente wie Aktien oder Anleihen möglich, sondern funktioniert auch über Private Equity oder eben auch über das bei institutionellen Investoren immer beliebtere Private Debt. Davon ist Sylvia Wisniwski, Managing Director bei Finance in Motion, im Gespräch mit „Institutional Money“ überzeugt. Die 2009 gegründete Finance in Motion ist laut eigenen Angaben mit einem verwalteten Vermögen von rund drei Milliarden Euro und über 220 Mitarbeitern einer der weltweit größten Impact Asset Manager.

IM: Frau Wisniwski , warum sollten gerade Institutionelle Investoren im Bereich Private Debt auf Impact Investing setzen?
Sylvia Wisniwski: In Zeiten von Klimawandel, Knappheit von Ressourcen und sozialer Ungleichheit müssen auch Kapitalmärkte ihren Beitrag leisten, um diese langfristigen und globalen Herausforderungen zu adressieren. Alternative Investments können hier eine wichtige Rolle spielen. Private Debt bietet hier ein interessantes Risk-Return Profil und generieren kontinuierliche Cash-flows.  Zudem erlauben Private Debt Fonds, wie Finance in Motion sie anbietet, tendenziell deutlich größere Investmentvolumina – auch das ist für institutionelle Investoren ein wesentliches Kriterium.

IM: In wie weit kann man über die Fremdkapitalseite – die ja im Gegensatz zu Eigenkapitalseite kein Mitspracherecht in einem Unternehmen hat - ausreichend positiven „Impact“ erzielen?
Wisniwski: Die Grundlage für das Erzielen positiven Impacts ist eine Wirkungsstrategie, die dann in die Investmentstrategie übersetzt wird. Dies gilt sowohl für die Bereitstellung von Fremd- als auch Eigenkapital.  Bei der Bereitstellung von Fremdkapital nutzt man verschiedene Steuerungselemente, um den erwünschten positiven Impact  zu erzielen. Hierzu gehören u.a. Verknüpfung des bereitgestellten Kapitals mit klar definierten Verwendungskriterien (use-of-proceeds criteria), z.B. die ausschließliche Mittelverwendung für bestimmte Zwecke (z.B. Aufforstung oder Installation von Tröpfchenbewässerungsanlagen) oder Investitionen, die bestimmte quantitativ messbare positive Veränderungen erreichen (z.B. Emissionsverringerung um 20% bei der Finanzierung von Energieeffizienzmaßnahmen, um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten). Dabei wird die Einhaltung dieser Verwendungskriterien während der gesamten Kreditlaufzeit überwacht.

Darüber hinaus bestehen wir auf die Einhaltung von Mindeststandards, vor allem im Hinblick auf Umwelt- und Sozialkriterien. Ebenso gibt es weitere Auflagen, wozu Ausschlusskriterien bei der Mittelverwendung gehören wie aber auch Informationspflichten im Hinblick auf das interne Managementsystem von Umwelt- und Sozialrisiken beim Kreditnehmer.
Auch der kontinuierliche Dialog mit dem Kapitalnehmer (Stichwort Engagement) ist wesentlich für die Umsetzung der Impact-Strategie. Dieser Dialog ist für uns auch bei der Vergabe von Fremdkapital ein zentrales Element: Von der Prüfung des Kreditnehmers während der Due Diligence über die Unterstützung von Kapazitätsaufbau zur gezielten Ausweitung von bestimmten impactrelevanten Aktivitäten (z.B. Finanzierung für Kleinstunternehmen in ländlichen Räumen), bis hin zur regelmäßigen Berichterstattung, um Verbesserungsmaßnahmen zu steuern – so kann die Wirkung des bereitgestellten Kapitals verstärkt werden. 

Langfristige Partnerschaften mit unseren Kreditnehmern sind sehr wichtig. Verlässlichkeit und ein starkes Netzwerk erlauben einen kontinuierlichen Wissensaufbau und -austausch. Insbesondere in schwierigen Zeiten ist dies unerlässlich, um Resilienz zu stärken und um positive Veränderungen langfristig zu verankern.

IM: Müssen Private Debt Impact Investoren, die zusätzlich einen positiven Impact ihres Investments wünschen, nicht Rendite opfern?
Wisniwski: Das ist ein gängiges Klischee, in der Praxis oft jedoch nicht zutreffend. Renditen von Private Debt im Impact-Bereich können durchaus marktüblich und mit klassischen Debtprodukten vergleichbar sein. Wir sehen das auch in unserer täglichen Arbeit, denn Investoren legen die gleichen Benchmarks an unsere Produkte an wie für traditionelle Investments. In manchen Fällen helfen Blended Finance Strukturen, bei denen Kapital aus dem öffentlichen und privaten Sektor kombiniert wird. Durch das nachrangige Investment der öffentlichen Investoren kann ein Risikopolster zur Verfügung gestellt werden, das institutionellen Investoren den Schritt ins Impact Investing erleichtert – vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern.

IM: Droht bei Impact-Investments im Bereich Private Debt bei wachsenden Investoreninteresses nicht die Gefahr eines Overcrowdings? Wie reagieren Sie darauf?
Wisniwski: Wir sehen gerade bei Impact Investments mit Klimabezug tatsächlich einen Nachfrageüberhang nach Investmentmöglichkeiten. Entsprechend ist die Asset-Generierung momentan sicher das Nadelöhr und die Gefahr von Greenwashing ist in diesem Bereich erhöht. In anderen Bereichen oder bei neuen Impact Fonds ohne oder mit geringem Track Record ist das Funding allerdings oft weiter der limitierende Faktor. Es ist schade, dass das Wachstum bei neuen Impact Fonds verlangsamt wird, da diese in Zukunft einen wesentlichen Beitrag zur Ausweitung des Angebots im Impact Investment Segment darstellt.

Wir legen großen Wert darauf auf der Assetseite keine Abstriche zu machen und weiterhin nur in Impact Investments der höchsten Güteklasse zu investieren. Global und vorrangig in Emerging Markets besteht ein enormer Kapitalbedarf, sodass wir optimistisch sind, qualitativ hochwertige Investitionsmöglichkeiten für institutionelle Investoren anbieten zu können.

IM: Wie können Private-Debt-Gesellschaften/-Fonds den positiven „Impact“ ihrer Impact-Investing-Strategie messen bzw. Green Washing vermeiden?
Wisniwski: Solide Wirkungsmessung bildet die Grundlage für effektives Wirkungsmanagement. Im Falle unserer Fonds nutzen wir diverse Informationsquellen, um die Wirkung zu messen und zu triangulieren. Neben Fondsdaten und regelmäßiger Berichterstattung durch die Kreditnehmer nutzen wir auch externe Studien und Daten zur Verifizierung von Impactannahmen. Eigene Studien ermöglichen es uns  die Wirkung unserer Aktivitäten auf unsere Kreditnehmer und deren Kunden zu analysieren. Dies nicht nur um zu überprüfen, ob die gewünschte Wirkung wirklich eintritt, sondern auch um unsere Investment Strategie weiterzuentwickeln.

Zudem ermöglicht unsere starke lokale Präsenz in den Investitionsländern eine starke Nähe zu den tatsächlichen Assets und einen kontinuierlichen Austausch mit unseren Kreditnehmern. Unser Wirkungsmonitoring wird von einem spezialisierten Impact Management Team in enger Zusammenarbeit mit den Investment Teams gesteuert. Das Monitoringsystem wird dabei regelmäßig angepasst, um neue Daten und Erkenntnisse einfließen zu lassen. Dies geschieht im Einklang mit der kontinuierlichen Weiterentwicklung von anerkannten Standards in der Impact Investing Industrie.  

IM: Wir danken für das Interview.

 

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