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Sven Anders, J.P. Morgan AM: "Es geht nicht nur um Technologie!"

Der bekannte Investmentexperte Sven Anders von J.P. Morgan AM nennt im Interview mit „Institutional Money“ mehrere gute Gründe, warum US-Aktien auch weiterhin gegenüber anderen Aktienmärkten übergewichtet bleiben sollten. Ein überraschendes Argument ist deren relativ günstige Bewertung.

"Institutional Money"-Redakteur Anton Altendorfer im Interview mit J.P. Morgan Asset Management-Experten Sven Anders (v.l.n.r.) im Wiener Hotel Park Hyatt Vienna anlässlich des Neujahrsempfangs des US-Hauses in Wien. 
 
"Institutional Money"-Redakteur Anton Altendorfer im Interview mit J.P. Morgan Asset Management-Experten Sven Anders (v.l.n.r.) im Wiener Hotel Park Hyatt Vienna anlässlich des Neujahrsempfangs des US-Hauses in Wien. 
 © Annabelle Düchting, J.P. Morgan Asset Management

„US-Aktien sind zu wichtig, um sie in der institutionellen Portfoliokonstruktion wegzudenken“, erklärte Sven Anders, Investment Specialist für US-Aktien bei J.P. Morgan Asset Management am Rande der Neujahrs-Investorenkonferenz des US-Hauses am 14. Januar 2026 in Wien im Gespräch mit „Institutional Money“.

Teure Klumpen?
Am ersten Blick scheinen US-Aktien, gemessen am S&P 500 Index im historischen Vergleich teuer. Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis des breiten Index lag per Stand 31.12.2025 bei rund 22. Die in den vergangenen Jahren gut gelaufenen Technologie- und Kommunikationsaktien respektive die „Top 10“-gewichteten Aktien im S&P 500 Index hatten sogar ein durchschnittliches KGV von über 30.

Hinzu kommt eine mittlerweile sehr hohe Indexkonzentration, die zu Klumpenrisiken führt: So haben die zehn schwersten S&P 500-Aktien mittlerweile eine Indexgewichtung von rund 41 Prozent. Zum Vergleich: Die durchschnittliche S&P 500-Aktie hat lediglich eine Indexgewichtung von zirka 0,20 Prozent. Bei einer Median-Betrachtung fällt dieser Wert auf bescheidene 0,06 Prozent, wie Sven Anders erklärte.

Gewinne und Margen rechtfertigen gestiegene Kurse
Für den US-Spezialisten sind die aktuellen Bewertungen jedoch gerechtfertigt, da die Unternehmen des S&P 500-Index im abgelaufenen Jahr ihre Gewinne um rund zwölf Prozent steigerten und für die Jahre 2026 und 2027 jeweils Gewinnsteigerungen in Höhe von rund 15 Prozent prognostiziert werden. Für die Magnificent 7 werden für 2026 Gewinnsteigerungen in Höhe von 24 Prozent erwartet. Für die restlichen 493 Indexmitglieder des S&P 500 liegt der erwartete Zuwachs bei immerhin zwölf Prozent. „Das aktuelle KGV-Niveau ist berechtigt und ist nicht so hoch wie es scheint, weil es ein hohes Gewinnwachstum gibt“, erklärte Sven Anders.

Nicht nur die Gewinne untermauern das aktuelle Bewertungsniveau. Die durchschnittliche Marge der Index-Unternehmen („Earnings/Sales“) lag per Ende des dritten Quartals bei fast 14 Prozent und damit in der Nähe eines langjährigen Rekordhochs, das zuletzt kurzfristig im Nachgang der Corona-Krise erzielt wurde.

Keine marktbreite Blase
Sven Anders empfiehlt Investoren, nicht nur auf die nackten Bewertungskennziffern, sondern auf die Qualität der dahinterstehenden Unternehmen zu schauen, die in den USA grosso modo überzeugt. Sofern Anleger glauben, dass Technologie weiterhin ein wichtiges Zukunftsthema ist, sollten diese auch weiter in US-Aktien investieren.

Eine „Blase“ sieht Sven Anders derzeit im Vergleich zur TMT-Blase im Jahr 2000 nämlich nicht. Im Vergleich zur Vergangenheit, wo viele der hoch bewerteten Aktien noch keine Gewinne erzielten und anschließend kollabierten, sind die jetzigen Top-Konzerne hochprofitabel und generieren vor allem stabile Cash Flows. Diese Gelder fließen in andere Sektoren und lösen eine Art „Aufwärtsspirale“, alias „Engelskreis“ aus:

Technologiekonzerne kurbeln die Wirtschaft an
Nach Ansicht von Sven Anders sollten Investoren das Thema „Technologie“ zudem breiter sehen, insbesondere vor dem Hintergrund der massiven KI-Investments der großen Technologiekonzerne. Denn durch deren hohen Ausgaben in Rechenzentren und sonstiges Equipment würden andere Branchen eine Art „Sonderkonjunktur“ erleben. Sven Anders nannte beispielhaft Versorger als Stromlieferanten, die Industrie als Errichter der notwendigen Infrastruktur, Grundstoffhersteller als Lieferanten von Kupfer oder auch Finanzwerte, die an den dafür notwendigen, milliardenschweren Finanzierungen verdienen. „Es geht nicht nur um Technologie“, betonte der J.P. Morgan AM-Mann.

Zusätzlich zu den genannten Branchen zeigt laut Anders das fundamentale Research von J.P. Morgan Asset Management auch noch für die Branchen „Medien“ und „Gesundheitswesen“ und dort im speziellen die Anbieter von Equipment für Krankenhäuser und anderen Gesundheitseinrichtungen vielversprechende Chancen.

Als weniger aussichtsreich zeigen sich dagegen derzeit die Gewinnaussichten für die Branchen respektive Sektoren Immobilien, Defensiver Konsum und teilweise zyklische Industrie.

Umso wichtiger ist Sven Andes zufolge gerade derzeit aktives Management, um im aktuell dynamischen, disruptiven Umfeld als aktiver Fondsmanager die „richtigen“ Branchen und Aktien zu selektieren und mögliche Fehlinvestments zu vermeiden.

Ist Europa wirklich viel günstiger als der US-Markt?
Gegen Ende des Gesprächs begründete Sven Anders, warum der US-Aktienmarkt aus Indexebene, beispielsweise im Vergleich zu Europa, nur am ersten Blick teuer erscheint. Falls man von einem reinen Indexvergleich abrückt und auf Branchenebene die jeweiligen „passenden“ Unternehmen der verschiedenen Sektoren und Branchen dies- und jenseits des Atlantiks fundamental vergleicht, sieht es ganz anders aus. In diesem Fall wären beide großen Märkte annähernd gleich bewertet respektive die USA würde bei den KGVs lediglich um rund fünf Prozent teurer sein.

Sofern man das zukünftig erwartete, höhere Gewinnwachstum der US-Unternehmen mitberücksichtigt und ein Price-Earnings-Growth-Ratio (PEG-Ratio) ermittelt, war der S&P 500-Index im Vergleich zum MSCI Europa per Stichtag 31.12.2025 sogar leicht unterbewertet, wie nachfolgende Grafik zeigt. (aa)

Price Earnings Growth (PEG)-Ratio im historischen Vergleich

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