SuMi Trust AM über die Umgestaltung Japans
Wie Japans neue Premierministerin die Wirtschaft des Landes umgestaltet und was das für Profianleger bedeutet, erläutern zwei hochrangige Manager von SuMi Trust Asset Management in einem Exklusiv-Interview mit "Institutional Money".

Eckpunkte:
- Reformen werden Japans Wirtschaft wieder ankurbeln
- Inwieweit diese erfolgreich ist, zeigt ein Blick auf eine wichtige Institution des Landes
Japan steht an einem möglichen Wendepunkt einer ganzen Generation. SuMi Trust Asset Management – Japans größter Vermögensverwalter und das Institut mit der höchsten Konzentration institutioneller Investoren im Land – sieht die besten Investmentchancen seit mehr als 20 Jahren. Die wichtigsten Auslöser dafür sind: Die Rückkehr der Inflation, steigende Zinsen und eine mutige neue Regierung. So hat mit Sanae Takaichi die erste Frau in der japanischen Geschichte das Amt der Premierministerin übernommen hat und verfolgt eine der expansivsten Fiskalpolitiken der letzten Jahre.
„Institutional Money“ sprach mit Katsunori Ogawa, Lead Portfolio Manager des SuMi Trust Sakigake High Alpha-Strategy Fonds, und Hirofumi Hayashi, Head of Investment Management in London, über die Frage, wie Takaichis Politik Japans Wirtschaft grundlegend verändern könnte – und was das für institutionelle Investoren bedeuten könne.
Drei Reformen – zwei sind entscheidend
Takaichis fiskalisches Programm konzentriert sich in diesem Jahr auf drei zentrale Reformbereiche. Die erste Reform betrifft Hilfsmaßnahmen für einkommensschwache Haushalte: Subventionen und eine Senkung von Energiesteuern. Dazu gehört eine zweijährige Aussetzung der achtprozentigen Verbrauchssteuer auf Lebensmittel und Getränke, um die Haushalte in Zeiten anhaltender Inflation zu entlasten.
Hayashi betrachtet diesen Schritt als kurzfristigen Impuls für den Binnenkonsum, aber nicht als wesentlichen Bestandteil der übergeordneten Investitionsstrategie des Kabinetts. Ihr eigentliches Gewicht sieht SuMi in der zweiten und dritten Reform.
Reform zwei: Investitionen für zukünftiges Wachstum
Ogawa hält diese Initiative für die wichtigste der drei. Kernstück ist eine Senkung der Investitionssteuern, um Unternehmen zu motivieren, die über Jahrzehnte aufgebauten hohen Kassenbestände endlich zu nutzen. Diese Liquiditätsreserven waren eine rationale Reaktion auf die langanhaltende Deflationsphase Japans, doch Takaichis Politik soll diese Denkweise nun grundlegend verändern. Im Bruch mit dem, was sie selbst als „übermäßige fiskalische Austerität“ bezeichnet, lenkt die Regierung Investitionsanreize in strategische Industrien – Halbleiter, Chipproduktion, Biotechnologie und Raumfahrttechnologien – und lockert gleichzeitig Regulierungen, um die Unternehmensbeteiligung weiter zu fördern. Ogawa sieht darin den Beweis, dass Takaichis Politik japanische Unternehmen ermutigt, ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht nur im Inland, sondern auch international zu stärken.
Reform drei: Nationale Sicherheit und Verteidigung
Die politischen Spannungen zwischen China und Japan nehmen zu, und Takaichis Kabinett hat es sich zur zentralen Aufgabe gemacht, die strategische Widerstandsfähigkeit des Landes zu stärken. Dieses Reformpaket fördert die strategische Autonomie, indem es Investitionen in Schlüsselbereiche wie Halbleiter (erneut als Bestätigung ihrer zentralen Bedeutung), Energie und Cybersicherheit priorisiert – ein Zeichen für die zunehmende Verzahnung von Wirtschaftspolitik und nationaler Verteidigungsstrategie.
Im Einklang mit diesen Reformen hat SuMi seine Portfolioallokation in diesen Sektoren innerhalb des Sakigake High Alpha-Strategy Fonds erhöht. Zudem hat sich das Haus im Bereich Kernenergie positioniert: Japan betreibt eine Vielzahl von Kernkraftwerken, von denen mehrere nach jahrelanger Stilllegung im Zuge einer grundlegenden Neubewertung des nationalen Energiemixes wieder ans Netz gehen.
SuMi hat sein Portfolio allerdings nicht aufgrund der geopolitischen Spannungen mit China angepasst. Das Haus rechnet vielmehr damit, dass sich diese Spannungen mittelfristig wieder abschwächen werden, trotz der bekannten Tendenz Pekings, in Phasen politischer Konflikte zum Boykott ausländischer Produkte aufzurufen.
Ogawa ist überzeugt, dass das gegenwärtige Kabinett auf fiskalische Expansion statt Austerität setzt und dass Japans neue fiskalpolitische Ausrichtung in vielerlei Hinsicht der der USA entspricht. Gleichzeitig, so betont er, herrscht in Japan Unklarheit über den weiteren fiskalischen Kurs der EU.
Die Argumente für globale Investoren
Für internationale institutionelle Anleger, die Japan in Betracht ziehen, führt SuMi zwei zentrale Argumente an:
Das erste ist makroökonomisch. Japans Wirtschaft hat sich in den letzten drei Jahrzehnten deutlich gewandelt. Das Konsumverhalten hat sich verändert – Unternehmen können heute Preise anheben, ohne Kunden zu verlieren, was während der Deflationszeit undenkbar war. Dividenden steigen, und die japanische Unternehmenslandschaft zeigt eine stärkere Verpflichtung gegenüber Aktionären. Anleger haben somit bessere Chancen, direkt am wirtschaftlichen Aufschwung teilzuhaben.
Das zweite Argument ist die Währung. Ogawa erwartet, dass Investoren zudem von einer Aufwertung des Yen gegenüber dem US-Dollar profitieren könnten.
Wie lässt sich der Erfolg messen?
Ogawas Maßstab für die Wirksamkeit von Takaichis Reformen ist einfach: die Bank of Japan. Sollte die Notenbank ihre Leitzinsen anheben, wäre das für ihn ein Signal, dass die Maßnahmen greifen. Bleibt eine Zinserhöhung aus, sieht er darin ein Zeichen, dass die Reformen noch kein hinreichend starkes Umfeld für weitere fiskalische Expansion geschaffen haben.
SuMi rechnet nicht mit einer Rückkehr zur Deflation und betrachtet die Reformen als Beginn einer positiven, langfristigen Transformation der japanischen Wirtschaft. Wenn die expansive Fiskalpolitik Bestand hat, könnte sie den Auftakt zu einer neuen Wachstumsära Japans markieren – eine Chance, die Anleger nicht übersehen sollten.
Big Player im institutionellen Geschäft
SuMi Trust Asset Management verwaltet derzeit über 700 Milliarden US-Dollar. Laut Hayashi stammt der Großteil des verwalteten Vermögens von japanischen institutionellen Investoren wie öffentlichen und betrieblichen Pensionsfonds – rund 80 Prozent der AUM entfallen auf diesen Anlegerkreis. Etwa 30 Milliarden US-Dollar werden in den USA verwaltet; weitere Kunden kommen aus Asien, Europa und der Schweiz. SuMi Trust AM ist auf japanische Aktienstrategien spezialisiert. (sp)/(aa)

