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Südafrika nimmt die nächste Entwicklungsstufe in Angriff

Ninety One beleuchtet den verworrenen politischen und wirtschaftlichen Pfad Südafrikas der letzten Jahre, der im August in einer Kabinettsumbildung gipfelte.

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Peter Eerdmans, Head of Fixed Income, Ninety One
© Ninety One (ehemals Investec AM)

Es liegen ereignisreiche Jahre hinter Südafrika. Nachdem die Regierung unter Jacob Zuma ab 2009 Einzug hielt, war das Land geprägt von Korruption und Klientelwirtschaft, was unter anderem zu einer steigenden Verschuldung führte. "In Südafrika verwendet man für diese Amtszeit den Begriff „State Capture“, das Ausnutzen des Staates zum Vorteil einer überschaubaren Elite. Der Anleihenmarkt und die Währung des Landes werteten zu sehr attraktiven Bewertungen ab, aber die Investitionsaussichten waren über viele Jahre aufgrund der strukturellen Rahmenbedingungen keineswegs positiv", weiß Peter Eerdmans, Head of Fixed Income beim Asset Manager Ninety One zu berichten.

2017 brach mit Präsident Cyril Ramaphosa eine neue Ära an
Dieser setzte auf nachhaltige Reformen und fokussierte sich zunächst auf den Wiederaufbau des Staates - angefangen bei Recht und Ordnung und der Strafverfolgungsbehörde des Landes, bis hin zu anderen wichtigen staatlichen Institutionen. Damit änderten sich die Aussichten für südafrikanische Vermögenswerte: Anleihen waren nicht nur günstig, sondern es gab auch Potential für eine Trendwende. 

Doch dann kam die Covid-19-Pandemie
Sie versetzte dem ohnehin schon von Armut gebeutelten Land einen Schlag. Peter Eerdmans dazu: "Doch gerade wenn man denkt, dass es einen Schlag zu viel abbekommen hat, zeigt es sich erstaunlich widerstandsfähig. Dabei kam dem Land zugute, dass es über die Rohstoffe verfügt, die die Welt in der Zeit nach der Pandemie braucht, beispielsweise Platin, Eisenerz und Metalle. Die Exporte stiegen und die Importe schrumpften. Der Rekord-Handelsüberschuss stabilisierte den südafrikanischen Rand so sehr, dass sich die Bewertung der Währung auf inflationsbereinigter Basis seit dem Taper Tantrum 2013 kaum verändert hat. Nicht viele Schwellenländer können das von sich behaupten."

Die Hintergründe der Ausschreitungen
Schließlich kam es im vergangenen Juli in Teilen Südafrikas zu Ausschreitungen. Handelte es sich um verzweifelte Menschen, die Lockdowns, Hunger und Armut leid waren und ihrer kollektiven Wut Ausdruck verliehen? Die Wahrheit kommt allmählich ans Licht und wird schließlich vor Gericht verhandelt werden, aber es wird behauptet, dass Anhänger von Ex-Präsident Zuma hinter den Ausschreitungen stecken.

Ramaphosa hat mit Kabinettsumbildungen reagiert
Während Neubesetzungen im Sicherheitsbereich zuvor nicht zur Debatte standen, wurde im Zuge einer Umstrukturierung des gesamten Sicherheitsbereichs ein neuer Verteidigungsminister ernannt und die Zuständigkeit für die Sicherheitsbehörden in das Präsidialamt verlegt.

Investoren müssen drei Faktoren im Auge behalten
Eerdmans führt aus: "Zum einen wären da die Umstrukturierungen im Sicherheitsbereich. Diese geben zwar Hoffnung, dass sich das Ausmaß der Unruhen nicht wiederholen wird, eine Gewissheit gibt es jedoch nicht. Eine gewisse Übernahme von Verantwortung in Form von Verhaftungen der Urheber der Unruhen wäre ein wichtiges Zeichen für eine Verbesserung der Lage." Zum anderen sei die Bereitschaft zu Strukturreformen zu beobachten. Dazu gehörten die Sanierung des staatlichen Versorgungsunternehmens Eskom und des Energiesystems im Allgemeinen, die Verbesserung der Infrastruktur der Netzindustrie, die Behebung des Fachkräftemangels und die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Unternehmen. Wenn Investoren in den kommenden Monaten greifbare Fortschritte in diesen Bereichen sähen, gebe es echten Grund zum Optimismus.

Finanzielle Disziplin. bitte kommen
Zu guter Letzt bleibe noch die finanzielle Disziplin abzuwarten, so Eerdmans. Die Unruhen hätten gezeigt, dass der südafrikanische Staat wahrscheinlich mehr Sozialausgaben für die von der Pandemie Betroffenen benötige. Auch im öffentlichen Sektor gebe es hohe Lohnforderungen, und der Präsident könne sich nicht erlauben, dort zu viel Unruhe zu stiften. Hinzu komme der dringende Infrastrukturbedarf in der Netz- und Energiewirtschaft. All dies müsse gegen eine Ertragslage abgewogen werden, die zwar besser sei als noch vor einem Jahr befürchtet, aber angesichts des unerwarteten Anstiegs der Rohstoffpreise wahrscheinlich nicht beständig sein werde. "Angemessene Disziplin und Ausgaben an den richtigen Stellen werden die wichtigsten Indikatoren dafür sein, ob Südafrika auf dem Weg der Strukturverbesserung bleibt", sagt Eerdmans. 

Fazit
Zusammenfassend lässt sich also sagen: Die strukturellen Investmentaussichten mögen nicht mehr so gut sein wie noch vor ein paar Monaten, dennoch seien sie vielversprechender als in vielen anderen Phasen des vergangenen Jahrzehnts. (kb)

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