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Subprime-Krise 2.0? Fed-Chef äußert sich zu hohen Unternehmensschulden

Laut Jerome Powell würden die hohen Schulden von US Coporate America zwar keine neue Finanzkrise wie die unseligen Subprime-Kredite in den Nullerjahren auslösen. Trotzdem sei die immer höhere Verschuldung mittlerweile bedenklich, weshalb die Fed diese Entwicklung aufmerksam verfolgt.

Federal Reserve Chairman Jerome Powell
Federal Reserve Chairman Jerome Powell
© Aaron P. Bernstein

Vor dem Hintergrund, dass immer mehr Marktteilnehmer auf die hohe Verschuldung von US-Unternehmen aufmerksam machen und vor dieser Entwicklung warnen, äußerte sich Fed-Chef Jerome Powell vor wenigen Tagen auf der Atlanta-FederalReserve-Banken-Konferenz zu diesem Thema. Darüber berichtet „Reuters“.

Seiner Ansicht nach könne man die derzeitige wachsende Unternehmensverschuldung nicht mit der Entwicklung am US-Subprime-Markt in den Jahren 2007 bis 2009 vergleichen, der Vergleich „sei nicht voll überzeugend“.

Das liege daran, dass die Verschuldung im Gleichschritt mit dem Wirtschaftswachstum zunehme, die Kosten für die Schuldenfinanzierung niedrig seien und das Finanzsystem im Gegensatz zu früher Verluste besser verdauen könne.

„Pausieren und Nachdenken“
Trotzdem sehe die Fed genauer hin: Die Aufsicht störe einerseits die mangelnde Transparenz darüber, wer die Unternehmensschulden finanziert bzw. wer die Papiere derzeit in den Büchern halte. Denn diese Adressen könnten Probleme bekommen, wenn in einem wirtschaftlichen Abschwung überschuldete Unternehmen Konkurse anmelden müssten.

„Unternehmensschulden haben mittlerweile ein Niveau erreicht, dass Unternehmen und Investoren zum Pausieren und Nachdenken bringen sollte“, sagte Powell.

Hohe Schulden mitbeeinflussen die Zinspolitik
Die Nachrichtenagentur Reuters zieht daraus den Schluss, dass diese hohen Schulden die Fed zögern lassen könnten, die Leitzinsen zu senken. Denn bei niedrigen Zinsen könnten Unternehmen verleitet werden, ihre Verschuldung noch weiter nach oben zu schrauben.

Vor dem Hintergrund, dass Unternehmensschulden vielfach gebündelt über CLOs (Collateralized Loan Obligations) von Investoren gekauft werden und dies an die CDOs (Collateralized Debt Obligations) der Finanzkrise erinnert, meinte Powell, dass CLOS eine wesentlich höher Qualität als frühere, strukturierte Finanzprodukte aus der Subprime-Ära aufwiesen und von daher weniger Risiken bestünden.

Positiv stimme Powell darüber hinaus, dass die großen Geschäftsbanken lediglich 70 Milliarden US-Dollar an CLOs in ihren Büchern hielten, während der Gesamtmarkt rund 700 Milliarden US-Dollar groß sei. Das sei laut Powell „eine gute Nachricht“ und stelle „weniger Risiko bei den Unternehmen im Herzen des Finanzsystems dar“. Dass Banken weniger Kreditrisiken tragen, führt im Umkehrschluss aber dazu, dass andere Akteure ins Spiel kommen.

Daher findet es Powell bedenklich, dass viele der Schulden bei Investoren außerhalb des Bankensystems lägen und Aufsichten relativ wenig über diese Gläubiger wissen. „Regulatoren, Investoren und Marktteilnehmer in der ganzen Welt würden von der Information, wer die „ultimativen Risiken“ trage, enorm profitieren“, betonte Powell. (aa)

Redaktionelle Anmerkung: "Institutional Money" thematisierte diese ernstzunehmende Gefahr bereits in Print-Ausgabe 1/2019. Nachzulesen unter "Überschuldet?"

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