Studie: Impact Investing geht auch zu marktüblichen Renditen
Das neue „German Impact Investing Survey 2025“ zeigt, dass Impact Investing am deutschen Markt inzwischen zunehmend als belastbarer Ansatz wahrgenommen wird, um Wirkung mit einer finanziellen Rendite zu vereinbaren. Institutionelle Investoren sind in der Umfrage jedoch kaum vertreten.
Eckpunkte:
- Studie auf Basis einer Marktbefragung von 142 Teilnehmern
- Zielkonflikt zwischen finanzieller Performance und gesellschaftlicher Wirkung wird mehrheitlich nicht mehr wahrgenommen
- Insbesondere Asset Owner investieren bevorzugt im illiquiden Bereich
- Offenlegungsverordnung (SFDR 2.0) könnte mehr institutionelles Kapital anziehen
Ein zentrales Ergebnis des neuen „German Impact Investing Survey 2025“ des Bundesverbands Impact Investing e.V. (BVII), das „Institutional Money“ vorab vorliegt: Impact Investing werde zunehmend als glaubwürdiger Anlageansatz angesehen und nicht mehr als Zielkonflikt zwischen finanzieller Performance und gesellschaftlicher Wirkung wahrgenommen: Die große Mehrheit (91 Prozent) der Investoren und Investorinnen erwartet demnach marktübliche Renditen oder mehr – und gibt an, dass sowohl finanzielle als auch wirkungsbezogene Ziele in der Praxis erreicht werden.
Fehlende Impact-Daten
Auch benennt der Survey eindeutige Hürden wie die mangelnde Standardisierung von Ansätzen des Impact Measurement & Management (IMM), komplexe oder restriktive regulatorische Rahmenbedingungen oder fehlende Impact-Daten. Die Diskussion um die reformierte Offenlegungsverordnung (SFDR 2.0) könnte dabei eine wichtige Rolle spielen, um regulatorische Klarheit zu stärken, die Definition von Impact Investing weiter zu schärfen und institutionellen Marktteilnehmern mehr Orientierung zu bieten, glauben die Studienautoren.
Nur wenige institutionelle Asset Owner
Die Marktstudie des BVII (ehemals Bundesinitiative Impact Investing) basiert auf einer Umfrage unter insgesamt 142 Teilnehmern, darunter Asset Owner wie Family Offices (13 Prozent), Stiftungen (vier Prozent), wohlhabende Privatinvestoren (sieben Prozent) sowie Asset Manager (29 Prozent), Investment Consultants (25 Prozent) und gemeinwohlorientierten Unternehmen (16 Prozent) sowie Placement Agents (fünf Prozent). Versicherungsunternehmen sind nur mit einem Prozent in der Umfrage vertreten. Als mögliche Gründe dafür, dass institutionelle Asset Owner in der Umfrage stark unterrepräsentiert sind, nennt der BVII die in den vergangenen Jahren für viele institutionelle Investoren stark zugenommenen regulatorischen Anforderungen im Bereich des Nachhaltigkeitsreportings, weshalb diese oft schwerer für Umfragen wie diese zu erreichen seien. Die Online-Umfrage wurde vom BVII in Zusammenarbeit mit der Advanced Impact Research GmbH (AIR) durchgeführt. Die Datenerhebung erfolgte zwischen Mai und Juli 2025.
Das erfasste Impact-Investing-Volumen der Teilnehmenden beläuft sich auf insgesamt 12,5 Milliarden Euro. Dies entspreche derzeit lediglich einem Anteil von 0,85 Prozent an deren gesamten Assets under Management (AuM). Diese Zahl ergebe sich jedoch auch dadurch, dass maßgebliche Akteure wie nationale Entwicklungsfinanzierungsinstitute, institutionelle Asset Owner sowie führende Asset Manager in der Umfrage unterrepräsentiert seien oder ganz fehlten.
Fast 70 Prozent erzielen risikoadjustierte Marktrenditen
Ein großer Anteil der teilnehmenden Asset Manager und Asset Owner hat bereits Erfahrung im Bereich Impact Investments (76 Prozent). Gefragt danach, wie hoch die erwartete finanzielle Rendite ihrer Impact Investments ist, antworteten 69 Prozent der Befragten, sie erzielten eine risikoadjustierte Marktrendite. 22 Prozent gaben sogar an, eine finanzielle Rendite zu erwirtschaften, die höher liegt als die risikoadjustierte Marktrendite. 26 Prozent erwarteten, dass die erzielte Rendite niedriger ausfällt als die risikoadjustierte Marktrendite. 64 Prozent der Befragten sagten zudem, ihre Erwartungen an die finanzielle Rendite seien erfüllt (52 Prozent) oder sogar übertroffen worden (zwölf Prozent).
Meist illiquide Anlageklassen
Hinsichtlich der Anlagestruktur präferieren die Teilnehmenden illiquide Anlageklassen, wobei Private Equity (28 Prozent) und Venture Capital (16 Prozent) im Fokus stehen (siehe Grafik). Noch deutlicher ist dieser Fokus auf illiquide Investments noch bei den Asset Ownern: Hier beträgt das Investment-Volumen in Private Equity durchschnittlich 41 Prozent und in Venture Capital 14 Prozent.

Quelle: German Impact Investing Survey 2025, Bundesverband Impact Investing (BVII)
Deutschland als starken Standort etablieren
„Deutschland bietet beste Voraussetzungen, um sich als starker Standort für Impact Investing zu etablieren mit einem innovativen Finanzsektor, engagierten Akteur:innen und wachsendem gesellschaftlichem Bewusstsein. Jetzt gilt es, die Rahmenbedingungen konsequent weiterzuentwickeln, Hürden abzubauen und insbesondere die Skalierung wirksamer Ansätze zu ermöglichen“, so Dr. Andreas Rickert, Vorstandsvorsitzender BVII.
Und Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsvorsitzende Bertelsmann Stiftung, sagt: „Die Herausforderungen unserer Zeit erfordern neue Wege der Finanzierung. Impact Investing hilft dabei, öffentliche und private Ressourcen für gesellschaftliche Herausforderungen gezielt zusammenzuführen und Wirkung, wirtschaftliche Tragfähigkeit und langfristige Transformation gemeinsam zu denken.“ Die Bertelsmann Stiftung hat das Survey unterstützt.
SFDR 2.0 wichtig für stärkeres institutionelles Engagement
Die Ergebnisse verdeutlichten zugleich, dass für die weitere Skalierung des deutschen Impact-Investing-Markts insbesondere regulatorische Klarheit, standardisierte Ansätze zur Wirkungsmessung sowie eine stärkere Marktkoordination erforderlich seien, so der BVII.
Dazu sagt Eric Prüßner, Wissenschaftlicher Leiter des Surveys und Geschäftsführer Advanced Impact Research: „Die Studie zeigt: Unklare Definitionen (56 Prozent) und eine fehlende IMM-Standardisierung (43 Prozent) sind zentrale Hürden im Markt. Die neue SFDR 2.0 schafft nun absehbar wichtige begriffliche Klarheit. Diesen Prozess sollten wir nutzen, um die entstehenden Vorgaben direkt mit praxistauglichen Standards zur Wirkungsmessung zu verknüpfen. So können die notwendige Transparenz und das Vertrauen geschaffen werden, um institutionelles Kapital in der Breite zu mobilisieren.“ (de)
Hier geht es zur deutschen Kurzfassung der Studie. Und hier zur englischen Langversion der Studie.