Studie deutet auf strukturelle Marktbereinigung bei Altcoins hin
Laut einer aktuellen CryptoQuant-Analyse notieren 38 Prozent aller Altcoins nahe ihren historischen Tiefstständen – schlimmer als nach dem FTX-Kollaps 2022, der damals 37,8 Prozent aller Altcoins auf Rekordtief drückte.

Eckpunkte:
- 38 % der noch aktiv gehandelten Altcoins notieren nahe dem Allzeittief
- Mehr als die Hälfte aller je gelisteten Kryptos sind schon gescheitert
- Breite Altcoin-Rallyes dauern inzwischen im Schnitt nur noch rund 19 Tage
- Liquidität konzentriert sich zunehmend auf Bitcoin, einzelne Top-Altcoins
Eine neue Auswertung von boersen-parkett.de zeigt: Die eigentliche Dimension des Altcoin-Debakels ist noch weitaus größer, als dass 38 Prozent nahe ihren histroischen Tiefs stehen. Doch diese Zahl hat einen blinden Fleck: Preisstatistiken können per Definition nur Token erfassen, die noch aktiv gehandelt werden. Was bereits gescheitert ist, taucht in keiner Kursauswertung mehr auf.
Noch mehr Dramatik im Altcoin-Markt als gedacht
Eine Auswertung auf Basis von CoinGecko– und GeckoTerminal-Daten zeichnet ein noch dramatischeres Bild. 53,2 Prozent aller je gelisteten Kryptowährungen sind bereits gescheitert – über 13 Millionen Token insgesamt. Allein 2025 starben 11,6 Millionen davon, was 86,3 Prozent aller je registrierten Token-Failures entspricht. Kurzum: Von allen Token, die je existierten, ist mehr als die Hälfte komplett wertlos. Von den verbliebenen Projekten notieren wiederum 38 Prozent nahe dem Allzeit-Tief.
Das Coin-Sterben folgte keiner linearen Kurve
Zwischen 2021 und 2023 bewegten sich die jährlichen Failures im fünf- bis sechsstelligen Bereich. Der Sprung kam 2024 – ausgelöst durch Plattformen wie pump.fun, die Token-Launches ohne jede technische Kompetenz ermöglichten. Täglich entstanden tausende spekulative Projekte auf Solana, Base und BNB, viele davon mit wenigen Dutzend Trades und ohne reales Projekt dahinter.
Im vierten Quartal 2025 eskalierte die Situation: Zwangsliquidationen
Allein in diesem Zeitraum scheiterten 7,7 Millionen Token, auch mitausgelöst durch eine Liquidationskaskade am 10. Oktober, bei der binnen 24 Stunden 19 Milliarden US-Dollar an Positionen zwangsliquidiert wurden.
Kurzatmige Altcoin-Rallyes infpge von Liquiditätskonzentration
Einen strukturellen Erklärungsansatz liefert der Digital Asset OTC Market Report 2025 von Wintermute: Altcoin-Rallyes dauerten 2025 im Schnitt nur noch rund 19 Tage – gegenüber etwa 60 Tagen im Vorjahr. Gewinne bei Bitcoin und anderen großen Token recycelten sich anders als in früheren Zyklen nicht mehr zuverlässig in Altcoins. Die Liquidität konzentrierte sich bei den Top-Coins, statt sich breit zu verteilen. Wintermute stellt dabei fest, dass Altcoins 2025 nur dann nachhaltiges Retail-Interesse erzeugten, wenn die Aktienmarkt-Aktivität vorübergehend stagnierte – Krypto konkurriert inzwischen direkter mit Aktien um dieselbe Retail-Liquidität.
KI-Aktien statt Altcoins sind das Spekulationsobjekt der Stunde
Wohin das spekulative Kapital stattdessen abwanderte, legen die Google-Trends-Daten nahe. Im weltweiten Fünf-Jahres-Vergleich notiert das Suchinteresse für „Altcoins“ aktuell bei einem Indexwert von 14 – „AI stocks“ bei 52. Beide Kurven hatten Mitte 2025 ihren gemeinsamen Peak, seither brach das Altcoin-Interesse überproportional stark ein. Retail-Investoren, die nach dem Crash ihr Risiko neu bewerteten, scheinen diesen Wettbewerb zugunsten des KI-Aktien-Booms entschieden zu haben. Auch in Deutschland zeigt sich der Rückzug: Das Suchinteresse für „Altcoins“ bewegt sich laut Google Trends im 12-Monats-Rückblick nahe dem Jahrestiefstwert.
Altcoins global am Rückzug
Die Kombination aus massenhaftem Token-Sterben, historisch schlechter Performance der Überlebenden und schwindendem Retail-Interesse deutet auf mehr als eine zyklische Korrektur hin. Der Altcoin-Markt verliert nicht nur Preisniveau – er verliert Relevanz im Wettbewerb um spekulatives Kapital.
Big Names sind im Geschäft
Wer dem Krypto-Markt treu bleibt, setzt dabei zunehmend auf die großen Namen: Bitcoin- und Ethereum-ETFs verzeichneten 2024 und 2025 Rekordzuflüsse und lenken institutionelles wie privates Kapital gezielt in die Marktführer. Was früher in den breiten Altcoin-Sektor floss, landet heute zunehmend entweder in KI-Aktien, zuletzt sogar in Silber – oder in regulierten Krypto-Produkten auf Bitcoin sowie ausgewählte Altcoins mit hoher Marktkapitalisierung. (kb)