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Struktureller Umbau am Arbeitsmarkt als Investitionsthema

Der deutsche Arbeitsmarkt stehe vor einen tiefgreifenden demografischen Umbau, so Thorsten Fischer von Moventum Asset Management. Demografie als Treiber werde dabei auch zum Investitionsthema. Gezielte Zuwanderung sei der Schlüssel für Wachstum.

Vor allem in der Gastronomie, in Pflege und Handwerksberufen gibt es einen strukturellen Mangel an Fachkräften. 
Vor allem in der Gastronomie, in Pflege und Handwerksberufen gibt es einen strukturellen Mangel an Fachkräften. © PintoArt / Adobe Stock

Eckpunkte:

  • Migration als Investitionsthema
  • Deutsches Beschäftigungswachstum kommt von ausländischen Arbeitskräften
  • Kein kurzfristiger Fachkräftemangel, sondern strukturell langfristiges Phänomen
  • Arbeitskraft als knappster Produktionsfaktor

Der deutsche Arbeitsmarkt stehe vor einem tiefgreifenden demografischen Umbau, konstatiert Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum Asset Management in einem aktuellen Marktkommentar. Ohne Zuwanderung würde das Erwerbspersonenpotenzial bereits sinken: „Qualifizierte Migration, gelungene Integration und daraus folgende Produktivitätssteigerung werden damit zu einem Thema für Investoren“, sagt Fischer.

Megatrend Demografie
Langfristig orientierte Investoren sollten die großen strukturellen Veränderungen der Arbeitswelt deshalb genauso aufmerksam beobachten wie die Entwicklungen an den Finanzmärkten. „Denn die Demografie entwickelt sich zu einem der wichtigsten Treiber für Wachstum, Produktivität und Unternehmensgewinne“, schreibt Fischer.

2024 war Wendepunkt
Die Bundesagentur für Arbeit zeichnet aus Sicht von Moventum AM ein klares Bild: Das Beschäftigungswachstum in Deutschland werde inzwischen vollständig von ausländischen Arbeitnehmern getragen. Seit 2024 nehme die Zahl deutscher Beschäftigter aufgrund der demografischen Entwicklung nicht mehr zu. Diese Lücke schließe die Zuwanderung.

Der Hintergrund sei strukturell und langfristig. Immer mehr Menschen verließen altersbedingt den Arbeitsmarkt, während deutlich weniger junge Arbeitnehmer nachrückten. Zwischen 2014 und 2024 sei die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter mit deutscher Staatsangehörigkeit um rund 3,9 Millionen zurückgegangen, während die Zahl der Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit im erwerbsfähigen Alter um etwa 3,4 Millionen gestiegen sei. „Deutschland steht damit nicht vor einem kurzfristigen Fachkräftemangel, sondern vor einem langfristigen demografischen Umbau, der die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nachhaltig verändert“, erklärt Fischer. „Ohne internationale Arbeitskräfte wird es kaum gelingen, Beschäftigung und Wertschöpfung auf heutigem Niveau zu halten“, so Fischer.

Besonders deutlich zeige sich dies in Engpassberufen, in denen die Besetzung offener Stellen nachweislich schwerfalle, weil nicht genug passende Fachkräfte verfügbar sind, wie zum Beispiel in den Berufsfeldern Pflege und Gesundheit, Bau und Handwerk, Kraftfahrzeugtechnik, Erziehung, IT, Metallbau und Gastronomie, Kraftfahrer im Güterverkehr sowie medizinische Fachangestellte. In diesen Bereichen habe sich der Anteil ausländischer Beschäftigter seit 2014 von rund sieben auf etwa 14 Prozent verdoppelt. „Erwerbsmigration entwickelt sich von einer Option zu einer wirtschaftlichen Voraussetzung“, so Fischer.

Globaler Wettbewerb um Talente
Deutschland trete in der Folge in einen globalen Wettbewerb um Talente ein: „Es geht zunehmend darum, internationale Fachkräfte anzuziehen und erfolgreich zu integrieren“, betont Fischer. Entscheidend dafür seien Faktoren wie Anerkennung von Qualifikationen, Sprachkompetenz, der Zugang zum Arbeitsmarkt und berufliche Weiterbildung.

Investoren sollten Demografietrend beobachten
„Nicht nur für Unternehmen werden die Folgen dieser Entwicklung in den kommenden Jahren immer relevanter“, so Fischer, „sondern auch für Investoren.“ Denn wenn Arbeitskräfte in vielen Bereichen zum knappsten Produktionsfaktor werden, steigt der Wert von Unternehmen, die Talente gewinnen, binden und produktiv einsetzen können. Von Bildung und Qualifizierung über Digitalisierung bis hin zu Automatisierung und produktivitätssteigernden Technologien profitieren jene Branchen, die helfen, den demografischen Druck abzufedern.

Anleger sollten daher nicht nur kurzfristige Konjunkturbewegungen beobachten, sondern die langfristigen Veränderungen verstehen, die Wachstum und Unternehmensgewinne beeinflussen. „Wer Demografie, Migration und Produktivität als zentrale Investitionsthemen begreift, kann Chancen erkennen, bevor sie im breiten Markt sichtbar werden – und Portfolios gezielt auf die strukturellen Veränderungen ausrichten, die unsere Wirtschaft langfristig prägen werden“, sagt Fischer. (de)

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