Steigende Realzinsen: Wie Institutionelle daraus das Beste machen
Der Rentenchef von Union Bancaire Privée (UBP) erläutert, wie sich professionelle Rentenanleger am besten gegen mittelfristig höhere Realzinsen schützen können.
In den vergangenen Monaten sind die Nominalzinsen weltweit gestiegen. Dieser Trend wird nach Einschätzung von Philippe Gräub, Head of Fixed Income, Union Bancaire Privée (UBP), andauern. Damit stellt sich die Frage, wie sich institutionelle Investoren nun an den Rentenmärkten positionieren sollten. Eine Antwort darauf gibt Gräub in einer "Institutional Money" exklusiv vorliegenden Markteinschätzung.
"Nominalzinsen lassen sich – so besagt es die Fisher-Gleichung – in zwei getrennte Komponenten zerlegen: den Realzins und die Inflationserwartung. Als Schutz vor höheren Realzinsen kommt für Anleger ein direktes negatives Zinsexposure oder eine kürzere Duration in Betracht. Gegen steigende Inflationserwartungen können sich Anleger zum Beispiel mit inflationsgebundenen Anleihen (in den USA als „Treasury Inflation Protected Securities“ – kurz: „TIPS“, in Europa als „Linker“ bezeichnet) wappnen", erklärt Gräub.
Während der Coronapandemie sind sowohl die Realzinsen als auch die Inflationsraten drastisch gesunken. So etwa in den USA, wo die Realzinsen nachgaben, nachdem die US-Notenbank Federal Reserve den Leitzins angesichts der rasanten Ausbreitung des Virus um 150 Basispunkte gesenkt hatte. Gleichzeitig sanken auch die Inflationserwartungen kräftig, was etwa an den neuen Tiefständen marktbasierter Indikatoren wie Forward-Inflationsswaps abzulesen war.
Mit gigantischen Konjunkturpaketen und einer zeitlichen und finanziellen Ausweitung ihrer Quantitative Easing-Programme stemmten Politik und Notenbanken sich gegen allzu heftige wirtschaftliche Folgen der Gesundheitskrise.
Dadurch haben sich die Inflationserwartungen sowohl in Europa als auch in den USA wieder erholt, hält Gräub fest. So bewegen sich die Breakeven-Inflationsraten in den USA momentan nahe ihren höchsten Werten seit Jahrzehnten. "Nach der Fisher-Gleichung sind mit den anziehenden Inflationserwartungen auch die Nominalzinsen gestiegen. Wer also in besagtem Zeitraum in inflationsgebundene Anleihen angelegt hat, konnte sich über Kursgewinne freuen", erklärt Gräub.
Weiter steigende Nominalzinsen
Gräub rechnet fest damit, dass die Nominalzinsen weiter steigen werden, allerdings aus anderen Gründen als zuvor: Nun dürften eher die steigenden Realzinsen und weniger die anziehenden Inflationserwartungen zum Anstieg der Nominalzinsen beitragen. Mit der Erholung der von der Pandemie stark gebeutelten Lieferketten und dem Auslaufen staatlicher Konjunkturprogramme dürfte es Inflationsdaten zu Schwankungen kommen. So rechnet Gräub in Deutschland zur Mitte des Sommers mit einem sprunghaften Anstieg der Kerninflation, da sich die Auswirkungen der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung umkehren dürften.
"Von diesem Störfeuer einmal abgesehen, teilen wir jedoch die Einschätzung der Federal Reserve, wonach anziehende Inflationsraten nur vorübergehender Natur sein werden. Eine exzessive Teuerung dürfte von starken inflationshemmenden Kräften wie der schwachen demografischen Entwicklung, dem technologischen Fortschritt und der wenig dynamischen Lage am Arbeitsmarkt ausgebremst werden", sagt Gräub.
Auf der anderen Seite erwartet Gräub, dass Anleger im Zuge der Wiederbelebung der Wirtschaft, steigender Impfquoten und höherer Wachstumsraten die Gewichtung renditeschwacher „Safe Haven“-Anlagen wie US-Treasuries und deutscher Staatsanleihen zurückfahren werden. Dies dürfte zu einer Zunahme der Realzinsen führen, die wiederum steigende Nominalzinsen nach sich ziehen werden. In diesem Fall müssten dann die inflationsgebundenen Anleihen tatsächlich Kursverluste hinnehmen.
"Wir gehen davon aus, dass der Aufwärtstrend bei den Nominalzinsen anhält, dabei aber hauptsächlich von steigenden Realzinsen statt von den Inflationserwartungen getragen werden wird. Anleger, die die Auswirkungen mittelfristig höherer Realzinsen begrenzen oder gar davon profitieren möchten, sollten ihre Positionen weg von inflationsgebundenen Anleihen umschichten und auf eine kurze Duration oder ein negatives Zinsexposure setzen", empfiehlt Gräub abschließend. (aa)