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Steigende Gewinne: So trotzen Europas Konzerne den US-Zöllen

Die Unternehmen des Alten Kontinents haben sich auf die von Donald Trump verhängten Zölle eingestellt und können ihren Aktionären zufriedenstellende Ergebnisse melden. Ein paar Firmen müssen der neuen Lage jedoch Tribut zollen.

© suriya / stock.adobe.com/KI-generiert

Europäische Unternehmen zeigen sich widerstandsfähiger gegenüber den jüngsten US-Zöllen als erwartet. Das ist laut Bloomberg News ein positives Signal für das kommende Jahr, in dem Analysten ein zweistelliges Gewinnwachstum prognostizieren.

Ein von Goldman Sachs zusammengestellter Korb europäischer Aktien mit hoher Zollexponierung – darunter Legrand, BMW und Adidas – legte im Oktober um rund sechs Prozent zu und damit doppelt so stark wie der Stoxx Europe 600 sowie dreimal so stark wie inländisch ausgerichtete Titel. Siehe die erste Grafik unten.

“In Wahrheit waren die Auswirkungen der Zölle für europäische Unternehmen bisher bis auf wenige Ausnahmen eher vernachlässigbar”, sagte Nicolas Domont, Fondsmanager bei Optigestion in Paris.

Firmen mit hoher Zoll-Exponierung outperformten im Oktober

US-Markt bleibt extrem wichtig
Ob mit oder ohne Zölle – die USA bleiben ein Wachstumstreiber für zahlreiche europäische Unternehmen, darunter Hermès International, Unilever, Galderma, ABB und Haleon. Laut von Bloomberg Intelligence zusammengestellten Daten erwarten Analysten für die im Stoxx 600 gelisteten Firmen im kommenden Jahr ein Gewinnwachstum je Aktie von zwölf Prozent.

Im jüngsten Quartal – dem ersten, in dem die unter US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle griffen – führten mehrere Unternehmen ihre über den Erwartungen liegenden Ergebnisse und angehobene Prognosen auf ein starkes Amerika-Geschäft zurück.

Der Luxuskonzern Hermès, Hersteller der Birkin-Tasche, erzielte in der Region, zu der auch die USA gehören, ein Umsatzplus von 14,1 Prozent. Unilever führte seine über den Erwartungen liegenden Umsätze auf die starke Nachfrage in Nordamerika zurück, während der Schweizer Hautpflegespezialist Galderma seine Jahresprognose dank robuster US-Verkäufe anhob.

“Die Zölle stellen die Gewinnresilienz weltweit auf die Probe – und bisher gelingt es den Unternehmen, sich anzupassen”, schrieb Gillian Wolff, Aktienstrategin bei Bloomberg Intelligence. “Die europäischen Exporteure haben ihre Ausgaben gekürzt, um die höheren Energiepreise und die Auswirkungen der Zölle auszugleichen.”

Gewinnerwartungen gleichen sich an

Diversifiziertes Geschäftsmodell hat seine Vorteile
Unilever ist dafür laut Bloomberg ein treffendes Beispiel. Das Wachstum in Nordamerika für den Hersteller von Hellmann’s Mayonnaise wurde von einer starken Nachfrage nach Körperpflegeprodukten wie Dove-Seife sowie nach Premiumartikeln wie der Haarpflegemarke K18 und den Nahrungsergänzungsmitteln von Nutrafol getragen. Das Unternehmen erklärte, es senke Kosten, um Preiserhöhungen zu vermeiden, die Verbraucher zu günstigeren Marken treiben könnten. “Wir erzielen weiterhin ein deutliches Volumenwachstum in den USA”, sagte CEO Fernando Fernandez.

Verschiedene Zölle
Die US-Regierung unter Präsident Trump hat Importzölle von 15 Prozent auf Waren aus der Europäischen Union, 10 Prozent auf Produkte aus Großbritannien und 39 Prozent für solche aus der Schweiz verhängt – zusätzlich zu sektoralen Abgaben etwa für die Stahlindustrie.

Europäische Pharmakonzerne wie Novartis, GSK und Roche haben mit der US-Regierung über mögliche Senkungen der Arzneimittelpreise verhandelt und Investitionen in Milliardenhöhe zugesagt, um einen Aufschub drohender branchenspezifischer Zölle zu erreichen. Der britische Wettbewerber AstraZeneca erzielte im Oktober eine entsprechende Vereinbarung.

Angedrohte Zölle verlieren bei Investoren an Schrecken
Die Bemühungen der Unternehmen, die Auswirkungen der Zölle abzufedern, haben Investoren dazu veranlasst, Short-Positionen zu schließen oder wieder in Exportwerte einzusteigen. Laut einer Bloomberg-Analyse ist das Thema Zölle weitgehend von der Agenda verschwunden und wird in den Quartalsgesprächen der Unternehmen immer seltener angesprochen. Transkripte zeigen, dass EU-Unternehmen zuversichtlich auf die weitere Entwicklung blicken, weniger über Zölle besorgt sind und die Produktivitätssteigerungen durch den Einsatz künstlicher Intelligenz zunehmend positiv bewerten, wie ein am Freitag veröffentlichter Bericht von Barclays zeigt.

“Wir haben den Höhepunkt der Unsicherheit im April überschritten, als Trump Zölle ankündigte, die weit über den Erwartungen lagen”, sagte Ariane Hayate, Fondsmanagerin bei Edmond de Rothschild Asset Management. “Was wirklich beruhigend ist, ist die Geschwindigkeit, mit der sich die Unternehmen an die Zölle angepasst haben und in der Lage waren, eine Verlagerung der Produktion in andere Länder oder in die USA anzukündigen, wie beispielsweise die Pharmaunternehmen, aber auch kleinere Konsumgüterhersteller.”

Unternehmen beweisen Anpassungsfähigkeit
Der Cetaphil-Hersteller Galderma hob seine Jahresprognose an – aus Optimismus über die Entwicklung des US-Markts, wo das Unternehmen bis 2030 mehr als 650 Millionen Dollar in Produktionskapazitäten investieren will. Der Autohersteller Stellantis meldete im dritten Quartal einen Anstieg des Nettoumsatzes um 13 Prozent, unterstützt von einer Erholung in Nordamerika, wo der Eigentümer der Marken Jeep und Ram sein Modellangebot überarbeitet und Lagerbestände reduziert hat. Stellantis hat zugesagt, in den kommenden vier Jahren 13 Milliarden US-Dollar in den Vereinigten Staaten zu investieren.

Anbieter von Luxusgütern, darunter LVMH, Moët Hennessy, Louis Vuitton und der Gucci-Eigentümer Kering, meldeten in Nordamerika steigende Umsätze – ein Hinweis darauf, dass der Abwärtstrend bei der Nachfrage nach hochpreisigen Produkten seinem Ende entgegengehen könnte. Auch beim britischen Konsumgüterkonzern Haleon wuchsen die Verkäufe in Nordamerika überraschend, angetrieben durch Produkte wie Sensodyne-Zahnpasta und das Antazidum Tums.

Der Schweizer Technologiekonzern ABB berichtete von einem kräftigen Anstieg der Bestellungen infolge der starken Nachfrage im Bereich künstliche Intelligenz und erklärte, bislang keine wesentlichen Auswirkungen der US-Zölle auf Nachfrage oder Rentabilität festgestellt zu haben.

Spirituosenhersteller leiden
Allerdings blieb nicht jedes Unternehmen von den Belastungen verschont, merkt Bloomberg an. Spirituosenhersteller wie Rémy Cointreau und Pernod Ricard, die ihren Cognac in der gleichnamigen französischen Region herstellen müssen, berichteten von einer schwächeren als erwarteten Erholung auf dem US-Markt.

Der Reifenhersteller Michelin warnte, die Schwierigkeiten in Nordamerika dürften bis ins kommende Jahr anhalten, während der französische Kosmetikkonzern L’Oréal eine Abschwächung der Nachfrage in den USA verzeichnete.

“Es gibt zunehmend Stimmen, die sagen, dass die Zölle verkraftbar sind und nicht so viel Schaden anrichten werden, aber ich denke, es ist noch zu früh, um das zu beurteilen”, sagte Gilles Guibout, Head of European Equities bei AXA IM. “Es gab beispielsweise eine sehr positive Überraschung bei den Pharmazeutika, aber die Lage hat sich noch nicht beruhigt. Diese Dinge brauchen Zeit, bis sie umgesetzt sind und Wirkung zeigen. Meine Meinung? Fortsetzung folgt! Wir dürfen nicht vergessen, dass es auch Wechselkurseffekte auf die Gewinne gibt, die sich allmählich durchsetzen werden.” (aa)

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