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Stanley Druckenmiller über den "wichtigsten Preis der Welt"

Der erfahrene Großinvestor Stanley Druckenmiller nennt US-Staatsanleihekäufe einen Fehler und warnt die US-Politik vor Einmischungen in Marktpreise. Dies gilt vor allem für den langfristigen Zins am US-Rentenmarkt.

Stanley Druckenmiller, Leiter des Duquesne Family Office: "Die langfristige Rendite von US-Staatsanleihen ist der wichtigste Preis der Welt. Sie ist auch der einzige fiskalische Disziplinierungsmechanismus, der den USA noch geblieben ist."
Stanley Druckenmiller, Leiter des Duquesne Family Office: "Die langfristige Rendite von US-Staatsanleihen ist der wichtigste Preis der Welt. Sie ist auch der einzige fiskalische Disziplinierungsmechanismus, der den USA noch geblieben ist."© Victor J. Blue für Bloomberg

Eckpunkte:

  • Bessent-Mentor Stanley Druckenmiller erachtet US-Staatsanleihekäufe einen Fehler
  • Der Rentenmarkt ist zu mächtig, um sich dagegen zu stellen
  • Druckenmiller lässt mit seinen Einschätzungen laut einem Experten "Wahrheitsbomben platzen"

Stanley Druckenmiller hat angedeutet, dass sein ehemaliger Schüler Scott Bessent mit seinem Eingreifen am Anleihemarkt einen Fehler macht. Der milliardenschwere Investor war Mentor des heutigen US-Finanzministers zu Beginn von dessen Karriere als Hedgefonds-Händler. Das ist einem Bloomberg-Bericht zu entnehmen.

Bessent hat bekanntlich angekündigt, die Käufe langlaufender Staatsanleihen durch das US-Finanzministerium zu erhöhen. Der Schritt wird weithin als Versuch gesehen, die Renditen am wichtigsten Schuldenmarkt der Welt zu drücken.

Niemand kann sich gegen den Rentenmarkt stellen
Das würde helfen, die Finanzierungskosten für Unternehmen einzudämmen, und könnte das Wirtschaftswachstum stärken – sofern es funktioniert. Druckenmiller argumentierte jedoch in einem Meinungsbeitrag im "Wall Street Journal", die politischen Entscheidungsträger sollten den Anleihemarkt seine Aufgabe erfüllen lassen. Dabei erinnerte er an die Lehren aus seiner Zeit als Hedgefondsmanager.

“Regierungen, die Preise gegen die Fundamentaldaten verteidigen, verlieren immer”, schrieb Druckenmiller.

Asymmetrische Wetten
Druckenmiller arbeitete an der Seite von Bessent und George Soros und bleibt eine der einflussreichsten Stimmen an der Wall Street. Die drei waren dafür bekannt, große Wetten auf Währungen und ausländische Anleihemärkte einzugehen. Einige ihrer größten Erfolge erzielten sie mit Wetten gegen die Fähigkeit von Regierungen und Zentralbanken, sich der vorherrschenden Marktstimmung entgegenzustellen.

USA kommen von zwei Seiten unter Druck
Die Renditen 30-jähriger US-Staatsanleihen sind auf ein Niveau gestiegen, das seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr erreicht wurde. Darin spiegelt sich die Forderung der Investoren nach einer zusätzlichen Vergütung für das Halten länger laufender Staatsanleihen wider. Die US-Staatsverschuldung hat 40 Billionen Dollar überschritten. Damit steigt der Druck auf die politischen Entscheidungsträger, die Kreditkosten unter Kontrolle zu halten, während Washington zugleich immer mehr Schulden aufnimmt.

“Bessent sollte vielleicht auf seinen Mentor hören”, sagte Prashant Newnaha, Makrostratege bei TD Securities. “Druck[enmiller] lässt Wahrheitsbomben platzen. Im Wesentlichen sagt er, dass es keine einfache Lösung gibt.”

Mehrere Markteinschmischungen
Unter der Aufsicht Bessents haben die US-Behörden erstmals seit 30 Jahren japanische Yen gekauft. Gleichzeitig nutzte das Finanzministerium in Washington sogenannte Rate Checks, um Einfluss auf Devisenhändler zu nehmen.

Politik will niedrigere Zinsen
Anleiherenditen können sich direkt darauf auswirken, wie viel Unternehmen für die Aufnahme von Schulden zahlen. Sie beeinflussen zudem Hypothekenkosten und andere Kredite. Indem Bessent alle ihm zur Verfügung stehenden Instrumente nutzt, um diese Kosten zu senken, könnte er teilweise für die niedrigeren Zinsen sorgen, die US-Präsident Donald Trump von der Federal Reserve fordert.

Druckenmiller hält dies jedoch für einen falschen Ansatz. Er leitet inzwischen die Investmentfirma Duquesne Family Office.

Stattdessen deutet die Bereitschaft des Finanzministeriums, die Renditen direkt nach unten zu drücken, nach seiner Einschätzung darauf hin, dass es unter anderem der Bedeutung der Renditen als Signal für das Vertrauen der Anleger in die Haushaltslage der Regierung nicht genügend Aufmerksamkeit schenkt.

"... der wichtigste Preis der Welt"
“Ich habe fünf Jahrzehnte lang nach einer einfachen Prämisse gehandelt: Märkte bündeln Informationen, über die kein Ausschuss verfügt, und über Preise gelangen diese Informationen zu den Entscheidungsträgern”, schrieb Druckenmiller. “Die langfristige Rendite von US-Staatsanleihen ist der wichtigste Preis der Welt. Sie ist auch der einzige fiskalische Disziplinierungsmechanismus, der den USA noch geblieben ist.”

Twist 2.0
Die Möglichkeit, dass das Finanzministerium mehr kurzfristige Schuldtitel begibt, um seine Käufe zu finanzieren, erinnert an sogenannte Twist-Operationen, die die Federal Reserve mitunter in turbulenten Zeiten einsetzt. Eine solche Steuerung des Anleihemarkts durch das Finanzministerium stellt jedoch eine Ausweitung seines Aufgabenbereichs dar, die Anleger verunsichert hat, merkt Bloomberg an.

Vergleich mit physikalische Gesetzen
“Eine Regierung kann manchmal erfolgreich die Preise eines Vermögenswerts stützen, nur damit der Druck an anderer Stelle zum Vorschein kommt”, sagte Gareth Berry, Stratege bei Macquarie in Singapur. “Die Unterdrückung von Anleiherenditen kann beispielsweise zu einer Schwächung der Währung führen. Das ist vergleichbar mit dem Energieerhaltungssatz in der Physik, wonach Energie weder erzeugt noch vernichtet, sondern nur von einer Form in eine andere umgewandelt werden kann.” (aa)

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