Stada: Ein weiteres Kapitel einer fehlenden, heimischen Aktienkultur
Paukenschlag um Stada: Nach dem Hin und Her zwischen einem angepeilten Börsengang und einem direkten Verkauf geht das Frankfurter Parkett wieder einmal leer aus. Stattdessen geht das Unternehmen um rund zehn Milliarden Euro von den Eignern Bain Capital und Cinven an den Finanzinvestor CapVest.

Der Trend, dass mögliche Börsenkandidaten schlussendlich doch in den Händen von Finanzinvestoren blieben, ist laut Bloomberg allerdings nicht neu. Seit Jahren scheitern Börsengänge oder werden aufgeschoben. Stada im März, Brainlab und Autodoc kurz darauf.
Als Begründung wird unter anderem genannt, dass das Buch nicht gut war (was Bloomberg zufolge normalerweise bedeutet, dass zu viele Hedgefonds gezeichnet haben und zu wenige klassische Fonds oder Family Offices). Geopolitisch hat es gerade nicht gestimmt. Irgendwas ist ja immer.
IPO muss zusätzliches Kurspotenzial ermöglichen
Eigentlich müssten sich Banken und Emittenten ehrlich machen und eingestehen, dass in Europa jeder am Maximum bepreisen und im ersten Schritt so viel wie möglich loswerden will. Das sei laut Bloomberg ein Fehler. Die klassischen Fondsgesellschaften verlieren bei solchen IPOs in der Regel Geld und bleiben beim nächsten Mal fern.
In den USA ist es das Gegenteil. Der Drohnenhersteller Airo Group legte zum Börsenstart um 140 Prozent zu, der Stablecoin-Emittent Circle Internet Group sogar um 168,5 Prozent.
ETFs dürfen bei IPOs nicht zeichnen
Ein weiteres Problem für Börsengänge ist natürlich die Passivierung der Investorenlandschaft. ETFs sind günstig, zeichnen aber, anders als aktiv gemanagte Fonds, keine Aktien bei IPOs. Und ein aktienbasierter Rentenfonds Deutschlands, ein Projekt der FDP unter Christian Lindner, ist auch noch nicht am Start.
Laut Bloomberg sei das Schade. Ein Großteil der Wertsteigerung hiesiger Unternehmen bleibt der anlegenden Bevölkerung so vorenthalten. (aa)

