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Stablecoin-Experiment Terra: Chronologie des Abstiegs ins Nichts

Am notorisch volatilen Kryptomarkt sollen Stable Coins als Fels in der Brandung dienen. Ihr Wert sei an den Dollar gekoppelt, betonen die Entwickler und stärkere Schwankungen als bis auf 1,01 oder 0,99 Dollar gibt es normalerweise auch nicht.

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© sdx15 / stock.adobe.com

In der Nacht zum Dienstag mussten Anleger, die den Coin TerraUSD (UST) nutzten, indessen feststellen, dass der Wert ihrer Digitalmünzen auf gerade noch 60 Cent abgesackt war. Dies stellte selbst den Absturz vom Mai 2021 in den Schatten, als die Notierung auf 92 Cent gefallen war. Die Gründe für die Entkopplung der Terra-Münze sind Gegenstand intensiver Internet-Debatten. Sie ging mit starkem Verkaufsdruck am Aktienmarkt einher, im Rahmen dessen am Kryptomarkt ein Ausverkauf eingesetzt hatte. Die Risikoscheu war so groß, dass der Bitcoin-Preis zeitweise unter die Marke von 30.000 Dollar rutschte.

“Es ist ziemlich klar, dass es eine Vertrauenskrise gibt”, sagte Kyle Samani von Multicoin Capital gegenüber Bloomberg. Es sei nicht sicher, ob UST überleben werde. Die aktuellen Turbulenzen könnten sich vor diesem Hintergrund zu einem der größten Krypto-Zusammenbrüche der jüngeren Vergangenheit auswachsen.

Konventionelle Stablecoins halten, was sie versprechen
Emittenten konventioneller Stablecoins wie Tether (USDT) oder USDC von Circle behaupten, dass ihre Token durch “echte” Vermögenswerte wie Bargeld oder bonitätsstarke Anleihen im Verhältnis 1:1 gedeckt seien. In der Theorie halten diese Digitalmünzen ihren Wert, weil sie, so die Theorie, leicht gegen Bargeld oder hochliquide Cashäquivalente getauscht werden können. 

Algorithmische Stablecoins sind anders aufgesetzt
Im Gegensatz dazu versuchen algorithmische Stablecoins, ihren Wert durch eine Kombination aus in Softwareprogrammen kodierten Anweisungen und einer aktiven Finanzverwaltung zu halten. Der Terra-Stablecoin UST - der zusammen mit dem Schwester-Coin Luna funktioniert - ist der beliebteste und umstrittenste Token dieser Art.

Arbitrage zwischen UST und Luna
Wenn der Preis des Terra-Stablecoins unter einen Dollar fällt, haben Händler einen Anreiz, UST-Einheiten gegen Luna zu tauschen, wodurch erstere aus dem Verkehr gezogen werden. In ähnlicher Weise werden Softwareprogramme dazu veranlasst, das Gleiche zu tun. Steigt der Preis über einen Dollar, wird der Mechanismus umgekehrt angewendet: Luna-Token werden aus dem Verkehr gezogen, um gleichwertige neue UST-Einheiten zu schaffen. Händler, die von Arbitragemöglichkeiten profitieren wollen, tauschen regelmäßig UST gegen Luna und umgekehrt und stellen so sicher, dass der Preis bei oder sehr nahe bei einem Dollar bleibt.

Zinsen von rund 20 Prozent von von Anchor Protocol geboten
Ein weiterer Beitrag zur Preisstabilität von UST besteht im Krypto-Äquivalent der über dem Markt liegenden Zinsen, die von Anchor Protocol angeboten werden, einem “dezentralen Kreditgeber”, der auf Terras Blockchain aufbaut. Anchor bietet auf UST-Einlagen Zinsen von rund 20 Prozent, was einen erheblichen Nachfrageanreiz für den Token darstellte.

Weekend Troubles: Terras Dollar-Peg hielt nicht mehr
Am Wochenende funktionierten all diese Mechanismen nicht mehr: UST verlor seine Dollarbindung, und Luna rutschte ebenfalls im Wert ab. Dies führte zu einer Reihe von Eingriffen in den Kryptomarkt durch Do Kwon, das Krypto-Startup hinter UST und das Konsortium Luna Foundation Guard. UST lag damals immerhin bei knapp 90 Dollar-Cent. Der Wert des Luna-Coins ist unter 30 Dollar gefallen. Anfang April waren es zeitweise noch knapp 118 Dollar. Bitcoin notierte zuletzt bei 31.484 Dollar, nach zuvor zeitweise nur 29.764 Dollar am sehr frühen Morgen des Dienstag .

Kleine zahlen drauf
“Die größten Verlierer werden die Kleinanleger sein, die die Risiken nicht verstanden haben, die sie eingehen”, sagt Wagniskapitalgeber Samani von Multicoin Capital.

Die Tragödie ging am Donnerstag heftig weiter 
Die Turbulenzen bei digitalen Vermögenswerten setzten sich fort: Ein ETP (Exchange Traded Product), das den Luna-Token abbildet, stürzt um 99 Prozent ab, das sich Lunas Preis in Luft auflöste. Daraus resultierte möglicherweise die größte ETP-Wertvernichtung aller Zeiten. Konkret war es der 21Shares Terra ETP (Ticker: LUNA SW), der am Donnerstag um 99 Prozent auf 0,01 Schweizer Franken abrutschte, nachdem er am 6. Mai noch bei 22,29 Schweizer Franken stand. Das war zu der Zeit, bevor der TerraUSD Stablecoin, an den
Luna gekoppelt ist, aus seiner Dollar-Bindung herausfiel und dadurch den Luna-Preis in den Keller schickte. Der VanEck Terra ETN (VLNA GR) fiel in ähnlichem Ausmaß. Börsen-Delistings von solchen Produkten sind nicht auszuschließen.

Negativrekord
Es ist zwar schwierig, die eintägigen Rückgänge für alle ETPs zu verfolgen, da viele am Ende von der Börse genommen werden, doch ist dies der laut Bloomberg Intelligence schlechteste Tag für ein Produkt, den es je gab.

Vergleichsbeispiel
In den letzten Jahren war die Implosion des VelocityShares Daily Inverse VIX Short-Term ETN (XIV) in den "Vola-Armageddon"-Turbulenzen 2018 eines der wenigen Ereignisse, die dem geschilderten nahe kommen. Dieses Produkt wurde liquidiert nachdem es in einer einzigen Sitzung um 93 Prozent gefallen war, was zu Unruhe an den Märkten führte. (kb)

 



 

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