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Staatsschulden explodieren - Regierung will intervenieren

Die Summe der öffentlichen Verschuldung in den USA hat die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten. Unterdessen kündigt das Finanzministerium an, langlaufende Staatsanleihen zurückzukaufen – offensichtlich mit dem Ziel, die immer höher steigenden Renditen dieser Papiere zu drücken.

US-Finanzminister Scott Bessent will die Zinsen am langen Ende der US-Zinskurve durch Käufe von langlaufenden US-Treasuries nach unten drücken. 
US-Finanzminister Scott Bessent will die Zinsen am langen Ende der US-Zinskurve durch Käufe von langlaufenden US-Treasuries nach unten drücken. © Daniel Heuer / Bloomberg

Eckpunkte:

  • US-Staatsschulden steigen und steigen
  • Markt verliert das Vertrauen in die langfristige Bonität und fordert höhere Risikoprämien
  • US-Finanzministerium will am langen Ende US-Treasuries kaufen und am kurzen Ende verkaufen
  • Das erinnert an die Operation "Twist" von vor ein paar Jahren
  • Kritiker warnen, dass dies das Spannungsfeld zwischen Fiskal- und Notenbankpolitik verstärken könnte

Zwei Nachrichten aus den Vereinigten Staaten zeichnen in Kombination ein ungutes Bild für die Finanzmärkte: Zum einen liegen die US-Staatsschulden erstmals über 40 Billionen Dollar. Zum anderen sieht sich das US-Finanzministerium offenbar dazu gezwungen, gegen die steigenden Renditen von zehn- und 30-jährigen Staatsanleihen vorzugehen, die in den vergangenen Tagen besorgniserregende Niveaus erreicht hatten. Das ist einem Bloomberg-Bericht zu entnehmen.

Die ausstehende öffentliche Verschuldung belief sich zum Geschäftsschluss am Dienstag (18.8.) auf 40,05 Billionen Dollar (34,31 Billionen Euro), wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung des Finanzministeriums hervorgeht. Erst im Januar 2022 war die Marke von 30 Billionen Dollar überschritten worden. Damit ist die Verschuldung in weniger als fünf Jahren um ein Drittel gestiegen.

"Keine magische Schwelle"
Dennoch ignoriert Washington Forderungen, gegen die historisch hohen Haushaltsdefizite vorzugehen. Die Republikaner lehnen seit Langem Steuererhöhungen zur Steigerung der Einnahmen ab. Sowohl die Partei des US-Präsidenten als auch die Demokraten scheuen politisch unpopuläre Kürzungen bei Gesundheits- und Altersleistungen für Senioren. Viele Beobachter erwarten, dass der Kongress und die jeweilige Regierung erst handeln werden, wenn sie durch Verwerfungen an den Finanzmärkten dazu gezwungen werden.

"Ich bin sicher, dass das Überschreiten von Schwellenwerten wie 40 Billionen Dollar die Aufmerksamkeit kurzfristig auf das Problem lenken wird", sagte Matthew Luzzetti, US-Ökonom bei der Deutschen Bank. "Aber es stellt keine magische Schwelle für die Schuldendynamik dar, und Prognosen haben dieses Ergebnis seit einiger Zeit erwartet."

Schulden so teuer wie seit Jahrzehnten nicht
Wichtiger ist laut Luzzetti der Anstieg der Renditen von US-Staatsanleihen. Dadurch steigen die Kosten für die Bedienung der beispiellosen Schuldenlast kontinuierlich. Bei der jüngsten Auktion 30-jähriger Anleihen des Finanzministeriums am vergangenen Donnerstag ergaben sich die höchsten Kosten für eine solche Emission seit einem Vierteljahrhundert. Eine Auktion zehnjähriger Anleihen einen Tag zuvor brachte die höchsten Finanzierungskosten für diese Laufzeit seit 2007 (Institutional Money berichtete).

Die Nachricht, dass die US-Verschuldung die 40-Billionen-Dollar-Marke überschritten hat, kam wenige Stunden nach einer Ankündigung des Finanzministeriums, sein Rückkaufprogramm für länger laufende Wertpapiere mindestens verdoppeln zu wollen. Offiziell begründet wurde dieser Schritt damit, die Liquidität in diesem Marktsegment unterstützen zu wollen. Analysten und Anlagestrategen zweifeln jedoch an dieser Argumentation. Sie sehen darin vielmehr einen Versuch von US-Finanzminister Scott Bessent, die langfristigen Kreditkosten des Staates zu drücken. Tatsächlich fielen die Renditen langlaufender Staatsanleihen deutlich.

"Fiskalische Symptombekämpfung"
Stephan Kemper, Chief Investment Officer im Wealth Management von BNP Paribas, spricht von einer "fiskalischen Symptombekämpfung": Finanziert werde ein solcher Schritt typischerweise über die Ausgabe kurzlaufender Geldmarktpapiere. An den fundamentalen Realitäten und der Gesamtverschuldung ändere ein solcher Schritt faktisch jedoch nichts.

Vielmehr verschiebe das Schatzamt das Zinsrisiko primär auf das kurze Ende der Zinskurve. "Dort greift jedoch unverändert die Geldpolitik der Federal Reserve", so Kemper. Er verweist auf die jüngsten Fed-Protokolle, denen zufolge einige Währungshüter angesichts hartnäckiger Inflationsrisiken weiterhin über geldpolitische Straffungen diskutieren. "Eine Verlagerung der Refinanzierung auf kurze Fristen erhöht folglich die Abhängigkeit von geldpolitischen Entscheidungen und verstärkt das Spannungsfeld zwischen Fiskal- und Notenbankpolitik", mahnt er.

"Nur ein Aufatmen – mit Fragezeichen"
"Die US-Regierung braucht vor den Zwischenwahlen schnelle politische Erfolge, und vielleicht ist die Intervention des US-Finanzministeriums gegen steigende Renditen dadurch motiviert", meint Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank. Der Eingriff habe zwar Wirkung gezeigt. "Die Intervention darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Markt weiterhin anderer Meinung sein dürfte", so Stanzl. "Die Vorzeichen für steigende Renditen sind unverändert intakt – der Irankrieg bleibt ungelöst, die Staatsschulden wachsen weiter. So bleibt für die Märkte nur ein Aufatmen – mit Fragezeichen." (bm/Bloomberg)

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