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SpaceX-Börsengang: Völlig losgelöst von der Erde?

Das geplante IPO von SpaceX zeigt, wie euphorisch viele Anleger sind und dass die Korrekturrisiken steigen. Das ist einer Markteinschätzung von Mark Dowding, seines Zeichens Rentenchef von RBC BlueBay AM, zu entnehmen.

© Blue Planet Studio / stock.adobe.com

Eckpunkte:

  • SpaceX macht (noch) Verluste, könnte aber eine Market Cap von ca. 1,75 Billionen US-Dollar auf die Waage bringen
  • Vor allem Privatanleger sind euphorisch und wollen bei diesem Mega-IPO unbedingt dabei sein
  • Einige Belastungsfaktoren könnten die gute Marktstimmung jedoch jäh beenden

KI löst Hype aus
Optimistische Privatanleger haben US-Aktien zuletzt auf neue Höchststände getrieben. Die Begeisterung rund um KI und Tech hält an. Chip-Aktien verzeichnen in letzter Zeit eine ungebrochene Nachfrage, und Unternehmen wie Micron und Hynix verzeichneten in den letzten zwölf Monaten Kursgewinne von 770 Prozent bzw. 970 Prozent erzielt, rekapituliert Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management, in seinem Wochenkommentar.

Weltraum-Aktien sind der nächste "Place to be"
Auf dieser Basis baut sich ein Hype um den bevorstehenden Börsengang von SpaceX auf. Erste Kursgerüchte peilen laut Dowding eine Bewertung von 1,75 Billionen US-Dollar an: "Wohlgemerkt für ein Unternehmen, das im letzten Quartal vier Milliarden US-Dollar verloren hat. Konzepte wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis scheinen obsolet."

Privatanleger denken Dowding zufolge offenbar kurzfristig. Dieser eher spekulative Ansatz birgt Potenzial für Turbulenzen und Volatilität, sollte etwas schiefgehen. Die Zeit wird zeigen, wie klug es ist, auf Gerüchtebasis zu kaufen und später auf Faktenbasis wieder zu verkaufen, sobald der Börsengang live geht. "Einstweilen beherrschen weiterhin Gier und FOMO den Markt", moniert Dowding.

Viele negative Faktoren könnten die Börsen-Party crashen
Im Gegensatz dazu steht die Schwäche der Unternehmens- und Verbraucherstimmung in den meisten großen Industrieländern. Steigende Preise können Bilanzen belasten und die Nachfrage dämpfen. Die Straße von Hormus bleibt weitgehend geschlossen, mit Auswirkungen auf die Lieferketten, die noch Monate oder sogar Quartale lang andauern werden. Selbst in einem optimistischen Szenario bezweifelt Dowding daher, dass die Energiepreise im weiteren Verlauf des Jahres 2026 nennenswert sinken werden.

"Folglich sind wir der Ansicht, dass die Märkte die Inflationsrisiken zu optimistisch einschätzen. 5-jährige US-Inflationsswaps werden derzeit nur bei 2,6 Prozent gehandelt – ein Niveau, das nur geringfügig über dem liegt, das wir erwarten würden, wenn die Fed ihr Kern-PCE-Inflationsziel von zwei Prozent konstant erreichen würde", moniert Dowding.

Dowding erwartet, dass sowohl die EZB als auch die Bank of Japan im Juni die Zinsen anheben werden, während die Fed und die Bank of England die Zinsen unverändert lassen dürften. Vor dem Hintergrund eines schwachen Wachstums erscheint ein zweiter EZB-Schritt im September möglich, aber keineswegs garantiert. In Japan scheint eine Anhebung des Leitzinses auf 1,0 Prozent im Juni und dann eine weitere Anhebung um 25 Basispunkte zum Jahresende denkbar.

Falkenhafter Kommentar aus der Fed
In den USA war es interessant zu hören, dass Gouverneur Christopher Waller eine neutrale Haltung in Bezug auf Zinssätze befürwortete. Vor wenigen Monaten, als er für das Amt des Fed-Vorsitzenden im Gespräch war, hatte er niedrigere Zinsen angemahnt. Die ausgelassene Stimmung am Aktienmarkt könnte durchaus für eine zurückhaltende Geldpolitik sprechen – Stichwort Finanzstabilität.

Die Risiken steigen
Es ist schwer zu sagen, ob Wirtschaftsdaten, Zentralbanken, die KI-Rally oder geopolitische Ereignisse in den nächsten Wochen die dominierenden Treiber sein werden. Klar ist für Dowding, dass in den letzten Wochen Geld in die Märkte gesaugt wurde, entweder um Long-Positionen aufzustocken oder Short-Positionen zu schließen, und zwar auf Niveaus, die anfällig werden könnten, sollte es zu einem Abwärtstrend kommen.

Der Börsengang von SpaceX dürfte laut Dowding interessant werden, da Insider, die bereits Long-Positionen in der Aktie halten, das Interesse an dem Deal sicherlich befeuern werden, und auch die Wall-Street-Banken werden ihre Bestände wahrscheinlich hochjubeln.

Die Luft für Kursanstiege wird dünner
Dennoch müssten 85 Milliarden US-Dollar an frischem Kapital bereitgestellt werden, damit dieser Börsengang stattfinden kann. Obwohl diese Aktie schnell in Marktindizes aufgenommen werden wird, ist unklar, ob passive Fonds von Anfang an investieren können. Institutionelle Anleger dürften die Bewertung mit Skepsis betrachten, und so wird die Nachfrage von Privatanlegerseite über den Erfolg entscheiden.

Ob die Aktie performt, müsse sich Dowding zufolge erst zeigen. Ein Rechenbeispiel: Für eine Verdopplung des Kurses von SpaceX wäre dann noch einmal eine zusätzliche Marktkapitalisierung von 1,75 Billionen US-Dollar nötig. Bei dieser Größe kann die Schwerkraft das Wachstumstempo bremsen. Die Marktkapitalisierung des gesamten US-S&P-Index lag noch im März 2009 bei gerade einmal 6,9 Billionen US-Dollar. (aa)

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