Sonderstellung von SpaceX im Index: Gefahr für passives Investieren
SpaceX geht am 12. Juni 2026 an die Börse: Für Dr. Christian Jasperneite, CIO von M.M.Warburg & CO, ist jedoch weniger das Mega-IPO selbst aufsehenerregend, sondern die Sonderstellung, die die Nasdaq dem Unternehmen gewährt.

Eckpunkte:
- Free Float von SpaceX & Co um Faktor drei künstlich erhöht
- Passive Investoren müssen mehr Aktien nachfragen, als es dem Free Float entspricht
- Glaubwürdigkeit der Indizes steht auf dem Spiel
Was es bedeutet, dass die Wertpapier-Börse Nasdaq für SpaceX – und bald wohl auch Antrophic und OpenAI – die Regeln rund um ihren Free-Float-Faktor im Nasdaq 100 änder, und welche schwerwiegenden Folgen sich daraus für die Finanzmärkte ergeben können, erläutert Christian Jasperneite, CIO von M.M.Warburg & CO.
Börsengang von SpaceX ist wohl das Thema Nummer eins
Rund um eine derart aufsehenerregende Neuemission wie den Börsengang von SpaceX entzünden sich naturgemäß zahlreiche Diskussionen – über Bewertungen, über Geschäftsmodelle, über Zukunftsfantasien. Neben diesen berechtigten Debatten stellt sich eine strukturelle Frage, die dieser Börsengang in den Vordergrund rückt: die Funktionsweise und Integrität großer Aktienindizes. Jasperneite dazu: "Ein Aspekt gibt derzeit aus unserer Sicht erheblich Anlass zur Verwunderung – und dieser ist grundsätzlicher Natur. Er betrifft die Indexmechanik des Nasdaq-100-Indexes. Diese wurde recht offensichtlich auf „Wunsch" von Elon Musk so adaptiert, dass einige Fragen entstehen, um es einmal höflich zu formulieren."
Free-Float-Faktor ausgehebelt
Ein Index hat grundsätzlich die Aufgabe, einen Markt oder einen Teilmarkt in seiner Breite repräsentativ abzubilden. Daher werden die Aktien in einem Index proportional zur Unternehmensgröße und damit zur Marktkapitalisierung gewichtet. Da aber oftmals viele Aktien eines Unternehmens in „festen Händen" sind und daher nicht frei gehandelt werden können, wird bei der Berechnung eines Indexgewichtes auf die free-float-gewichtete Marktkapitalisierung abgestellt. Das heißt: Wenn etwa nur 50 Prozent der Aktien eines Unternehmens frei handelbar sind, wird bei der Bestimmung des Indexgewichtes die Marktkapitalisierung auch nur zur Hälfte berücksichtigt. Aufgrund des sehr geringen Free-Float-Faktors, hätte dies bei SpaceX dazu geführt, dass das Indexgewicht in der Nasdaq 100 nicht übermäßig hoch ausgefallen wäre.
Künstlich erhöhtes Indexgewicht und damit mehr Nachfrage nach SpaceX & Co.
Und nun kommt laut Jasperneite der Clou: "Die Nasdaq hat entschieden, bei diesem Unternehmen – und wohl auch bei zukünftigen Börsengängen von Open AI und Anthropic – diesen Faktor künstlich um den Faktor drei zu erhöhen. Was sich zunächst wie ein technisches Detail anhört, hat handfeste Konsequenzen, denn: Wenn aufgrund der neuen Fast-Entry-Regel SpaceX nach schon 15 Handelstagen Teil des Nasdaq-100-Indexes wird, müssen ETF-Gesellschaften massiv in diese Position umschichten, und zwar in einem Umfang, wie es der Anteil der frei gehandelten Aktien eigentlich gar nicht hergibt."
Manipulierte Indizes gefährden Erfolgsgeschichte des passiven Investierens
Aus diesem Mechanismus ergibt sich zunächst ein weiteres Performancepotential, das inhärent durch nahezu zwingende Kapitalflüsse „eingebaut" zu sein scheint. Mit einer seriösen Indexkonstruktion habe das aber nicht mehr viel zu tun, so Jasperneite. "Noch viel schwerwiegender ist jedoch ein weiterer Punkt: Zwar führt diese sehr spezielle Konstruktion zunächst wohl zu einer erfreulichen Wertentwicklung. Genauso sicher scheint jedoch, dass die massive Gewichtung der Aktie vor dem Hintergrund eines geringen Free-Floats auch zu einer erhöhten Volatilität führt. Die Nasdaq wird vermutlich noch den Tag verfluchen, an dem sie vor Musk und Co einen Kotau gemacht hat. Passives Investieren ist seit über drei Jahrzehnte eine gewaltige globale Erfolgsgeschichte. Wenn jetzt Indexanbieter anfangen, Indizes mit Taschenspielertricks zu manipulieren, bekommen wir alle aber ein Problem." (kb)