So wird das Börsenjahr 2026, geht es nach Peter E. Huber
Führende Banken und Asset Manager erwarten für Ende 2026 durchschnittlich einen Dax-Stand von 26.000 Punkten, was einem Anstieg von knapp sieben Prozent entspricht. Ungewöhnlich daran ist diesmal, dass die Prognosen extrem dicht zusammenliegen und keiner der Befragten einen fallenden Index erwartet.

Auch für den S&P 500 liegen die Schätzungen eng zusammen. Taunus Trust hat die Indexprognosen über viele Jahre ausgewertet und das Ergebnis war ernüchternd. Die Trefferquote lag weit unter 50 Prozent, und am meisten lagen die Experten in Jahren mit starken Indexrückgängen schief. Trotzdem werden sie von den Investoren zu Prognosen gedrängt, bieten sie doch vermeintlich eine Orientierungshilfe bei der Geldanlage. "Wir verzichten deshalb wie üblich auf alle Vorhersagen, was das kommende Jahr bringen kann. Wir haben allerdings gute Erfahrungen damit gemacht, längerfristige Entwicklungen auf fünf bis zehn Jahre richtig abzuschätzen. Trotzdem übernehmen wir für die folgenden Annahmen keinerlei Gewähr", sagt Peter E. Huber, Börsen-Urgestein und Fondsmanager bei Taunus Trust.
Die globale Schuldenkrise kommt schneller als man denkt!
Dreh- und Angelpunkt der Überlegungen sei eine kommende Schuldenkrise, so Peter E. Huber weiter. Weltweit sei der Schuldenberg allein seit Anfang des Jahrhunderts von zirka 80 auf deutlich über 300 Billionen US-Dollar gestiegen. Besonders hervorgetan habe sich dabei der öffentliche Sektor, wobei die globalen Schuldenexzesse der Staaten auch im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt ein neues historisches Hoch erreicht hätten.
Steigende Zinsbelastungen
Eine Folge ist, dass die staatlichen Schuldendienste zu immer höheren Zinsbelastungen führen. In den USA wird schon fast ein Viertel der Steuereinnahmen für Zinszahlungen benötigt. Inzwischen werden die neuen Schulden (gemeint sind natürlich „Sondervermögen“) immer kurzfristiger finanziert, da langfristige Laufzeiten kaum mehr unterzubringen und die Geldmärkte noch relativ aufnahmefähig sind. Als Folge steigt der jährliche Refinanzierungsbedarf explosionsartig an.
Frisch gedrucktes Geld im Spiel
Da auch diese Trickserei inzwischen nicht mehr ausreicht, genügend Dumme zu finden, die den Staaten ihre Ersparnisse leihen, beginnen die Notenbanken wieder, Staatsanleihen mit frisch gedrucktem Geld aufzukaufen, zum Beispiel das amerikanische FED mit 30 Milliarden US-Dollar monatlich. Da auch das nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, will Trump die amerikanische Notenbank unter seine Kontrolle bringen, um die kurzfristigen Zinsen auf ein Prozent oder darunter zu senken. Auch wurden bereits Überlegungen angestellt, ausländische Staatsgläubiger zum Umtausch ihrer Dollarbonds in T-Bonds mit hundertjähriger Laufzeit und niedriger Verzinsung zu zwingen, wenn sie das Wohlwollen und den militärischen Schutz ihrer amerikanischen „Freunde“ nicht verlieren wollen.
Dollar-Misstrauen steigt
Womit Peter E. Huber beim US-Dollar wäre, der seit 1913 bereits 95 Prozent seiner Kaufkraft verloren hat - die meisten anderen Währungen allerdings noch mehr. "Das Misstrauen in die Weltleitwährung ist bereits stark gestiegen, seit der US-Dollar als Waffe eingesetzt wird – zum Beispiel durch das Einfrieren russischer Währungsreserven zu Beginn des Ukraine-Kriegs. Leider können die beiden Alternativen, der Euro und der japanische Yen nur wenig davon profitieren, da auch deren Wert durch die Schuldenexzesse und die Geldentwertung erodiert. So trifft wohl zu, was Voltaire schon vor Jahrhunderten gesagt hat: Papiergeld - Fiat Money - kehrt früher oder später immer zu seinem inneren Wert zurück – nämlich zu Null."
Die Flucht in Sachwerte ist bereits im Gange!
Viele Investoren wundern sich, warum die Börsen auf immer neue Allzeithochs steigen, trotz der zahlreichen geopolitischen Krisen und durchwachsenen Gewinnaussichten in vielen Branchen. Und auch Gold und Silber glänzen. "Dies könnte daran liegen, dass wir am Beginn einer Vertrauenskrise in Nominalwertanlagen stehen und eine Flucht in Sachwerte der einzige Ausweg bleibt", sagt Huber. "Der dadurch ausgelöste „Melt-up-Boom“ dürfte noch viele Jahre anhalten, auch wenn er immer wieder von scharfen Korrekturen unterbrochen wird. Börsenkrisen sind eine völlig normale Begleiterscheinung in einem langfristigen Aufwärtstrend bei Dividendenpapieren und sorgen immer wieder für eine gesunde Marktbereinigung. Die schwachen Hände werden abgeschüttelt, wie Börsenaltmeister Kostolany zu sagen pflegte."
Überhitzungserscheinungen vorhanden, aber auch Märkte für Antizykliker
Diese erinnern an Blasen, und deren Platzen kann eine entsprechende Krise auslösen. "Wir denken dabei an die „glorreichen Sieben“ oder an die „Kryptowährungen“, deren Zukunft wir überhaupt nicht einschätzen können. Aber für Antizykliker gibt es immer noch attraktive Anlagemöglichkeiten. So bevorzugen wir seit Jahren die asiatischen Märkte, die nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen. Zwar gab es schon im vergangenen Jahr teilweise schöne Kurssteigerungen, die aber durch die schwachen Währungen für Euro-Anleger deutlich geschmälert wurden. Louis und Charles Gave von der renommierten Hongkonger Research-Boutique Gavekal bezeichnen die asiatischen Währungen inzwischen als absurd unterbewertet."
Währungen als Spassverderber für Euro-Investoren
Überhaupt haben Währungsverluste 2025 die schönen Kursgewinne an den Börsen deutlich dezimiert. So stieg der MSCI Welt Aktienindex in US-Dollar um stolze 21,6 Prozent. In Euro blieben davon gerade einmal 7,3 Prozent übrig.

Energie- und Rohstoffwerte antizyklisch interessant!
Ein weiterer Bereich, der für Contrarians interessant sein dürfte, ist laut Peter E. Huber der Energie- und Rohstoffbereich: "Die Öl- und Gaspreise sind 2025 wegen Meldungen über ein weltweites Überangebot massiv gesunken, und entsprechend enttäuschend verlief die Kursentwicklung bei den Aktien der Produzenten. Dabei gibt es konkrete Anzeichen, dass die US-Ölproduktion ihren Höhepunkt - bald - überschritten haben könnte. Die Investitionen in die Erschließung neuer Vorkommen sind drastisch zurückgefahren worden. Auf der anderen Seite gibt es bisher keine Anzeichen, dass der Öl- und Gasverbrauch trotz dem verstärkten Ausbau alternativer Energiequellen deutlich rückläufig wäre."

Rohstoffwerte sind natürlich 2025 schon kräftig gestiegen
Dies gilt, wie von Peter E. Huber und seinen Kollegen von Taunus Trust schon vor Jahren prognostiziert, besonders für Gold und Silber. Bei vielen anderen Rohstoffen, die für die Energiewende dringend benötigt werden, sind noch keinerlei Überhitzungserscheinungen erkennbar und die Erschließung neuere Vorkommen gehen wegen der ESG-Regularien zurück.

(kb)

