So mischt KI die Karten bei Software-Herstellern und IT-Projekten neu
Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) könnte die Preise für Routine-IT um bis zu 25 Prozent drücken, meint Hexaware-Chef Srikrishna Ramakarthikeyan. Das hat Auswirkungen auf die Verrechnung von Leistungen, die Personalpolitik und schlußendlich auf die Inflationsentwicklung.

Eckpunkte:
- KI ermöglicht die raschere Programmierung und Abwicklung von IT-Projekten.
- Das führt zu niedrigeren Preisen und zum Teil neuen Absatzchancen
- Der KI-Einsatz ersetzt Personal und hat negative Entwicklungen für den gehobenen Arbeitsmarkt
- Auf volkswirtschaftlicher Ebene führt dies zu deflationären Tendenzen
Bis zu 25 Prozent niedrigere Preise für routinemäßige IT-Projekte: Dieses Potenzial sieht der Chef des indischen Unternehmens Hexaware Technologies durch den Einsatz von KI. Die Technologie könnte damit erhebliche Auswirkungen auf die arbeitsintensive IT-Branche haben. Das ist einem Bloomberg-Bericht zu entnehmen.
Sinkende Preise und deflationäre Entwicklung voraus
Da KI die Effizienz steigert, könnten Kunden für einige Arbeiten, die Hexaware derzeit erledigt, 20 bis 25 Prozent niedrigere Preise verlangen, sagte Srikrishna Ramakarthikeyan im Bloomberg-Interview. Hexaware werde für dieselbe Aufgabe weniger Mitarbeiter benötigen, da KI zunehmend Tätigkeiten übernehme.
“Für einige Dienstleistungen wirkt KI deflationär”, sagte der 56-Jährige. “Die Zahl der Menschen, die für dieselbe Arbeit benötigt werden, wird sinken.”
Neue Geschäftsmöglichkeiten
Hexaware will mithilfe von KI in neue Geschäftsfelder vorstoßen. Höhere Produktivität soll es dem Unternehmen ermöglichen, Aufträge zu verfolgen, die es bislang traditionell nicht übernommen hat. Damit will man in Indiens 280 Milliarden Dollar schwerer Outsourcing-Branche neue Umsatzquellen erschließen.
Mehr als die Hälfte des Umsatzes von Hexaware ist bereits “KI-integriert”, sagte Ramakarthikeyan. Das bedeutet, dass die Arbeiten, für die das Unternehmen Geld verlangt, zumindest teilweise von KI erbracht werden. Er erwartet, dass dieser Anteil innerhalb von drei Jahren auf etwa 80 Prozent steigt.
Die Aktien von Hexaware haben seit dem Börsengang Anfang vergangenen Jahres im zweistellien Prozentpunktebereich nachgegeben angesichts der Fragezeichen, die KI bei Anlegern mit Blick auf die Geschäftsmodelle in der Branche aufwirft. Für die größeren Konkurrenten Infosys, Wipro und Tata Consultancy Services ging es an der Börse jeweils um rund 40 Prozent abwärts.
Negative Entwicklungen für den gehobenen Arbeitsmarkt
Mit der Ausweitung des KI-Einsatzes haben die großen IT-Unternehmen ihre Einstellungen eingeschränkt. Auch Indiens Arbeitsmarkt dürfte die Folgen zu spüren bekommen: Die IT-Unternehmen stellen traditionell jedes Jahr Hunderttausende Hochschulabsolventen für Projekte bei multinationalen Konzernen, Banken und Regierungen ein, merkt Bloomberg an.
Hexaware werde künftig wahrscheinlich weniger Berufseinsteiger unter den Ingenieuren einstellen und zugleich nach Bewerbern mit KI-Kompetenzen suchen, sagte der CEO.
Kunden dürften ihre IT-Teams wegen KI verkleinern können, sagte Ramakarthikeyan. Hexaware habe jedoch keine Aufträge verloren, weil Kunden beschlossen hätten, die Arbeiten mithilfe von KI selbst zu erledigen, so der CEO.
Andere Abrechnungsmethoden erforderlich
KI veranlasst Hexaware auch dazu, sein Vergütungsmodell zu überdenken. Die meisten Umsätze der Branche sind an abrechenbare Arbeitsstunden gekoppelt, sagte Ramakarthikeyan. Produktivitätssteigerungen könnten daher keinen erheblichen Umsatzanstieg bedeuten. Das Unternehmen strebt deshalb nun mehr Festpreis- und plattformbasierte Verträge an. Es erwartet, dass KI-Tokens, also die Kosten für den Betrieb von KI-Modellen, zu einem neuen Bestandteil der Technologiebudgets der Kunden werden.
KI mischt die Karten für viele Unternehmen neu
Der CEO setzt zudem darauf, dass Hexaware Ausgaben außerhalb traditioneller IT-Dienstleistungen für sich gewinnen kann. Das Unternehmen bringt Produkte auf den Markt, die darauf abzielen, Kosten für Softwarelizenzen zu beseitigen, und entwickelt KI-native Produkte. “Wenn es eine Branche ist, in der wir ausreichenden Zugang zu Kunden haben, werden wir selbst in diesem Geschäft tätig sein”, sagte er. (aa)

