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Die neue Normalisierung

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Seit 2009 haben die Zentralbanken ihre Bilanzen auf beispiellose Art aufgebläht. Angesichts des weltweit verbesserten Wirtschaftsumfelds hat die Notwendigkeit einer „Normalisierung“ – Anhebung der Zinsen und Reduzierung der Bilanzen – zu einer vierten Welle des Tapering geführt.

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So können Investoren von der Ungeduld anderer Anleger profitieren

Bei vielen Marktteilnehmern wird der Anlagehorizont immer kürzer, es zählen vorwiegend kurzfristige Ergebnisse. Gerade in so einem ungeduldigen Marktumfeld können antizyklisch agierende Investoren bzw. deren Fondsmanager signifikante Ertragsquellen nutzen – vor allem in den Emerging Markets.

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An der Börse braucht es ausführliches Research und dann jede Menge Sitzfleisch bzw. Geduld, um auf lange Sicht möglichst hohe Renditen zu erzielen.

An der Börse verdient man bekanntlich das große Geld mit seinem Sitzfleisch, also mit Geduld beim Einstieg und insbesondere mit Geduld und Beharrlichkeit beim Halten und Verkaufen von Wertpapierbeständen. Dies gilt insbesondere in den Emerging Markets. Denn genau dort verfügen Anleger über wenig Geduld und neigen zu Aktionismus. Investoren sollten sich dies zu Nutze machen, empfehlen Laurent Saltiel (Bild links), Chief Investment Officer Emerging Markets Growth, und Naveen Jayasundaram, Research Analyst Emerging Markets Growth, von AllianceBernstein (AB), in einer Analyse auf dem hauseigenen AB-Blog.

Anleger haben immer weniger Geduld – vor allem in Asien
So soll sich laut den beiden Autoren den vergangenen Jahrzehnten der Anlagehorizont erheblich verkürzt haben: Die durchschnittliche Haltedauer für amerikanische Aktien etwa habe sich seit den Siebzigerjahren halbiert auf weniger als zwei Jahre. Die Umschlagshäufigkeit sei an den Schwellenmärkten sogar noch höher: In fünf asiatischen Schlüsselländern habe sich die durchschnittliche Haltedauer auf weniger als ein Jahr reduziert:

Informations-Overkill lässt Renditen schrumpfen
Damit stellt sich die Frage, warum Anleger so rastlos agieren. Saltiel und Jayasundaram argumentieren einerseits mit der modernen Informationstechnologie, die Investoren innerhalb von Sekunden Zugang zu Finanzdaten gewährt und zu einem Boom beim algorithmischen Handel geführt hat. Diese automatisierten Trades machen heute über die Hälfte des US-Handelsvolumens aus.

Zweitens sind Hedgefonds mit ihren tendenziell kurzfristigen Ansätzen seit Mitte der Neunzigerjahre auf ein Gesamtvermögen von beinahe drei Billionen US-Dollar angeschwollen. „Die Sell-Side hat darauf reagiert, indem sie den Researchfokus verstärkt auf den 12-Monats-Ausblick für Aktien legt“, erklären Saltiel und Jayasundaram.

Die zunehmende Kurzsichtigkeit vieler Marktteilnehmer schafft nach Einschätzung der zwei AB-Experten Chancen für langfristig orientierte Anleger. Das gelte insbesondere für die Schwellenländer, wo die Verfügbarkeit von Marktdaten weniger gut ist und Verbrauchertrends sich nur über Jahre hinweg voll entwickeln.

Langfristigen Zinseszinseffekt nutzen
Wie können Anleger Schwellenland-Unternehmen finden, die sich durch dauerhafte Wachstumsaussichten und somit als signifikante Ertragsquelle auszeichnen? Wachstumsorientierte Anleger suchen stets nach Unternehmen, die Wachstum länger als erwartet liefern können. „Unserer Überzeugung nach ist es heute wichtiger denn je, Unternehmen mit dauerhaftem Wachstumspotenzial gegenüber den am stärksten wachsenden Unternehmen zu favorisieren. Mit der nötigen Geduld können Anleger jenseits des Mediengetöses verlässliche Quellen für gute langfristige Erträge finden“, sind Saltiel und Jayasundaram überzeugt und verweisen auf den Zinseszinseffekt bei Unternehmensbewertungen:

Saltiel und Jayasundaram beginnen mit einer Analyse der abgezinsten Zahlungsströme (Discounted Cash Flow, DCF). Dieses Verfahren schätzt den intrinsischen Wert eines Unternehmens, indem es den aktuellen Kapitalwert der zukünftigen Zahlungsströme schätzt. Der im DCF-Modell verankerte Zinseszinseffekt vergrößert den Einfluss langfristigen Wachstums. Wenn also die Wachstumsrate in den ersten drei Jahren um einen Prozentpunkt steigt oder fällt, verändert sich der aktuelle Kapitalwert kaum (nur um drei Prozent).

„Wenn wir jedoch die gleiche Wachstumsrate für die Jahre vier bis zehn betrachten, ändert sich der Kapitalwert um 12–13 Prozent. Anders ausgedrückt: Ein Anleger kann mit einer Prognose für das Wachstum jenseits von vier Jahren viel mehr Geld verdienen als mit der Einschätzung des kommenden Quartals“, betonen Saltiel und Jayasundaram.

Fondsmanager-Expertise notwendig
Die Zeit vergrößert laut Saltiel und Jayasundaram in zunehmendem Masse die Auswirkung von nachhaltigem Wachstum. „Um jedoch davon zu profitieren, können Anleger nicht einfach eine Aktie kaufen und für mehrere Jahre halten. Extensives Research hinsichtlich der langfristigen Aussichten eines Unternehmens ist notwendig, anstatt einfach die Ergebnisse des kommenden Quartals vorherzusagen“, erklären die beiden AB-Experten abschließend in eigener Sache. (aa)

 

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