So aktiv sind aktive ETFs wirklich
Wer einen aktiven ETF kauft, erwartet aktives Management – also ein Produkt, das gezielt vom Index abweicht, um Mehrrendite zu erzielen. Jan Tachtler hat sich die Produkte genauer angesehen. Sein Befund: Die meisten aktiven ETFs sind aktuell deutlich weniger aktiv, als ihr Name vermuten lässt.

Eckpunkte:
- Relativ kleines, aber wachsendes Universum
- Untersuchung anhand von Active Share und Tracking Error
- Aktive ETFs weisen eine indexnahe Zusammensetzung auf
Um herauszufinden, wie aktiv aktive ETFs tatsächlich gemanagt werden, berechnete der Leiter der Fonds- und Managerselektion bei HQ Trust, Jan Tachtler, für rund 40 in Deutschland verfügbare Produkte zwei Kennzahlen: den aktuellen Active Share und den Tracking Error über das vergangene Jahr. Als Benchmark diente jeweils der im Verkaufsprospekt angegebene Vergleichsindex – also die Messlatte, an der sich der Produktanbieter selbst messen lässt.
Active Share und Tracking Error untersucht
Der Active Share gibt bekanntlich an, wie stark ein Portfolio vom Vergleichsindex abweicht. Ein Wert von null Prozent bedeutet: Der Fonds ist identisch mit dem Index. Ein Wert von 100 Prozent bedeutet: Es gibt keine einzige gemeinsame Position. Der Tracking Error misst, wie stark die relative Wertentwicklung des Fonds im Vergelich zu seiner Benchmark über die Zeit schwankt. Ein niedriger Tracking Error bedeutet, dass die relative Rendite zu einem Index keinen starken Schwankungen unterliegt und der Fonds somit nah an der Wertentwicklung des Index liegt. Ein hoher Wert suggeriert hingegen starke Abweichungen durch den Manager.
Geringer Marktanteil aktiver ETFs
Dass für die Analyse keine große Anzahl an Produkten zur Verfügung stand, ist kein Zufall: Der Marktanteil aktiver ETFs liegt weltweit nach wie vor deutlich unter zehn Prozent. Viele der Produkte sind zudem so neu, dass kein einjähriger Track Record vorlag – eine Mindestvoraussetzung für die Berechnung dieser Analyse.

Erkenntnisse
Die große Mehrheit der aktiven ETFs bleibt, wie die Grafik zeigt, nah am Index. Jan Tachtler führt aus: „Die meisten der analysierten Produkte weisen einen Active Share unter 60 Prozent auf – und einen Tracking Error von unter zwei Prozent. Das entspricht eher einem indexnahen als einem wirklich aktiven, konzentriertem Investmentansatz.“
Ausreißer gibt es – aber mit Erklärung
„Nur einige wenige ETFs zeigen deutlich höhere Abweichungen“, weiß Tachtler zu berichten. „Dabei handelt es sich häufig um eher thematische Produkte – etwa einen Klima-ETF, der als Benchmark den MSCI ACWI verwendet. Hier sorgt schon die Themenfokussierung strukturell für einen höheren Active Share, unabhängig vom Aktivitätsgrad des Managers.“
Die Wahl der Benchmark spielt eine große Rolle
„Vergleicht man einen aktiven ETF auf US-Aktien nicht mit dem S&P 500, sondern mit dem MSCI USA, ergeben sich schon allein durch die unterschiedliche Titelanzahl der Indizes höhere Abweichungswerte. Der eine hat 500 Titel, der andere mehr als 600. Gleiches gilt für MSCI World (rund 1650 Titel) und MSCI ACWI (rund 2900 Titel). Hier entstehen allein durch die Indexwahl Abweichungswerte, ohne dass der Manager zwingend aktiver agiert.“
Der Markt ist noch jung, das Bild kann sich ändern
Tachtler dazu: „Der Markt für aktive ETFs ist jung und wächst schnell. Was heute gilt, muss in zwei oder drei Jahren nicht mehr zutreffen. Aktuell aber dominiert ein indexnahes Management.“ (kb)

