Sind Kurzläufer derzeit „the Place to be“?
Ein hochrangiger Manager von TwentyFour Asset Management analysiert die derzeitige Situation bei kurzlaufenden Anleihen und zeigt, wie institutionelle Investoren von einer steileren Zinskurve profitieren können, ohne hohe Durationsrisiken tragen zu müssen.

Eckpunkte:
- Anleihen mit kurzer Restlaufzeit bieten derzeit attraktive Renditen
- Investoren können von einer steileren Zinsstrukturkurve ohne Inkaufnahme hoher Durationsrisiken profitieren
- Twenty Four AM bevorzugt eine aktive Titelauswahl im Finanzsektor, um die Erträge aus kurzlaufenden Anlagen zu ergänzen
Angesichts steigender öffentlicher Verschuldung und höher langfristiger Default-Risiken stellen sich viele institutionelle Investoren die Frage, wo sie bei Anleihen risikobereinigt attraktive Renditen finden.
Nach Ansicht von Chris Bowie, Partner und Co-Head of Investment Grade bei TwentyFour Asset Management, einer Boutique von Vontobel, sollten sich Rentenanleger auf Segmente konzentrieren, die einen maximalen „Break-Even-Schutz“ bieten. In einer Marktanalyse empfiehlt Bowie: „Wir meinen damit eine Kombination aus attraktiver Rendite oder Carry für solide Erträge, bei gleichzeitig niedriger Laufzeit, sodass Kapitalschwankungen durch Rendite- oder Spread-Volatilität minimiert werden und die Gesamterträge nicht beeinträchtigt werden, selbst wenn die Marktschwankungen die Renditen beeinflussen.“
Die Zinskurve nutzen
Da die Zinskurven aktuell steiler verlaufen, sollten Investoren nicht eigentlich mehr Duration eingehen? Laut Bowie bis zu einem gewissen Grad ja: „Aber angesichts der genannten Risiken einer weiteren Versteilerung der Zinskurve empfehlen wir Investoren, die Kapitalrisiken höherer Duration weiterhin mit Vorsicht zu betrachten. Einer der Vorteile einer steiler werdenden Zinskurve ohne zu hohe Duration ist das sogenannte „Roll-Down“: Allein der Zeitablauf erhöht die Rendite, weil die Anleihenrenditen im Zeitverlauf sinken und dies zu zusätzlichen, moderaten Kursgewinnen neben der attraktiven Anfangsrendite führt.“
In den letzten zwei Jahren war eine deutliche Versteilerung der Zinskurve zu beobachten (siehe die erste Grafik unten), wobei die US-, die britische und die deutsche Zinskurve sich jeweils um den Zweijahrespunkt drehten. Die britische Zinskurve (blaue Linien) zeigte, dass langlaufende Renditen von einem niedrigeren Niveau als die US-Renditen (rote Linien) inzwischen auf ein höheres Niveau gestiegen sind. Da die Kosten für Währungsabsicherung von GBP auf USD praktisch bei null liegen, erscheinen britische Staatsanleihen nun auch aus Bewertungssicht für Bowie attraktiver.
Zinskurven in Bewegung

Deutlich steilere Zinskurven in den letzten 20 Monaten
Zusätzliche Rendite
Zum Teil war es Bowie zufolge dieser Versteilerung der Zinskurve zu verdanken, dass der ICE/BAML-Index im Jahr 2025 eine Rendite von 5,49 Prozent erzielte, obwohl die Anfangsrendite zu Beginn des Jahres 2025 nur 4,33 Prozent betrug. Bei kurzlaufenden Anleihen setzt sich die Gesamtrendite in einem Kalenderjahr nicht nur aus der Anfangsrendite zusammen, die man am ersten Tag kauft (auch wenn das zugegebenermaßen die wichtigste Größe für die zukünftige Rendite ist). Roll-Down-Effekte und die Möglichkeit von Kursgewinnen durch Zinsbewegungen oder auch durch Veränderungen der Spreads bieten zusätzliche Renditechancen darüber hinaus.
„Unsere Backtesting-Analysen haben gezeigt, dass Anleger mit dem BAML/ICE Global 1-5Yr IG Index seit seiner Einführung in den 1990er Jahren typischerweise das 1,25-Fache der Anfangsrendite als Gesamtrendite in einem Kalenderjahr erzielen“, merkt Bowie mit Verweis auf nachfolgende Grafik an.
Standortbestimmung

Anfangsrenditen scheinen zumindest für die nächsten drei Jahre auf starke Erträge hinzuweisen
Guter Einstiegszeitpunkt
Bei den aktuellen Spreads sind die Möglichkeiten für eine Spread-Einengung im Jahr 2026 begrenzt. Allerdings gibt es angesichts der zu erwartenden weiteren Zinssenkungen durch die US-Notenbank Fed und die Bank of England weiterhin moderate Chancen auf Kursgewinne durch den Zinseffekt bei kurzlaufenden Fonds. „Wie in Grafik zwei zu sehen ist, bleibt die aktuelle Anfangsrendite selbst bei engen Spreads sowohl absolut als auch im historischen Vergleich attraktiv: Der rote Punkt zeigt, wo die Anfangsrendite derzeit liegt. Sie ist weiterhin günstiger als im historischen Durchschnitt dieses Datensatzes, der bis Ende 1996 zurückreicht“, merkt Bowie an.
Aussichtsreiche Sektoren
„Als überzeugte Vertreter eines aktiven Managements wissen wir, dass die Gesamtrendite nicht nur aus Anfangsrendite plus Roll-Down besteht: Auch die richtige Sektorallokation und Titelauswahl tragen erheblich zur Steigerung der Gesamtrendite bei. Welche Sektoren bevorzugen wir also aktuell?“, schreibt Bowie.
Finanzwerte bleiben TwentyFour Asset Managements erste Wahl, insbesondere europäische Banken und europäische Versicherer. Die Fundamentaldaten sind weiterhin sehr solide: Europäische Banken verfügen über die höchsten Eigenkapitalquoten ihrer Geschichte, eine hohe Asset-Qualität und nur sehr geringe Engagements im gewerblichen Immobilienbereich, im Technologiesektor und im Automobilsektor. Das bedeutet, dass die Anzahl notleidender Kredite sehr gering ist und voraussichtlich auch nicht deutlich ansteigen wird.
Die Bewertungen bleiben Bowie zufolge attraktiv, da die Spreads für erstrangige Finanzanleihen bei gleicher Laufzeit und gleichem Rating höher sind als bei Nicht-Finanzwerten – somit punkten Finanzwerte sowohl fundamental als auch bei der Bewertung. „Aktuell halten wir etwa gleich große Positionen in erstrangigen und nachrangigen Anleihen, da die Spreads seit mehreren Jahren stetig enger geworden sind. Erstrangige Finanzwerte bieten uns somit zusätzlichen Schutz vor einer möglichen künftigen Spreadausweitung“, merkt Bowie an.
Bei den Nicht-Finanzwerten bevorzugt TwentyFour AM klar die Sektoren Versorger und Telekommunikation, da deren Erträge nicht nur robust, sondern auch inflationsgeschützt sind. „Daher investieren wir gerne in die nachrangigen Varianten dieser Anleihen, die als Corporate Hybrids bekannt sind. Sie weisen zwar ein etwas höheres Risiko als erstrangige Anleihen auf, doch der zusätzliche Renditeaufschlag bietet mit kurzen Laufzeiten einen besseren Puffer gegenüber Verlusten; deshalb sehen wir sie häufig als ausgezeichnete Quelle für attraktive risikoadjustierte Erträge“, erklärt Bowie, um anzumerken: „In immobiliengebundene Hybride investieren wir derzeit allerdings nicht, da einige dieser Anleihen weiterhin eine höhere Volatilität aufweisen, als wir in unseren kurzlaufenden Strategien akzeptieren würden.“
ABS (Asset-Backed Securities) gehören ebenfalls zu TwentyFour AMs bevorzugten Sektoren, da sie hervorragende Diversifikationsvorteile bieten und als variabel verzinsliche Wertpapiere deutlich weniger mit den Zinssätzen korrelieren als der festverzinsliche Portfolioanteil.
Bowies Fazit
Die Welt bleibt volatil, und die Unsicherheit ist weiterhin hoch. Im Gegensatz dazu ist Bowie überzeugt, dass kurzlaufende Anleihen ein hohes Maß an Sicherheit bezüglich der Gesamtrendite bieten können – unabhängig davon, was auf den Finanzmärkten passiert. Denn die Break-Even-Renditen sind derzeit so hoch, dass sie Verluste in anderen Bereichen abfedern. Aus Bowies Sicht ist die aktuelle Einstiegsrendite ausreichend, um für die nächsten Jahre gute Erträge im kurzlaufenden Bereich zu erwarten: „Unsere historischen Analysen zeigen, dass Investoren bei kurzlaufenden Anleihen nicht nur die jährliche Rendite erzielen, sondern häufig zusätzlich rund 25 Prozent darüber hinaus, was sie noch attraktiver macht. Schließlich können wir durch aktives Management in unseren bevorzugten Sektoren zusätzliche Rendite erwirtschaften und Risiken in anderen Bereichen, etwa im Automobilsektor, in dem es zuletzt Schwierigkeiten gab, gezielt vermeiden.“ (aa)

