Silber: Industrie setzt auf Alternativen
Der Head Next Generation Research bei Julius Bär analysiert die wichtigsten Angebots- und Nachfragefaktoren am Silbermarkt und kommt zu einer für Silber-Bullen enttäuschenden Empfehlung.

Eckpunkte:
- Die hohe Silberpreise lassen die Industrie nach Alternativen suchen
- Der Kursrücksetzer bei Silber könnte viele Spekulanten vergrämt haben
In der Rekordhausse des Silbermarktes hatten die Investoren das Sagen, nicht die industriellen Abnehmer, so die neueste Ausgabe der „World Silver Survey“ des Silver Institute. Die industrielle Nachfrage hat weiterhin zu kämpfen, da die Nutzer den Silberanteil reduzieren oder auf alternative Materialien umsteigen. Dies dürfte insbesondere für die Nachfrage nach Silber in der Solarbranche gelten, nennt Carsten Menke, Head Next Generation Research bei Julius Bär, die entscheidenden Treiber der letzten Monate am Silbermarkt.
Spekulanten setzten auf das Momentum
Im vergangenen Jahr kauften Investoren mehr als 16.500 Tonnen Silber, was einem Anstieg von rund 90 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht und mehr als 35 Prozent der Gesamtnachfrage ausmacht. Unterdessen sank die industrielle Nachfrage aufgrund rapide steigender Preise um rund drei Prozent auf 20.500 Tonnen, wobei die Nachfrage aus der Solarbranche um 5,5 Prozent auf 5.800 Tonnen zurückging.
Industrie setzt auf Substitution
"Wir gehen davon aus, dass die industrielle Silbernachfrage weiterhin schwierig bleiben dürfte, da die Nutzer den Silberanteil in ihren Produkten reduzieren oder auf alternative Materialien wie Aluminium oder Kupfer umsteigen", erklärt Menke. Nach den Ankündigungen chinesischer Hersteller zu Jahresbeginn dürfte dies insbesondere für die Silbernachfrage im Solarbereich gelten. In diesem Zusammenhang werden die globalen Stromnetze eine schnellere Expansion von Solarkraftwerken wohl kaum bewältigen können. "Wir glauben, dass weltweit bereits genügend Solarmodule produziert werden, um die Energiewende zu ermöglichen. Die Nachfrage nach Silber für Solaranlagen dürfte daher kurz vor ihrem Höhepunkt stehen, wenn sie diesen nicht bereits überschritten hat", prognostiziert Menke.
Die eigenen Prognosen des Silver Institute für dieses Jahr zeigen einen anhaltenden Rückgang der industriellen Silbernachfrage, dem die Marktexperten von Julius Bär voll und ganz zustimmen. Gleichzeitig zeigen die Prognosen eine anhaltende Stärke der Investitionsnachfrage, was zu einem weiteren Jahr der Unterversorgung führen dürfte. "Nach dem spekulativen Anstieg des Silberpreises Ende 2025 und der darauffolgenden Korrektur werden die Investoren kaum bereit sein, in ausreichendem Umfang auf den Silbermarkt zurückzukehren, um eine Unterversorgung zu erzeugen", merkt Menke an.
Gold aussichtsreicher als Silber
"Noch wichtiger für die Preisentwicklung von Silber ist, dass wir auch an der Rückkehr der Spekulanten zweifeln. Wir halten daher an unserer neutralen Einschätzung für Silber und unserer Long-Position im Gold-Silber-Verhältnis fest", erklärt Menke abschließend. (aa)

