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Sieben gute Gründe, die für Gold sprechen

Die Notenbanken von China und Russland sowie jene einiger Schwellenländer fallen durch hohe Gold-Käufe auf. Zudem sind die Realzinsen auf niedrigem Niveau und der technische Widerstand bei 1.365 US-Dollar je Unze wurde geknackt. Nun spricht einiges für eine Fortsetzung der Hausse.

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Dr. Frank Schallenberger, Head of Commodity Research bei der LBBW
© LBBW

Der Goldpreis wurde 2018 vor allem durch den Trend zu steigenden US- Zinsen gebremst und markierte im vergangenen August ein Jahrestief bei 1.160 US-Dollar je Feinunze. Als sich im Herbst 2018 die Stimmung an den Aktienmärkten eintrübte, kam jedoch Bewegung in die Notierung. Der sichere Hafen Gold war auf einmal wieder gefragt - entsprechend nahmen
die Käufe der physisch hinterlegten Gold-ETFs zu. Der Preis für eine Feinunze kletterte bis Ende Februar 2019 in der Spitze auf 1.347 US-Dollar und ging anschließend in eine Konsolidierungsphase über. Nachdem die Fed jüngst weiteren Zinserhöhungen in den USA eine Absage erteilt hat, ging es mit dem Preis zuletzt sogar noch weiter nach oben. Das zeigt der folgende Chart

Gold/Feinunze in US-Dollar mit gleitenden Durchschnittslinien

Quelle: Refinitiv, LBBW Research

Gold-Angebot nimmt leicht zu
Auf der Angebotsseite ist im laufenden Jahr mit einem leichten Plus zu rechnen. Die Minenproduktion hatte 2018 um gut zwei Prozent auf ca. 3.330 Tonnen zugelegt. Für das Jahr 2019 deuten die Investitionsbudgets der größten Goldminenunternehmen (+1,2 Prozent gegenüber ​2018) aktuell auf eine etwas geringere Dynamik bei der Exploration hin. Die LBBW-Experten rechnen daher für 2019 mit einer Minenproduktion von rund 3.370 Tonnen. Das Aufkommen aus Recycling hatte im letzten Jahr um über 2,5 Prozent auf knapp 1.180 Tonnen nachgegeben. Mit dem höheren Preisniveau am Goldmarkt ist im laufenden Jahr wieder mit einem Anstieg auf etwa 1.230 Tonnen zu rechnen. In der Summe dürfte das Goldangebot aus Minenproduktion und Recycling in diesem Jahr damit gegenüber 2018 relativ moderat um etwa
2,0 Prozent auf rund 4.600 Tonnen zunehmen. 

Notenbanken schlagen zu
Die Schmucknachfrage gab 2018 gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent auf 2.130 Tonnen nach. Auch die ETFs hielten sich mit den Goldkäufen zurück und erhöhten die Bestände nur um 90 Tonnen. Die Nachfrage nach Münzen und Barren legte dagegen um fast 6,5 Prozent auf knapp 1.100 Tonnen zu. Sehr stark nahmen die Käufe der Notenbanken zu. Stockten die Zentralbanken ihre Goldbestände 2017 noch um 366 Tonnen auf, lag der Zuwachs 2018 um gut 40 Prozent höher bei 536 Tonnen. Im laufenden Jahr scheint dieser Trend anzuhalten. Immerhin lagen die Notenbankkäufe im ersten Quartal 2019 mit 145 Tonnen rund 70 Prozent über dem Auftaktquartal 2018. Auch die Schmucknachfrage dürfte sich im laufenden Jahr - anders als 2018 - wieder etwas erholen. 2018 hat die Währungsschwäche der
Indischen Rupie und der Türkischen Lira dafür gesorgt, dass die Gold-Importe in beide Länder deutlich abnahmen. In den letzten Monaten haben sich die Währungen der beiden wichtigen Gold-Importeure jedoch wieder merklich stabilisiert, so dass die Einfuhren in diesem Jahr wieder zulegen sollten. Schließlich zeigt auch der Trend bei den ETF-Käufen wieder nach oben. Im ersten Halbjahr 2019 stiegen die Bestände der physisch hinterlegten Gold-ETFs bereits um 4,3 Prozent oder rund 100 Tonnen an. Unter dem Strich rechnet Schallenberger mit einem Anstieg der gesamten Gold-Nachfrage im laufenden Jahr um gut sechs Prozent auf 4.500 Tonnen.

Sieben gute Gründe für Gold
Das Sentiment am Goldmarkt hat sich zuletzt deutlich verbessert. Sieben gute Gründe sprechen dafür, dass sich der Aufschwung des Edelmetalls vorerst weiter fortsetzen wird:
1. Die Notenbanken weiten ihre Goldkäufe aus und steuern 2019 auf einen neuen Rekord beim Golderwerb zu.
2. Die ETFs sind seit Oktober 2018 wieder auf der Käuferseite.
3. Die Währungen wichtiger Gold-Importländer (Indien und Türkei) haben sich in den letzten Monaten merklich stabilisiert.
4. Die US-Notenbank hat weiteren Zinserhöhungen eine Absage erteilt - die Renditen 10jähriger US-Staatsanleihen sind vor diesem Hintergrund stark zurückgegangen. Die „Opportunitätskosten“ bei der Anlage in Gold haben sich damit deutlich ermäßigt.
5. Ohne weitere Zinserhöhungen in den USA dürften auch keine weiteren Aufwertungen beim US-Dollar anstehen, was den Goldpreis tendenziell stützen sollte.
6. Die Aktienmärkte haben sich zuletzt trotz Handelsstreit und trüberen Konjunkturperspektiven recht gut entwickelt - bei einem möglichen Rücksetzer dürfte der „sichere Hafen“ Gold profitieren.
7. Der hartnäckige charttechnische Widerstand in der Zone zwischen 1.350 und 1.365 US-Dollar ist geknackt!

Fazit
Die Gold-Nachfrage dürfte in diesem Jahr stärker zulegen als das Gold-Angebot. Vor allem die Notenbanken und die ETFs dürften ihre Bestände weiter aufstocken. Da zudem in den USA der Zinserhöhungszyklus ausgelaufen ist und der charttechnische Widerstand zwischen 1.350 und 1.365 US-Dollar geknackt ist, stehen die Chancen gut, dass der Goldpreis weiter steigt. Die Experten der LBBW erhöhen daher ihre Prognose auf 1.500 US-Dollar je Unze per Ende 2019 und auf 1.550 US-Dollar je Unze per Mitte 2020. (kb)

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