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sentix liefert als "First Mover" Warnsignale für Wirtschaft und Börse

Mit den neuesten sentix-Daten liegt die erste Bewertung des EU-US-Zolldeals durch die Anleger vor. Und das Ergebnis ist laut sentix für die Eurozone niederschmetternd. Der Konjunkturindex fällt deutlich auf -3,7 Punkte. Dabei sinken die Einschätzungen zur aktuellen Lage- und die Erwartungen.

Manfred Hübner, sentix
Manfred Hübner, sentix© sentix

Der jüngste Zoll-Deal der EU mit den USA wird von den Anlegern nicht goutiert. "Mit den August-Daten des sentix Konjunkturindex liefert der „first mover“ die erste Bewertung dieser Vereinbarung und gleichzeitig auch einen globalen Stimmungsüberblick. Denn neben der EU liegen auch für andere Länder, u.a. Japan und die Schweiz neue Ergebnisse vor", schreibt sentix-Geschäftsführer Manfred Hübner in einer aktuellen Analyse.

Für die Weltwirtschaft überwiegen dabei die Belastungen deutlich. Die EU und die Schweiz werden in der Investorenumfrage regelrecht abgestraft. "Die USA und Donald Trump mögen sich kurzfristig als Gewinner fühlen. Doch deuten sinkende Erwartungswerte auch hier darauf hin, dass diese Art von Handelspolitik überwiegend Verlierer produziert", hält Hübner fest.

Euroland: Jetzt helfen nur noch Schulden?
Ursula von der Leyen gratulierte Donald Trump als „toughen deal maker“ zu seinem Verhandlungserfolg mit der EU. Glückwünsche der Wirtschaft an die Adresse der EU-Kommissionspräsidentin dagegen sind laut sentix nicht überliefert worden. Stattdessen senden die von sentix befragten Investoren eine „Grußkarte“ nach Brüssel.

Der Inhalt ist bitter: die Lagewerte der Euroland-Konjunktur sinken um 5,8 Punkte und die Erwartungswerte sogar um ganze 11 Indexpunkte. "Die Zolleinigung entpuppt sich als echter Stimmungskiller. Denn zuletzt sah es so aus, als sollte sich die Eurozone aus ihrer ökonomischen Lethargie herausarbeiten, zumal es auch aus der deutschen Wirtschaft Hoffnungsschimmer zu vermelden gab. Das steht nun alles wieder in Frage, da sich der Druck auf die exportorientierte Industrie wohl weiter erhöhen dürfte. Gleichzeitig nehmen die Sorgen der Anleger über ausufernde Staatsschulden zu", erklärt Hübner mit Verweis auf die zwei nachfolgenden Grafik:

Eurozone: Aktuelle Lage und Erwartungen legen Rückwärtsgang ein

Insbesondere institutionelle Investoren senken den Daumen
Der entsprechende Themenindex der institutionellen Anleger (ohne Abbildung) sinkt laut Hübner deutlich auf -34 Punkte. Gleichzeitig ist von einer Entspannung an der Inflationsfront ebenfalls wenig zu sehen, im Gegenteil. Der Themenindex sinkt auf -11,75 Punkte.

Die Konsequenz daraus ist laut Hübner klar: Es dürfte kaum damit zu rechnen sein, dass die Europäische Zentralbank kurzfristig mit weiteren Zinssenkungen der Konjunktur unter die Arme greifen wird. Zumindest schrauben die Anleger ihre diesbezüglichen Erwartungen deutlich zurück. "Alles das dürfte die Rentenmärkte dämpfen – und die Aktienmärkte wohl kaum begeistern", zieht Hübner ein erstes Zwischenfazit.

Deutschland kommt nicht und nicht in die Gänge
Mit der Zollvereinbarung der EU mit den USA wird man in Berlin, namentlich im Bundeskanzleramt, Hübner zufolge umdenken müssen. Bislang ging Kanzler Friedrich Merz nämlich davon aus, dass seine Regierungszeit durch einen positiven Stimmungsumschwung begleitet würde. Bislang deuteten auch die sentix-Konjunkturdaten in diese Richtung. Doch der Leyen-Deal dämpft die Stimmung für die deutsche Wirtschaft massiv.

Die Lagewerte für Deutschland brechen wieder auf -29 Punkte, also Rezessionsniveau, ein. Und auch die Erwartungen zeigen sich mit -14,8 Punkten auf nur noch +5 Zähler sehr gedämpft. "Nun hat der Finanzminister beim Nachzählen festgestellt, dass der Bundeshaushalt außer Kontrolle ist. Neue Schulden führen oft zu höheren Zinskosten. Und eine generöses Sozialsystem zu Mitnahmeeffekten. Sollte die „Korrektur“ mit Steuererhöhungen statt durch Sparsamkeit erfolgen, dürfte kaum Hoffnung auf einen Aufschwung entstehen", befürchtet Hübner.

Deutschland: Lageeinschätzung und Erwartungshaltung sinken wieder

USA: Heute ist noch alles gut
Donald Trump eilt dieser Tage von Zoll-Deal zu Zoll-Deal. Während die meisten Ökonomen die aktuelle US-Handelspolitik auf Sicht als negativ bewerten, profitiert die US-Wirtschaft kurzfristig von der hohen Unsicherheit, die durch die Verhandlungsführung der US-Administration erzeugt wird. So versuchten viele Unternehmen mögliche Zollbelastungen durch vorgezogene Produktion und Importe zu dämpfen. Entsprechend positiv zeigten sich das BIP für das zweite Quartal und die sentix-Lagewerte.

"Doch auch die USA werden einen Preis für die Zollerhöhungen zahlen. Entweder durch höhere Preise für Konsumenten oder eine Einschränkung des Güterangebotes. In den sentix-Daten zeigen sich diese kommenden Belastungen in den sinkenden Erwartungswerten. Heute ist in den USA noch alles gut. Morgen auch?", fragt Hübner richtigerweise. (aa)

USA: Aktuelle Lage noch gut, aber Erwartungen bereits im Sinkflug

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