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sentix: Ist das Schlimmste bereits überstanden?

Der Sentiment-Spezialist sentix geht der Frage nach, ob die Aktienmärkte den Ausbruch des Corona-Virus bereits verarbeitet haben oder ob weitere Kursverluste wahrscheinlich sind. Die Antwort fällt positiv aus.

Manfred Hübner, sentix
Manfred Hübner, sentix
© sentix

Manfred Hübner, Geschäftsführer von sentix, analysiert in einer aktuellen Einschätzung auf Basis von Sentiment-Daten, welches Marktrisiko vom Corona-Virus ausgeht. Aus der Erfahrung mit früheren Pandemien lasse sich laut Hübner erkennen, dass solche Ereignisse – so kritisch und schwierig sie für die unmittelbar Betroffenen sind – in der Regel den grundsätzlichen Pfad der Börse nicht verändern.

So scheinen auch die von sentix befragten Investoren zurzeit die Lage einzuschätzen. Denn an der mittelfristigen Grundüberzeugung zu Aktien hat sich nicht nur nichts geändert, diese sei sogar gewachsen. Mit Blick auf die aktuellen Einschränkungen im globalen Reiseverkehr und in der hauptsächlich betroffenen Region Wuhan mutet dies leichtfertig an. Doch das Kalkül der Anleger scheint simpel: sobald der Virus erfolgreich eingedämmt ist, laufen die Geschäfte wieder normal, Rückstände in der Produktion werden zumindest teilweise aufgeholt werden und die Zentralbanken, vor allem in China, dürften die Wirtschaft mit Krediterleichterungen stützen. Letzteres hat bereits am Dienstag begonnen. "Angesichts der Tatsache, dass die Chinesen in den letzten Monaten eher zurückhaltend waren, die Wirtschaft trotz Handelsstreit mit billigem Geld zu stützen, könnte man sogar von einer gewissen Verbesserung der Lage sprechen", erklärt Hübner.

Investoren fürchten zweite Verkaufswelle bei Aktien
Die Anleger sehen zwar womöglich genau diese „Chance“ aus der Krise, haben aber kurzfristig eine beträchtliche Angst, dass die Lage doch noch unerwartet negativ eskaliert. Auch dies sei leicht erklärbar, wenn man den „Newsflow“ zur Krise beachtet. Denn während die chinesische Regierung ihre drastischen Maßnahmen zur Eindämmung der Krise bereits am 23.01.2020 begonnen hat, steigen die Fallzahlen noch immer sehr deutlich an.

Dies kann sowohl ein Indiz dafür sein, dass dem Virus noch nicht erfolgreich die Spitze genommen wurde. Mit Blick auf eine fast 14-tägige Inkubationszeit ist dies aber auch wiederum nicht unerwartet. "Wir müssen uns wohl noch 7-10 Tage gedulden, bis wir tatsächlich die Nachricht erhalten, dass die Neuerkrankungszahlen spürbar zurückgehen – oder dass wir uns neue Sorgen machen müssen", erklärt Hübner.

Genau eine solche Ungewissheit schürt kurzfristige Ängste. "Die Anleger würden gerne durch die Krise „hindurchschauen“, haben aber kurzfristige Angst. Entscheidend ist für uns, was sich daraus für die Portfolien der Anleger ergibt. Würden die Anleger versuchen, mit ihren Beständen durch die Krise zu gehen, müsste man vorsichtiger agieren, als wenn die kurzfristigen Ängste zu einem Positionsabbau geführt hätten. Neue Daten zu den Anlegerpositionierungen liegen aus unserer Umfrage leider nicht vor. Wir haben jedoch einen anderen Indikator, die sentix Risikolevels, der uns eine Abschätzung des Positionierungsverhal-tens erlaubt. Und diese „Risikolevels“ sind durch die Schwäche der letzten Woche spürbar nach unten (defensiv) angepasst worden", erklärt Hübner mit Verweis auf nachfolgende Grafik:

Risikoneigungen gingen zurück

Die deutlich erhöhten und damit sehr offensiven Risiko-Levels, wie wir sie noch vor zwei bis vier Wochen messen konnten, sind zumindest spürbar reduziert worden.

Bearishes Sentiment stützt den Aktienmarkt
"Natürlich kann nicht ausgeschlossen werden, dass im Zuge einer nochmaligen Steigerung der aktuellen Verunsicherung auch ein weiterer Abbau der Risikopositionen erfolgt. Mit Blick auf das gestiegene Grundvertrauen und das aktuell bearische Sentiment erscheint dies aber keineswegs mehr zwingend", erklärt Hübner.

Wie jüngst von sentix in einer Markteinschätzung ("Weekly") ausgeführt, notiert der TD-Index für die meisten Aktienmärkte auf sehr niedrigen Niveaus (TD = Sentiment minus Bias). Betrachtet man die Statistik für solche Szenarien, dann bedeutet dies mit Blick auf einen Zeitraum von mehr als drei Wochen im Durchschnitt der Signale eine gute Chance auf Kursgewinne. Kritisch sind die unmittelbar folgenden ein bis drei Wochen, die in rund 50 Prozenbt der Fälle unproblematisch verlaufen. Und in den anderen 50% der Fälle ein zweites, oft auch tieferes Tief für die Märkte bedeuten.

"Ob uns das Virus auf den einen oder anderen Pfad sendet, ist für uns nicht abzuschätzen. Wer Angst vor einer Portfolio-Ansteckung hat, der hat aber wohl bereits in der Vorwoche reagiert.
Ist also das Schlimmste überstanden? Mit Blick auf die sentix-Daten und die sich daraus ergebenden statistischen Eigenschaften der aktuellen Datenkonstellation würden wir sagen: wahrscheinlich ja", erklärt Hübner abschließend. (aa)

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