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sentix: Größter Erwartungswert seit 2003 mahnt zur Vorsicht

Die Erwartungen betreffend die zukünftige Konjunktur in Euroland und Deutschland erreichen Rekordstände. Damit haben die Börsen bereits sehr viel Positives eingepreist und das Enttäuschungspotenzial wird immer größer. Investoren sollten gewarnt sein und vorsichtiger werden.

Manfred Hübner, sentix
Manfred Hübner, sentix
© sentix

Die sentix Konjunkturerwartungen für Euroland entwickeln sich weiter sehr positiv. Obwohl große Teile Europas unter einem Lockdown leiden und die Corona-Pandemie in anderen Teilen der Welt, wie Japan, neu aufzuflammen scheint, steigen die Konjunkturerwartungen weiter an, kommentiert sentix-Geschäftsführer Manfred Hübner in einer aktuellen Analyse des Investorenstimmung. Im Rahmen der Messung des Sentiments wurden von 7. Januar bis 9. Januar dieses Jahres 1.168 Anleger (davon 277 institutionelle Investoren) befragt.

Höchster Wert seit Aufzeichnungsbeginn
In Euroland erreichen die Konjunkturerwartungen mit 33,5 Punkten den höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen 2003, hälft Hübner fest: "Diese sehr positive Einschätzung der Erwartungen dürfte sehr mit den Aussichten auf eine erfolgreich verlaufende Impfkampagne sein. Denn im Gegensatz dazu zieht die Lage nur sehr langsam mit, in Asien messen wir sogar einen Rückgang!"

Euroland: Hoffnung auf Impferfolge treiben Erwartungen und Kurse hoch
Der sentix Konjunktur-Gesamtindex für den Euroraum steigt zum Jahresstart um 3,6 Punkte und notiert mit +1,3 Punkten erstmals seit Februar 2020 wieder im positiven Bereich. Diese Entwicklung sei Hübner zufolge angesichts der weitreichenden Einschränkungen der wirtschaftlichen Betätigung z.B. in Deutschland und Österreich schon sehr überraschend.

Geprägt sei diese positive Entwicklung von dem oben genannten kräftigen Anstieg der Erwartungswerte auf 33,5 Punkte. Der wesentliche Grund für die Erwartungshaltung, trotz der erneuten Lockdown-Verlängerung in Deutschland, dürfte in einer großen Hoffnung auf eine er-folgreich verlaufende Impfkampagne liegen.

Nachdem nun weitere Impfstoffe zugelassen sind, würden Anleger offenbar eine schnelle Umsetzung der Impfstrategie und damit ein endgültiges Ende der wirtschaftlichen und persönlichen Freiheitseinschränkungen erwarten.

Zu hohe Erwartungen?
"Wir sehen die Entwicklung dennoch nicht so positiv", erklärt Hübner. Denn die Lagebeurteilung zeigt schon seit Monaten einen deutlich flacheren Verlauf als die stürmischen Erwartungen. Hier lauere ein Potential für eine zwischenzeitliche Ernüchterung, denn die Anleger scheinen die Gefahr zu unterschätzen, dass die Ökonomien stärker beschädigt sind, als es die Daten zu spiegeln scheinen und dies erst sichtbar wird, wenn die Einschränkungen tatsächlich aufgehoben werden. Das bleibe abzuwarten. Die EZB ihrerseits sollte aus Sicht der Anleger weiter sehr expansiv bleiben. Auch das stützt das Konjunktur-Sentiment.

Blick auf Deutschland
Die von sentix befragten Anleger erwarten für Deutschland ein gutes Konjunkturjahr 2021, denn die sentix-Konjunkturerwartungen für Deutschland steigen zum Jahresstart auf 37,5 Punkte. "Dies ist der höchste Wert seit 2009, als wir mit der Deutschland-Befragung gestartet sind", hält Hübner fest.

Auch wenn sich auch die Lagewerte zum sechsten Mal in Folge auf -15,8 Punkte weiter verbessert haben, zeige dieser negative Wert, dass die rezessiven Tendenzen hierzulandekeineswegs gänzlich verschwunden sind und die Erholung sich zäh gestaltet.

Positiv sei Hübner zufolge zu werten, dass die starken Preisanstiege bei Kupfer und anderen Industriemetalle für eine gute Weltkonjunktur sind. Zudem dürfte 2021 die Machfrage nach Elektroautos speziell hierzulande hoch sein. Unter dem Strich stimme die Richtung, aber die Erwartungen seien wie in Euroland zu euphorisch und zeigten wenig Respekt von den negativen Wirkungen der Lockdown-Politik.

USA: Neuer Präsident muss liefern
Die Börse hatte ihr Urteil schnell gefällt und dem neuen US-Präsidenten den typischen Honeymoon beschert, kommentiert Hübner. Auch die Konjunkturerwartungen haben sich in den letzten beiden Monaten deutlich verbessert. Doch Vorfreude ist eines, der neue US-Präsident muss auch liefern.

Denn auch in den USA verbessern sich die Lagewerte nur langsam. Mit -11,3 Punkten seien laut Hübner auch hier nach wie vor Rezessionsmomente gegeben:

Die Erwartungen scheinen auch in den USA der schwierigen Lage vorausgeeilt, denn die Anleger werden in den nächsten Wochen sehr genau anschauen, ob und welches Programm der neue Präsident abarbeiten will. "Ein Hoffnung auf Besserung alleine reicht nicht, die neue Administrationmuss auch liefern", erklärt Hübner abschließend. (aa)

 

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