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Schroders-ESG-Studie: Was Institutionelle wollen und fordern

Die Mitte dieser Woche veröffentlichte Schroders Institutional Investor Study 2020 zum Thema Nachhaltigkeit hat einige interessante Erkenntnisse darüber geliefert, wie es Großanleger mit ESG-Investing halten.

Carlos Böhles, Leiter institutionelles Geschäft bei Schroders
Carlos Böhles, Leiter institutionelles Geschäft bei Schroders
© Schroders

Aktive Einflussnahme und Lenkung sind für institutionelle Anleger als Werkzeuge, mit denen nachhaltige Veränderungen in Unternehmen erzielt werden können, binnen eines Jahres wesentlich wichtiger geworden. Das ist eines der Hauptergebnisse der Schroders Institutional Investor Study 2020.

Laut der Studie, an der 650 institutionelle Anleger mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt 25,9 Billionen US-Dollar teilgenommen haben, sehen 59 Prozent der befragten Institutionen in aktiver Einflussnahme und Lenkung einen wichtigen Ansatz, um Nachhaltigkeit zu integrieren.

Verglichen mit dem Vorjahr (38 Prozent) bedeutet dies eine deutliche Zunahme. Auch die Fokussierung auf einen Investmentansatz, der Nachhaltigkeit integriert – im Wesentlichen die positive Auswahl der „klassenbesten“ Unternehmen oder Investments („Best in class-Ansatz“) – halten inzwischen 61 Prozent der befragten Investoren für wichtig. Vor einem Jahr lag der Wert bei 44 Prozent. Dagegen ging der Anteil derer, die sich für einen Ansatz ohne Nachhaltigkeitsgedanken entschieden haben, um denselben Prozentsatz zurück, nämlich von 53 Prozent auf 36 Prozent.

Veränderung der Investorenansichten

Einfaches „Aussortieren“ war gestern
Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass aktive Einflussnahme und Stimmrechtsausübung zunehmend als wichtige Mittel angesehen werden, um Veränderungen zu erreichen, statt einfach nur Investments „auszusortieren“.

Transparente Berichterstattung, greifbare Ergebnisse und die beständige Ausübung von Stimmrechten gegen die Vorschläge von Unternehmensleitungen sind für die Teilnehmer der Umfrage die drei zentralen Elemente, um erfolgreich Veränderungen herbeizuführen.

Im zweiten Jahr in Folge waren Umweltfragen für institutionelle Anleger das zentrale Thema im Hinblick auf aktive Einflussnahme. Die Investoren sind zudem der Meinung, dass Regierungen und Unternehmen im Kampf gegen den Klimawandel am meisten Verantwortung tragen.

Diese generelle Tendenz kam in der Studie auch darin zum Ausdruck, dass Anleger unverändert von nachhaltigem Investieren überzeugt sind. Lediglich zwölf Prozent der Teilnehmer sagten, dass sie keine nachhaltigen Investments tätigen – deutlich weniger als vor einem Jahr (19 Prozent).

Dieser Trend dürfte sich fortsetzen. Denn insgesamt gehen 68 Prozent der weltweit befragten Anleger davon aus, dass nachhaltiges Investieren in den nächsten fünf Jahren an Bedeutung gewinnt.

Greenwashing ist ein Problem
Während nachhaltiges Anlegen zunehmend zur gängigen Praxis wird, stellt gleichzeitig Greenwashing eine neue Herausforderung dar: Rund 60 Prozent der befragten Investoren nennen das hierunter bezeichnete Fehlen klarer, allgemein gültiger Definitionen von nachhaltigem Investieren als Haupthindernis, das ihrer Absicht entgegensteht, nachhaltig anzulegen.

Darüber hinaus beklagte fast die Hälfte der Anleger (48 Prozent), dass mangelnde Transparenz und wenig verfügbare Daten sie in ihrer Fähigkeit einschränken, nachhaltig zu investieren. Im vergangenen Jahr lag der hierfür gemessene Wert bei 40 Prozent.

Dennoch haben die Bedenken in Bezug auf eine gute Wertentwicklung weiter abgenommen: Weniger als die Hälfte der Teilnehmer (45 Prozent) gab an, dass sie Bedenken bezüglich der Performance nachhaltiger Investments hat – verglichen mit 48 Prozent vor einem Jahr und 51 Prozent in 2018.

Bedenken weltweit

Höhere Renditen motivieren
Rund 55 Prozent der Befragten äußerten, dass es sie ermutigen würde den Portfolio-Anteil nachhaltiger Investments zu erhöhen, wenn Daten und Informationen belegten, dass entsprechende Strategien höhere Renditen einbringen. Dieses Thema ist in den letzten drei Jahren zunehmend wichtiger geworden (49 Prozent vor einem Jahr und 34 Prozent in 2018, siehe nachfolgende Grafik).

Anspruchsvollere Institutionelle
„Anleger erwarten von Asset Managern mehr, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Ihre diesbezüglichen Anforderungen werden immer anspruchsvoller.Wir können unseren Kunden beim nachhaltigen Investieren helfen und sie mit eigenen Tools wie SustainEx unterstützen, damit sie ihre Ziele erreichen. Durch aktive Einflussnahme und Stimmrechtsausübung können wir Positives bewirken. Es gibt immer mehr Belege dafür, dass sich nachhaltiges Investieren und solide Renditen nicht gegenseitig ausschließen“, erklärt Andrew Howard, Global Head of Sustainable Investments bei Schroders. Er fügt an: „Wir begrüßen es, dass Aufsichtsbehörden konkrete Maßnahmen ergreifen, um gegen Greenwashing vorzugehen. Dies sollte zu wirklichen Veränderungen beitragen und Anleger in die Lage versetzen, fundierte Entscheidungen zu treffen. Es ist aber auch wichtig, dass Asset Manager und Investoren durch diese zunehmenden Anforderungen und die Fülle von Informationen zum Thema Nachhaltigkeit nicht überfordert werden. Wir arbeiten eng mit Branchenvereinigungen, politisch Verantwortlichen und Regulierungsbehörden zusammen, um hier das richtige Gleichgewicht zu finden.“

Gute Daten gefragt
„Aus unseren Gesprächen mit Kunden wissen wir: Nachhaltigkeit ist für institutionelle Anleger aus Deutschland und Österreich längst kein Nischenthema mehr. Im Gegenteil fragt diese anspruchsvolle Zielgruppe Nachhaltigkeitsstrategien sehr gezielt und immer häufiger nach. Die Fähigkeit, hierfür passgenaue Lösungen anzubieten, stellt aus unserer Sicht einen wesentlichen Erfolgsfaktor für Asset Manager im zukünftigen Geschäft mit institutionellen Investoren dar“, sagt Carlos Böhles, Leiter institutionelles Geschäft bei Schroders in Frankfurt am Main. Er fügt hinzu: „Unsere Studie zeigt zudem: Oft hält ein Mangel an Daten und Informationen institutionelle Anleger von nachhaltigen Strategien ab. Daher halten wir es für wichtig, Resultate über geeignete Reporting-Formate transparent zu kommunizieren, um zukünftig noch mehr institutionelle Anleger von den Vorteilen nachhaltiger Strategien zu überzeugen.“ (aa)

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