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Schlechteste Performance seit über 75 Jahren: Hat 60/40 ausgedient?

Muss ein Klassiker der Geldanlage ausgemustert werden? Lange galt ein 60/40-Portfolio, das zu 60 Prozent in Aktien und 40 Prozent in Anleihen investiert, als sinnvolle Orientierung. Wenn Aktien fallen, sollen Anleihen Stabilität geben. Soweit die Theorie. Doch diese Grundannahme gilt nicht mehr.

Robin Beugels, Merck Finck
Robin Beugels, Leiter Investment Management bei Merck Finck
© Merck Finck

Seit Jahresbeginn hat der 60/40-Klassiker ein Minus von über 20 Prozent eingebracht – und damit beinahe genau so hohe Verluste wie der breite Aktienmarkt. So hat ein Portfolio, das zu 60 Prozent in den Dax und zu 40 Prozent in deutsche Staatsanleihen investiert, seit Jahresbeginn bis zum 30, September 2022 genau 22,48 Prozent an Wert verloren – mehr als ein Fünftel. Damit lag der Verlust nur unwesentlich unter dem Rückgang des Dax von 23,74 Prozent.

Ähnlich schauriges Bild in den USA
Tatsächlich ergibt sich ein ähnliches Bild, wenn man die gleiche Rechnung für US-Assets aufmacht. Ein 60/40-Portfolio, bestehend aus S&P 500 und US-Treasuries, hat seit Jahresbeginn bis Ende des dritten Quartals 21,3 Prozent verloren, wohingegen der S&P 500 allein 23,87 Prozent einbüßte. Die Rendite des US-amerikanischen 60/40-Portfolios ist damit die schlechteste Wertentwicklung eines solchen Misch-Portfolios seit über 75 Jahren.

Erklärungsversuche
Es liegt nahe, die unerfreuliche Performance der klassischen Vermögensaufteilung mit dem ungewöhnlichen makro- und geldpolitischen Umfeld zu begründen. Schließlich sehen wir mit wirtschaftlichem Abschwung, rekordhoher Inflation und kräftig steigenden Zinsen eine Kombination aus Faktoren, die Aktien und Anleihen gleichermaßen belasten.

Ist das Jahr 2022 also nur ein Ausreißer?
Ist die Leistung von 60/40-Portfolios ansonsten überzeugend? "Das Bild ist bestenfalls gemischt", findet Robin Beugels, Leiter Investment Management bei Merck Finck. "In insgesamt 17 Jahren mit einer negativen Performance des US-Aktienmarktes hat das 60/40-Portfolio in nur vier Fällen eine positive Rendite eingebracht. In drei Fällen inklusive 2022 hat es Anlegern Wertverluste von oberhalb zehn Prozent eingebrockt, wobei 2022 mit großem Abstand das schlimmste Jahr war. Die Rahmenbedingungen des laufenden Jahres haben also einen in der Höhe überraschenden Verlust entstehen lassen, haben die Bilanz des 60/40-Portfolios über die Jahre aber auch nicht im Alleingang verhagelt."

Noch nicht ausgedient
Immerhin hat das Mischportfolio in jedem einzelnen Jahr mit Wertverlusten am Aktienmarkt eine bessere Entwicklung gezeigt als der Aktienmarkt – wenn auch zum Teil nur unwesentlich. Einen Teil des Versprechens, durch Diversifikation Renditevorteile zu erzielen, habe damit auch das 60/40-Portfolio eingelöst, so Robin Beugels weiter. "Ausgedient hat das klassische 60/40-Portfolio also noch nicht, doch es braucht dringend eine Verjüngungskur." Beugels hat hier vier Verbesserungsvorschläge entwickelt.

60/40 2.0: Vier Stellschrauben können eine besonders gute Wirkung erzielen
- Breitere Diversifikation. Nur Aktien und Staatsanleihen einer Region zu kombinieren, bringt noch keine ausreichende Diversifikation. Ein Engagement in verschiedenen Währungen, alternative Anlagen wie zum Beispiel Immobilien und auch eine strategische Allokation in Gold – auf Jahressicht in Euro immerhin 6,55 Prozent im Plus – können hilfreich sein. Auch regional sollte breiter gestreut werden. Aktuell sind etwa die Aussichten für Schwellenländeraktien besser als für europäische Aktien.

- Mut zu höheren Liquiditätspositionen. Auch wenn Kassenbestände in Zeiten hoher Inflation real Geld verlieren, kann es manchen Marktphasen taktisch sinnvoll sein, die Liquidität im Portfolio zu erhöhen und günstige Gelegenheiten in anderen Assetklassen abzuwarten. Je nachdem, in welcher Währung die Liquidität gehalten wird, sind sogar Währungsgewinne möglich.

- Flexibel allokieren. Starre Allokationen, ob mit dem 60/40-Ansatz oder einem breiter diversifizierten Portfolio, können in turbulenten Marktphasen die Verluste erhöhen. Sich selbst einen ausreichenden Spielraum für taktische Veränderungen im Portfolio einzuräumen – etwa zum Aufbau von Liquidität – kann entscheidend sein, um die schlimmsten Verluste zu vermeiden und interessante Chancen frühzeitig zu nutzen.

- Regelmäßiges Rebalancing. Insbesondere in Phasen höherer Schwankung an den Kapitalmärkten verschieben sich die Gewichtungen der Anlageklassen im Portfolio. Eine regelmäßige Wiederherstellung der Zielgewichtungen führt automatisch zu
einem antizyklischen Handeln, welches auf Dauer positive Effekte auf die Portfolioentwicklung und das Risiko mit sich bringt. (kb)

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