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Russell-Umfrage unter Asset Managern: Was ist bei ESG-Anlagen wichtig?

Eine globale ESG-Umfrage von Russell Investments zeigt, wie es rund 400 große Vermögensverwalter mit Nachhaltigkeit halten. Dabei sind gleich ein paar interessante Punkte herausgekommen.

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© tong2530 / stock.adobe.com

Laut der neuesten globalen ESG-Umfrage von Russell Investments gewinnt eine aktive Engagement-Politik bei Vermögensverwaltern an Bedeutung. Neun von zehn Antwortenden (90 Prozent) gaben an, dass sie ESG-Aspekte in Gesprächen mit dem Management von Portfolio-Unternehmen ansprechen. Damit hat sich dieser Wert in den vergangenen vier Jahren um zehn Prozentpunkte erhöht. Noch stärker als auf der Aktienseite gilt dies für Anleihemanager, bei denen 92 Prozent ESG-Aspekte mit Emittenten besprechen. Insgesamt gaben 35 Prozent der Antwortenden an, dass sie ESG in ihren Treffen mit Portfolio-Unternehmen immer ansprechen. 2018 lag dieser Wert erst bei 21 Prozent.

Über die Studie
Die ESG-Managerumfrage spiegelt die Haltung von 369 Vermögensverwaltern weltweit wider, die ein Vermögen von 79,6 Billionen US-Dollar in unterschiedlichen Anlageklassen verwalten, darunter Aktien, Anleihen, Sachwerte und alternative Anlagen. Die vom Investmentmanager-Research-Team von Russell Investments durchgeführte Umfrage bewertet die Einstellung von Vermögensverwaltern zum verantwortungsvollen Investieren und zur Integration von ESG-Faktoren in den Anlageprozess.

Klima und Umwelt das dominierende Thema
Die Umfrageteilnehmer gaben an, dass für ihre Kunden Klima und Umwelt der dominierende Themenbereich ist (60 Prozent), gefolgt von Diversität, Integration und Sozialem (20 Prozent). Klima und Umwelt liegen dabei sowohl global als auch in allen Regionen vorn. Besonders hoch ist dieser Wert mit 97 Prozent in Kontinentaleuropa, während die Präferenzen in den USA für Klima und Umwelt mit 46 Prozent und Diversität, Inklusion und Sozialem mit 29 Prozent vergleichsweise ausgeglichener sind.

"G" bei ESG am wichtigsten
Manager stuften die Governance (80 Prozent) weiterhin als den wichtigsten ESG-Faktor für ihre Investitionsentscheidung ein. Dies unterstreicht die branchenübergreifend hohe Bedeutung einer guten Unternehmensführung für die Erwirtschaftung des langfristigen Unternehmenswerts. Die Zahl derer, die den Faktor Umwelt als am wichtigsten ansehen, hat in den letzten vier Jahren von 5 Prozent auf 14 Prozent fast verdreifacht.

Der steile Anstieg reflektiert den stärkeren Fokus auf die Bewältigung von Klimarisiken sowie wachsende Regulationsanforderungen. Er ist vor allem auf Manager in Kontinentaleuropa zurückzuführen, wo 30 Prozent (gegenüber 4 Prozent in 2018) diesem Faktor höchste Priorität beimaßen.

"S" am wenigsten wichtig
Sozialaspekte wurden weiterhin am seltensten beziehungsweise von sechs Prozent der Antwortenden als prioritärer ESG-Faktor genannt. Obwohl soziale Themen wie Gleichberechtigung und Inklusion, die Gesundheitsversorgung und erschwinglicher Wohnraum während der COVID-19-Pandemie mehr Aufmerksamkeit erhalten haben, können diese schwieriger quantifiziert werden. Außerdem gibt es nur wenige Investitionsmöglichkeiten, die direkt an soziale Themen gekoppelt sind.

ESG gewinnt insgesamt an Bedeutung
Die Umfrage von Russell Investments ergab, dass Vermögensverwalter zunehmend ESG-spezifische Überlegungen in ihre Anlagetätigkeit einbeziehen. Über 80 Prozent der befragten Manager lassen in ihren Anlageprozess explizit qualitative oder quantitative ESG-Bewertungen einfließen. Auch das Ausmaß, in dem ESG-Faktoren Anlageentscheidungen beeinflussen, ist – vor allem mit Blick auf Anlagerisiken – gestiegen. So gaben 46 Prozent der Befragten an, dass ESG-Faktoren wie der Klimawandel eine wesentliche Rolle bei der Bewertung potenzieller Risiken spielen, dies ist ein Plus von elf Prozent seit 2018. Darüber hinaus betonten 29 Prozent der Manager den Einfluss von ESG-Erwägungen bei der Erwirtschaftung positiver Renditen. Dies ist ein Anstieg von neun Prozent gegenüber 2018.

Weltweite Zunahme
In fast allen untersuchten Regionen ist das Ausmaß, in dem ESG-Aspekte regelmäßig in die Anlagepraxis integriert werden, gestiegen. Annähernd alle europäischen Vermögensverwalter gaben an, dass sie ESG heute in ihre Anlageprozesse integrieren. Auch, wenn US-Manager in dieser Hinsicht hinterherhinken, ist der Prozentsatz auch bei ihnen von 67 Prozent im Jahr 2019 auf 82 Prozent gestiegen.

Aus den Ergebnissen geht zudem hervor, dass Vermögensverwalter ihre ESG-Einsichten stärker auf Grundlage interner Einschätzungen zu Anlagemöglichkeiten bilden. 55 Prozent der Befragten, also 15 Prozentpunkte mehr als 2019, stützen sich dabei in vor allem auf intern erstellte quantitative Daten, nutzen aber externe ESG-Datenanbieter als zusätzlichen Input. Umgekehrt ist die alleinige Verwendung interner ESG-Kennzahlen auf nur sechs Prozent zurückgegangen, verglichen mit 14 Prozent im Jahr 2019.

ESG-Daten sind das Um und Auf
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass immer mehr Vermögensverwalter auf ESG-Datenanbieter zurückgreifen, während sie gleichzeitig ihre eigenen Analysen als wesentliche ESG-Bewertungen nutzen. Die Umfrage zeigt auch, dass viele Vermögensverwalter mehrere ESG-Datenanbieter abonnieren. Dies deutet darauf hin, dass sie unterschiedliche ESG-Datenquellen schätzen.

Da ESG-Investments weltweit höchste Wachstumsraten erreichen, sind auf nachhaltige und verantwortungsvolle Investments spezialisierte Vermögensverwalter sehr gefragt. Dies spiegelt sich auch bei der Entwicklung der personellen Kapazitäten wider. Heute beschäftigen 52 Prozent der kanadischen Vermögensverwalter (im Vorjahr 26 Prozent) ESG-Spezialisten. In Europa beschäftigen fast neun von zehn Manager ESG-Experten (88 Prozent).

„Die Integration von ESG-Aspekten in die Anlage- und Management-Praktiken von Vermögensverwaltern hat sich rasant weiterentwickelt. Zukunftsorientierte Bewertungen und Wesentlichkeitsaspekte werden dabei immer wichtiger“, sagt Yoshie Phillips, Director of Investment Research – Global Fixed Income bei Russell Investments. „Vermögensverwalter wenden heute strengere ESG-Analysen an und bemühen sich um mehr Transparenz. Es gibt jedoch noch viel zu tun, insbesondere im Hinblick auf den Klimawandel, der zunehmend die ESG-Agenda bestimmt und sich bei Vermögensinhabern als wichtigstes Anliegen etabliert hat.“

Wesentlicher Bestandteil der Entscheidungsfindung
„Die Umfrage hat erneut gezeigt, dass ESG nicht länger ein optionales Extra, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Entscheidungsfindung ist”, ergänzt Bettina May, Head of Distribution für Deutschland und Österreich bei Russell Investments. „Vermögensverwalter nehmen dies ernst und haben in den letzten zwölf Monaten Verbesserungen auf den Weg gebracht. Vor allem in Kontinentaleuropa zeichnet sich ab, dass insbesondere die wachsenden Ansprüche von Vermögensinhabern ESG-Fortschritte bei Vermögensverwaltern vorantreiben. Der Klimawandel ist für Vermögensinhaber ein so wichtiges Thema geworden, dass Vermögensverwalter hier aktiv Fortschritte zeigen müssen, um nicht ins Hintertreffen zu gelangen.“ (aa)

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