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Rolf Schäffer, LBBW: "Die Inflation ist die Nadel an der Blase"

Der Leiter der Gruppe Strategy Research bei der LBBW gab vor professionellen Marktteilnehmern einen Ausblick auf die weitere Konjunktur, Inflations- sowie Zinsentwicklung und erklärte, ob Renten oder Aktien dieses Jahr die bessere Wahl sind.

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Rolf Schäffer, LBBW: Die Zinsen werden nicht spürbar steigen, weil sie es angesichts der hohen Schulden nicht dürfen."

Welche interessanten Charts der Leiter der Gruppe Strategy u.a. zeigte, sehen Sie nachfolgend in einer kurzen Bilderstrecke. Einfach weiterklicken ->
© Marlene Fröhlich für Institutional Money

„Das Goldlilocks-Szenario mit niedrigen Volatilitäten an den Kapitalmärkten ist vorbei, es herrscht wieder Normalität mit höheren Schwankungen“, erklärte Rolf Schäffer, Leiter Strategy Research bei der LBBW, zu Beginn seines Vortrages auf dem 7. Kapitalmarktforum der LBBW in Wien.

Schäffer gliederte seine umfangreiche und sehr interessante Präsentation - aus der wir die uE nach besten Grafiken in einer Fotogalerie (siehe oben) bringen - in vier große Kapitel. Erstens analysierte er, wie es mit der Konjunktur weitergeht, ob zweitens Präsident Donald Trump wirklich einen kostspieligen Handelskrieg entfacht, wie sich drittens die Inflation entwickelt und darauf aufbauend, ob viertens Investoren Risikoassets kaufen sollten oder besser nicht. „Die Inflation ist die Nadel an der Blase“, warnte Schäffer vor den möglichen Folgewirkungen höherer Preissteigerungen wie höhere Zinsen und damit möglicherweise gleichzeitig fallender Anleihe- und Aktienkurse.

Konjunkturmotor brummt weiterhin
LBBW bzw. Schäffer glauben, dass sich die Konjunktur weiterhin positiv entwickelt. Weltweit sind nahezu – bis auf Südafrika - alle Frühindikatoren im expansiven Bereich. Denn eine Rezession ereignete sich in der Vergangenheit immer nur durch einen Ölpreis-Schock sowie aufgrund zu hoher Zinserhöhungen respektive einer zu restriktiven Geldpolitik der Fed. Einer Rezession ging in der Vergangenheit in der Regel eine inverse Zinsstrukturkurve voraus. Derzeit verflacht sich die US-Zinsstrukturkurve, ist aber noch nicht invers.

Gegen eine Rezession spricht auch die weiterhin nicht restriktive Geldpolitik, wenn man den „realen“ Zinssatz unter Berücksichtigung der in den USA über zwei Prozent liegenden Inflation betrachtet. Vor diesem Hintergrund liegt der „reale“ Tagesgeldzinssatz in den USA knapp unter null. Darüber hinaus bleiben zehnjährige US-Treasuries international gefragt, weil Investoren bei vergleichbaren Bonds in Euroland oder Japan zumindest nominal viel niedrigere Renditen geboten werden (siehe Grafik oben). „Aus diesen Gründen kann die Fed noch einige Male die Zinsen erhöhen“, erklärte Schäffer.

Kritik äußerte Schäffer an der prozyklischen Fiskalpolitik der US-Administration, die mitten in der Hochkonjunktur die Wirtschaft auf Pump und unter Anhäufung zusätzlicher Schulden anfeuert (siehe die Grafik zu den hohen Schulden der USA im Vergleich zu anderen Ländern).

„Trump kippt in guten Jahren das Korn ins Volk“, erklärte Schäffer unter Anspielung auf die alttestamentarischen sieben fetten und sieben magere Jahre und erwartet für 2018 ein noch stärkeres Wirtschaftswachstum. Aus diesem Grund erwartet Schäffer sowie auch die Anlaysten anderer Banken und Fondsgesellschaften für dieses Jahr höhere Unternehmensgewinne und vielfach einen sich selbst tragenden konjunkturellen Aufschwung.

Daher ist Schäffer auch für Euroland und Deutschland sehr optimistisch, da bei den Investitionen noch viel Nachholbedarf besteht. Dies könnte dafür sorgen, dass die heimische Wirtschaft noch viele Jahre gut läuft. „Wir erwarten ein BIP-Wachstum von 2,3 Prozent für 2018 sowohl für den Euroraum als auch für Deutschland.“

Trump stellt Technologiediebstahl ab
„Zölle sind kein Problem, das ist in der derzeitigen Diskussion nur ein vorgeschobenes Thema“, erklärt Schäffer angesichts des derzeitig schwellenden Handelskonflikts zwischen den USA und seinen Wirtschaftspartnern. Der Trump-kritische Schäffer stimmte dem US-Präsidenten und dessen Vorwürfen hinsichtlich der Schädigung der US-Interessen zumindest insofern zu, als dass die Chinesen westliche Unternehmen in der Regel über Joint-Ventures und zwangsweisen Know-how-Transfer oftmals über den Tisch ziehen, um mit dem „erworbenen“ Wissen dem Westen später Konkurrenz zu machen und damit westliche Arbeitsplätze verloren gehen. Laut Schäffer will Trump aber einen stärkeren Einbruch der US-Aktienindizes aus wahltaktischen Gründen möglichst vermeiden, sodass sich die USA, Europa und China zur Vermeidung eines kostspieligen Handelskriegs schlussendlich unter Wahrung ihres Gesichtes „arrangieren“ werden.

Inflation ante portas?
Das Thema Inflation liegt dem LBBW-Strategen derzeit besonders am Herzen, weil davon alle Investitionsentscheidungen abhängen. Schäffer geht weiterhin von relativ niedrigen Inflationswerten aus, da die Güterpreise durch die Globalisierung, Internet, automatisierte Produktion sowie eine im Westen alternde und weniger konsumierende Gesellschaft nur schwer steigen können. „Der Hauptgrund für die niedrige Inflation liegt in der Güterpreisdeflation“, erklärte Schäffer mit Verweis auf eine Grafik (siehe Bilderstrecke), die sowohl die Güterpreis-, als auch die Dienstleistungspreisinflation zeigt.

Niedrige Inflationsraten haben direkte Auswirkungen auf die Zinsen, die wie in Japan noch sehr lange niedrig bleiben können und werden (siehe Grafik oben).

Von Seiten der EZB droht auf der Zinsfront keine Gefahr: Zinserhöhungen gäbe es erst dann, wenn sich die Konjunktur europaweit jahrelang überdurchschnittlich gut entwickeln würde. Da dies unwahrscheinlich ist, bleibe die Geldpolitik auf viele Jahre hinaus noch expansiv. „Die Zinsen werden nicht spürbar steigen, weil sie es angesichts der hohen Schulden nicht dürfen“, prognostiziert Schäffer.

Wie die LBBW die nächsten Schritte der EZB bei den Wertpapierkäufen sowie bei den Leitzinsen einschätzt, können Sie oben der Bildergalerie entnehmen.

Kein gutes Renten-, aber ein gutes Aktienjahr
Schäffer glaubt, dass leicht höhere (Sekundarmarkt-)Zinsen Anleihekurse zumindest so belasten, dass Investoren 2018 in allen wichtigen Fixed-Income-Segmenten negative bzw. nur minimale Renditen erzielen können. So sei bei deutschen Bunds mit mittlerer Laufzeit (5-7 Jahre) dieses Jahr mit minus 0,81 zu rechnen. Bei IG-Corporate-Bonds laut die Prognose plus 0,16, bei HY-Bonds plus 1,50 Prozent. Daher empfiehlt die LBBW die bisherige Übergewichtung in HY-Bonds auf „neutral“ zurückzunehmen.

Im relativen Vergleich zu Rentenpapieren „günstiger“ seien laut Schäffer Aktien, für die er ein weiterhin freundliches Marktumfeld erwartet. Die LBBW hat daher weiterhin ein Jahresendziel für den DAX von 14.000 Punkten und sieht europäische Aktien – auch aufgrund eines möglichweise wieder stärkeren US-Dollars gegenüber dem Euro – im Vorteil gegenüber den relativ teuren US-Aktien. (aa)

Die interessantesten Grafiken von Schäffers-Präsentation finden Sie oben in der Bilderstrecke.

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