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Roland Berger erwartet steigende Zahl an Restrukturierungsfällen

75 Prozent der Experten erwarten eine Zunahme der Restrukturierungsfälle, Dies ist auf steigende Preise für Rohstoffe und Vorprodukte (24 Prozent), eine weitere Covid-Welle (20 Prozent) und geopolitische Konflikte (13 Prozent) zurückzuführen.

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Sascha Haghani, Leiter der globalen Plattform Restructuring, Performance, Transformation & Transaction (RPT) und Geschäftsführer DACH bei Roland Berger
© Roland Berger

Steigende Rohstoffpreise und Inflation, die Auswirkungen der Pandemie sowie geopolitische Spannungen belasten die Unternehmen und verschärfen den Transformationsdruck. In der „Restrukturierungsstudie 2021" von Roland Berger gehen drei Viertel der 500 befragten Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz von einem Anstieg der Sanierungsfälle innerhalb des nächsten Jahres aus.

Optimismus für Deutschland verfrüht
„Die deutsche Wirtschaft folgt nach dem starken Einbruch im Vorjahr wieder einem Aufwärtstrend – Optimismus wäre jedoch verfrüht“, sagt Sascha Haghani, Leiter der globalen Plattform Restructuring, Performance, Transformation & Transaction (RPT) und Geschäftsführer DACH bei Roland Berger. „Zahlreiche Unternehmen waren bereits vor der Pandemie in einer Schieflage. Sie haben zwar finanzielle Hilfen bekommen, jedoch ist ihre Verschuldung dadurch noch höher geworden. Die gestiegenen Rohstoffpreise und Kapitalkosten drücken weiter auf die Bilanz. Die Geschäftsmodelle müssen angepasst und Wertschöpfungsketten neu definiert werden, um Unternehmen auch in einem anhaltend volatilen Umfeld solide aufzustellen.“

Einzelhandel, Reise und Autobranche mit Anpassungsbedarf
Die Experten sehen im Einzelhandel sowie in der Tourismusbranche und der Automobilindustrie den größten Restrukturierungsbedarf. Die Lage für den stationären Einzelhandel hat sich für 30 Prozent der Befragten weiter zugespitzt (2020: 19 Prozent). Denn die Pandemie hat die Branche nicht nur aufgrund flächendeckender Schließungen vor große Herausforderungen gestellt – die steigende Präferenz für Online-Shopping hat das Kaufverhalten der Konsumenten mittlerweile dauerhaft verändert. Auch Reiseunternehmen (29 Prozent) leiden weiterhin an den Folgen von Corona. 27 Prozent der Befragten nennen die Automobilbranche, die sich in der Umstellung auf Elektromobilität in einer grundlegenden Transformation befindet.

Teurere Rohstoffe und ESG-Investitionen erhöhen den Druck
Versäumnisse bei der Digitalisierung und disruptive Innovationen (38 Prozent) sind wie in den Vorjahren die wesentlichen Ursachen für die notwendige Anpassung von Unternehmen. Dahinter gibt es Bewegung: Mit der Abhängigkeit von der Rohstoffpreisentwicklung (14 Prozent) und den steigenden Anforderungen in Bezug auf ESG-Kriterien (11 Prozent) werden neue Treiber für eine nötige Umstrukturierung genannt. Entsprechend gehören für die Befragten Investitionen in ESG und Nachhaltigkeit erstmals zu den wichtigsten Restrukturierungsmaßnahmen. Nur die grundlegende strategische Neuausrichtung des Geschäftsmodells und Veränderung der Wertschöpfung werden als noch relevanter erachtet. „Die Sanierungspraxis wandelt sich: Nachhaltigkeit und ESG-Investitionen sind zunehmend bedeutende Faktoren für Unternehmen, um wieder in die Erfolgsspur zu gelangen. Diese Themen sollten von Unternehmen nicht unterschätzt werden. Sie sind für eine Vielzahl von Stakeholdern, wie Investoren, Kunden oder künftigen Talenten von Bedeutung“, so Gerd Sievers, Co-Head der Plattform RPT und Partner bei Roland Berger.

Flexible Lieferketten und Kostenstrukturen rücken in den Fokus
Künftig werden nach Einschätzung der Experten präventive Maßnahmen auf der Management-Agenda eine wichtigere Rolle spielen. Zu den Top drei Themen zählen: Die Reduzierung von Abhängigkeiten in der Lieferkette (21 Prozent), eine flexiblere Kostenstruktur (20 Prozent) sowie die Schaffung neuer Arbeitsmodelle, insbesondere Homeoffice (20 Prozent). Die Auswirkungen des reformierten Restrukturierungsrechts werden eher zurückhaltend beurteilt: Mehr als die Hälfte (58 Prozent) ist der Ansicht, dass es trotz Corona nicht zu einer steigenden Inanspruchnahme des neuen vorinsolvenzlichen Sanierungsrahmens kommen wird. „Neben der finanzwirtschaftlichen Sanierung wäre laut 70 Prozent der Befragten eine Erweiterung des StaRUGs (Gesetz über den Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen für Unternehmenum) hinsichtlich leistungswirtschaftlicher Sanierungsmöglichkeiten wünschenswert. Denn so könnten Unternehmen in plötzlichen Krisensituationen flexibler reagieren und dauerhafte operative Verbesserungen erzielen“, sagt Haghani. (kb)

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