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Robeco für 2020 mit zwei Szenarien - und ohne Mittelweg

Für 2020 erwartet Robeco, dass das Wirtschaftswachstum noch eine Weile anhält und der Kursaufschwung bei Aktien nach fast zehn Jahren in seine letzte Phase eintritt. Was aber, wenn nicht? Fabiana Fedeli, Jamie Stuttard und Jeroen Blokland mit ihrer Einschätzung zu Konjunktur und Kapitalmärkten.

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Fabiana Fedeli, Global Head of Fundamental Equities, hält eine Rotation zu Value-Aktien in 2020 für möglich.
© Robeco

Themen wie Brexit und Handelkonflikt, die 2019 die Schlagzeilen in punkto Finanzen beherrschten, werden nach Ansicht von Robeco 2020 eine weniger prominente Rolle spielen. Der globale Konjunkturzyklus dagegen dürfte noch etwas länger bis in das Jahr 2020 hinein anhalten. Denn es hat vermehrt Anzeichen dafür gegeben, dass sich die  Einkaufsmanager-Indizes in der Industrie stabilisieren und weiter erholen. Zudem rechnet Robeco damit, dass die finanziellen Rahmenbedingungen günstig bleiben. Dies ist hauptsächlich eine Folge der lockeren Geldpolitik der Notenbanken weltweit. Laut den Robeco-Experten wird es keinen „harten Brexit“ geben, die zwischenzeitliche Entwicklung sollten Marktbeobachter als „Rauschen“ betrachten. 

Szenario I: Keine Rezession in den USA, langsameres Wirtschaftswachstum in China
Es wird kein umfassendes Handelsabkommen zwischen den USA und China geben, doch dürfte eine abgespeckte Variante davon ausreichen, um einen Teil des Vertrauens der Unternehmen zurückzugewinnen und die Investitionsausgaben wieder zu stärken. Robeco geht davon aus, dass die US-Wirtschaft wahrscheinlich nicht in eine Rezession abgleiten wird. Grund: Die Beschäftigungslage, die Konsumausgaben und der Dienstleistungssektor sind weiterhin robust. Größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es erst nach dem Jahr 2020 zu einer Rezession kommen wird. Chinas Wirtschaftswachstum dürfte sich weiter verlangsamen: Die demographische Entwicklung, die hohe Verschuldung der Unternehmen und der Übergang von einer investitionsgetriebenen zu einer konsumgetriebenen Volkswirtschaft führen unweigerlich zu niedrigeren Wachstumsraten.

Frankreich und Spanien mit höherem Wachstum als Deutschland
Die Aussichten für das Wachstum des BIP in Europa bleiben gedämpft. Deutschland macht der Einbruch im globalen Industriesegment und das gedrosselte Exportwachstum zu schaffen, zum Teil infolge des Handelskonflikts zwischen den USA und China. Infolgedessen wird das  deutsche BIP im Jahr 2020 um weniger als ein Prozent wachsen. Andere große Volkswirtschaften des Euroraums wie Frankreich und Spanien dürften ein höheres Wachstum verzeichnen, das allerdings ebenfalls unterhalb des Trends bleiben wird. 

Szenario II: Lage-Verschlechterung. Können Aktienkurse um mehr als 20 Prozent fallen?
Was aber, wenn wir falsch liegen? Es gibt kein Szenario, das einen Mittelweg beschreibt. Wenn sich die Lage verschlechtert, ist ein Rückgang der Kurse an den Aktienmärkten von mehr als 20 Prozent nicht auszuschließen. In diesem alternativen Szenario ist eine US-Rezession unausweichlich, da die Notenbanken keinen ausreichenden Spielraum für Gegenmaßnahmen haben. Die Konjunktur im produzierenden Gewerbe dürfte sich dann nicht erholen und sich stattdessen bremsend auf andere Sektoren auswirken. Die Unternehmensgewinne würden sich weiter verschlechtern. Dies würde zu Zahlungsausfällen bei den Unternehmen mit der niedrigsten Bonität führen und sich von dort auf andere Segmente ausbreiten. Die Arbeitslosigkeit würde ansteigen, die Konsumausgaben sinken. Dadurch wird das BIP schrumpfen und die Notenbanken müssten ihre Geldpolitik so weit wie möglich lockern.

Aktienanleger bereit für einen Favoritenwechsel: Value-Comeback?
Fabiana Fedeli, Global Head of Fundamental Equities, hält eine Rotation zu Value-Aktien für möglich: „Den Investoren ist zunehmend unwohl dabei, überhöhte Preise für stark nachgefragte Anlagen zu zahlen, sei es im Hinblick auf bestimmte Investmentstile oder Regionen. Von daher sind sie bereit für einen Favoritenwechsel. Sie brauchen lediglich einen Anlass dafür. Im Basisszenario bleibt ein harter Brexit aus und es kommt zu einer abgespeckten Version eines Handelsabkommens zwischen den USA und China. Dies würde ausreichen, um das Vertrauen der Unternehmen und damit die Investitionen sowie die
Unternehmensgewinne wieder zu stärken. In diesem Fall sind Aktien aus Ländern außerhalb der USA sehr interessant. Dann wäre auch eine Rotation hin zu Value-Aktien zu erwarten.“

Anleihenphase extrem niedriger oder negativer Renditen setzt sich fort
Jamie Stuttard, Head of Global Macro Fixed Income, kommt mit Blick auf die Anleihemärkte zu folgendem Schluss: „Hochverzinsliche Anleihen erscheinen aus Risiko/Rendite-Perspektive weniger lohnend als andere riskante Anlagenklassen, da sich die Spreads oft schon in den späten Phasen des Konjunkturzyklus auszuweiten beginnen. Dasselbe gilt für Unternehmensanleihen im Bereich Investment Grade, allerdings können zumindest einige davon mit der Unterstützung der EZB rechnen. Die Renditen von Staatsanleihen sollten allmählich steigen, während sich das Konjunkturumfeld verbessert, da die Notenbanken nicht gewillt oder nicht imstande sind, ihre Geldpolitik weiter zu lockern. Dessen ungeachtet erwarten wir nicht, dass die Phase extrem niedriger oder negativer Renditen so bald
endet.“

Multi Asset: Vieles spricht für Aktien außerhalb der USA
Jeroen Blokland, Head of Multi Asset, sagt mit Blick auf die unterschiedlichen Assetklassen: „Nach unserer Erwartung werden die Aktienmärkte zunächst neue Höchststände erreichen, sich dann aber schwertun. Tendenziell steigen die Aktienkurse bis kurz vor Einsetzen einer Rezession weiter an. Zudem sollte das beschleunigte Wirtschaftswachstum die Unternehmensgewinne wieder stärker steigen lassen. Aktien aus entwickelten und aufstrebenden Ländern werden voraussichtlich besser abschneiden als andere Assetklassen. Allerdings wird sich die regionale Zusammensetzung von Aktienportfolios wahrscheinlich sehr anders darstellen, da vieles für Aktien außerhalb der USA spricht.“ (kb)

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