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Rheinmetall-JV bietet am wenigsten für Iveco Defense

Das Joint Venture zwischen Rheinmetall und dem italienischen Rüstungskonzern Leonardo hat informierten Kreisen zufolge das niedrigste Angebot für die Verteidigungssparte der Turiner Iveco Group abgegeben. Trotz des Preises gilt Leonardo als Favorit im Bieterrennen.

Sie hält in Italien die Fäden in der Hand: Premierministerin Giorgia Meloni
Sie hält in Italien die Fäden in der Hand: Premierministerin Giorgia Meloni© Alessia Pierdomenico / Bloomberg

Das Konsortium Leonardo Rheinmetall Military Vehicles (LRMV) habe demnach rund 1,6 Milliarden Euro inklusive Schulden geboten, wie mit den Gesprächen vertraute Personen an Bloomberg berichten. Damit liegt das Angebot unter jenem des französisch-deutschen Panzerherstellers KNDS, der knapp 1,9 Milliarden Euro geboten haben soll, und der Czechoslovak Group, hieß es weiter.

Italienische Kontrolle essentiell
Trotz des niedrigeren Preises gilt das 50:50-Joint-Venture mit Hauptsitz in Rom und operativer Zentrale in La Spezia aus politischer Sicht als Favorit. Die Iveco-Sparte — die unter der Marke Iveco Defence Vehicles (IDV) Spezialfahrzeuge für Verteidigung und Zivilschutz baut — könnte so unter italienischer Kontrolle bleiben – ein zentrales Anliegen der Regierung von Giorgia Meloni. Der von der Milliardärsfamilie Agnelli kontrollierte Lkw-Hersteller Iveco will Insidern zufolge in den kommenden Wochen über einen Käufer oder eine mögliche Abspaltung der Sparte entscheiden. Die Beratungen dauern an, eine endgültige Entscheidung stehe aus.

Leonardo ist der einzige italienische Bieter im laufenden Verfahren
Der Konzern — mehrheitlich im Besitz des Staates — soll seine ursprünglichen Offerten nach politischem Druck nachgebessert haben und sich mit dem aktuellen Angebot dem erwarteten Preis genähert haben. Ein Vertreter des Finanzministeriums hatte bereits im Juni erklärt, es sei wünschenswert, wenn das Unternehmen in nationalem Besitz verbleibe. Auch Verteidigungsminister Guido Crosetto äußerte entsprechende Erwartungen. Die Regierung in Rom besitzt bei strategisch relevanten Transaktionen ein Vetorecht, das ausländische Bieter de facto benachteiligen kann.

Leonardo-Chef Roberto Cingolani erklärte im vergangenen Monat, LRMV plane ein “faires” Übernahmeangebot. Das Unternehmen habe jedoch bislang nur zurückhaltendes Interesse signalisiert, da es strategisch eher an technologiebezogenen Rüstungsaktivitäten interessiert sei. Zudem sei sich Leonardo seines Heimvorteils bewusst, so die Informanten.

Konkurrent KNDS sieht sich noch im Rennen
Das Management von KNDS, das sich im gemeinsamen Besitz der französischen Regierung und des deutschen Familienunternehmens Wegmann Group befindet, zeigt starkes Interesse an der Iveco-Sparte. Innerhalb der deutschen Gesellschafterstruktur gibt es jedoch offenbar Vorbehalte — insbesondere, dass eine Übernahme das bestehende Geschäft belasten und von einem möglichen Börsengang ablenken könnte. Trotz politischer Vorbehalte gegen ausländische Interessenten dürfte nicht unberücksichtigt bleiben, dass KNDS auch Produktionsstandorte in Italien unterhält — etwa zur Munitionsfertigung.

Tschechischer Player
Auch CSG, ein Rüstungskonglomerat des tschechischen Milliardärs Michal Strnad, zeigt sich stark akquisitionsorientiert, um von den steigenden globalen Verteidigungsausgaben zu profitieren. Ende letzten Jahres übernahm das Unternehmen für über zwei Milliarden US-Dollar eine Einheit von Vista Outdoor, einschließlich der bekannten Marken Remington und Federal. (kb)

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