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Rentenmärkte müssen wieder lernen, stärker auf eigenen Füßen zu stehen

Der Februar gab der Welt einen ersten Vorgeschmack auf hohe Volatilität. Es ist davon auszugehen, dass sich dies auch im weiteren Jahresverlauf fortsetzen wird. Vor allem, da die Fed und andere Zentralbanken auf der ganzen Welt versuchen, die Liquidität zurückzufahren.

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Ariel Bezalel, Fondsmanager des Jupiter Dynamic Bond SICAV 
© Axel Gaube / FONDS professionell

"Die US-Notenbank Federal Reserve erklärte gestern, dass die Leitzinsen wieder steigen werden. Dies steht im Einklang mit den im vergangenen Jahr von den Zentralbanken gemachten Aussagen, dass drei Erhöhungen möglich sind. Um zu verstehen, wie sich diese Entwicklungen auf die Märkte auswirken könnten, müssen Anleger einen kurzen Blick auf den Jahresanfang werfen", meint Ariel Bezalel, Fondsmanager des Jupiter Dynamic Bond SICAV bei Jupiter Asset Management.

Geldpolitische Straffungen wirken tendenziell abflachend auf die Zinsstrukturkurve

Die vergangenen Konjunkturzyklen hätten gezeigt, so Bezalel weiter, dass sich geldpolitische Straffungen der US-Notenbank tendenziell abflachend auf die Zinsstrukturkurve auswirkten. Damit das Wachstum anziehen und die Inflation steigen könne, sei eigentlich eine Produktivitätssteigerung notwendig.

Aber alle Anzeichen deuten darauf hin, dass die Produktivität noch immer zu gering ist. Sicher: Steuersenkungen werden den Unternehmensgewinnen in den USA einen einmaligen Schub geben. Es ist aber fraglich, ob die Bürger diese Steuerersparnisse letztlich investieren werden, denn der Zugang zu Liquidität war für US-Unternehmen nicht das Hauptproblem." Bei einer eher gedämpften Nachfrage in der gesamten Wirtschaft gibt es keinen wirklichen Anreiz für Unternehmen, das frische Kapital direkt einzusetzen. Inflationsängste, Konjunkturdaten und langfristige Fundamentaldaten (Stichwort: Demographie), hohe globale Verschuldung und technologische Disruption dürften die Renditen von Staatsanleihen noch für einige Zeit unten halten. Die Konsequenz in den kommenden Monaten dürfte mehr Volatilität sein", weiß Bezalel.

Wie könnten sich diese aktuellen Entwicklungen auf die Märkte auswirken?

Das größte geldpolitischen Experiment der Geschichte durch Zinserhöhungen abzuwickeln, während man sich in einer sehr späten Konjunkturzyklusphase befinde, sei ziemlich riskant, meint der Fondmanager. Bis heute wurden in den letzten zehn Jahren 15 Billionen US-Dollar an Zentralbankkäufen getätigt. Dieser Impuls ist seit der Finanzkrise der wichtigste Treiber für Risikoaktiva. Ab 2018 und darüber hinaus wird die Verschärfung der geldpolitischen Risiken die Finanzmärkte verwundbarer machen. Das Risiko-Ertrags-Verhältnis spricht dafür, eher vorsichtig vorzugehen. Das gilt vor allem bei Unternehmensanleihen, wo die risikoadjustierten Spreads in Europa, Großbritannien und den USA wieder auf dem Niveau von 2007 liegen. Früher waren die Zentralbanken kursunempfindliche, marginale Käufer von Krediten, jetzt treten sie wieder in Hintergrund. Die Rentenmärkte müssen jetzt wieder mehr auf eigenen Füßen stehen.

Geleveragte US-Konsumenten sind anfällig für Zinsanstiege

Der US-Verbraucher gerät zunehmend unter Druck und ist gezwungen, Sparvermögen für Einkäufe zu nutzen. Die USA sind eine stark verbrauchergetriebene Wirtschaft: Schätzungen zufolge macht der private Konsum etwa 65-70 Prozent des US-BIP aus. Mit dem Zusammenbruch der Sparquote, den steigenden Kredit- und Autofinanzierungsschulden und Unternehmensschulden auf Rekordhöhen ist es offensichtlich, dass der US-Privatsektor derzeit stark verschuldet ist. Er ist konsequenterweise sehr anfällig auch für nur kleine Zinsanstiege.

Das kommende Jahr dürfte schwierig und volatiler werden

Hinzu kommen noch politische Bedenken, die sich z.B. beim Steuersenkungspaket Donald Trumps manifestieren oder die wachsende Ungleichheit in den entwickelten Märkten sowie wichtige Wahlen in Lateinamerika. All dies wird die Finanzmärkte weiter beeinflussen.

Was ist für Investoren drin? 

"Grundsätzlich fließt Kapital in Anleihen statt in Bargeld, da es eine vernünftige Rendite-Alternative darstellt, ohne gleichzeitig das investierte Vermögen zu gefährden. Anleger sollten beachten, dass sie z.B. auch von Sondersituationen profitieren können, wenn etwa kurzfristig Schulden abgebaut werden", eint Bezalel. 

Indien ist sexy

Trotz allem biete aber die gestiegene Volatilität und die daraus resultierenden Herausforderungen auch Chancen. Angesichts der Risiken sei sicherlich Vrsicht geboten, aber US-Staatsanleihen seien aus der Sicht von Bezalel und sienem Tem  nach wie vor ein guter Weg, um sich gegen Risiken in einem Portfolio abzusichern. Davon abgesehen würden Volkswirtschaften aus Schwellenländern wie Indien immer interessanter. Die Renditen ihrer Staats- und Unternehmensanleihen seien attraktiv, und trotz kurzfristiger Währungsschwächen dürfte die Rupie dank anziehender Konjunktur, anhaltendem Reformwillen und sinkenden Zinsen wieder zulegen. (kb)

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