Renewables: „Für operative Anlagen besteht ein Käufermarkt!“
Derzeit stehen die Aussichten bei Renewables insbesondere gut für Windkraft und Batteriespeicher, findet Kristian Høeg Madsen von Schroders Capital. Grüner Wasserstoff wird aus seiner Sicht ein wichtiger Treiber für die Dekarbonisierung, auch wenn der Ausbau länger dauert als gedacht.

Eckpunkte:
- Renewables: derzeit „Käufermarkt“ für operative Anlagen
- Windkraft als lokale Ressource wenig korreliert
- Batteriespeicher: Energy Shifting bietet Chancen
- Grüner Wasserstoff: EU-Ausbauziele kaum erreichbar
- Wasserstoff mit wichtiger Rolle bei der Dekarbonisierung der Wirtschaft
Infrastrukturinvestments erfreuen sich bei Investoren zunehmender Beliebtheit. Zu den Aussichten im Sektor der Erneuerbaren Energien, zu Windkraft und Energiespeichern, aber auch zu den Investitionschancen bei Wasserstoff hat Institutional Money mit Kristian Høeg Madsen, Investment Director und Co-Head of Hydrogen Investments bei Schroders Greencoat, der Infrastruktursparte von Schroders Capital, gesprochen.
Derzeit stünden die Chancen besonders gut für operative Anlagen: „Für einkommensorientierte Anleger sehen wir aktuell eine interessante Möglichkeit darin, bereits bestehende und operative Anlagen zu erwerben“, sagt Madsen. „Hier beobachten wir derzeit einen Markt, den man durchaus als Käufermarkt bezeichnen kann. Es fehlt an Kapital. Dadurch können Investoren heute operative Anlagen erwerben, die deutlich risikoärmer sind als Entwicklungsprojekte, und dennoch attraktive Renditen erzielen.“
Elektrifizierung und Dekarbonisierung als Treiber
Madsen sieht die Rahmenbedingungen für Investitionen in Erneuerbare Energien weiterhin als attraktiv an. Treiber sind einerseits die fortschreitende Elektrifizierung Europas, sowie die steigende Nachfrage durch E-Mobilität und Wärmepumpen, andererseits aber auch der stark wachsende Energiebedarf von Rechenzentren, sowie die politische Unterstützung für die Dekarbonisierung der Energieversorgung, so Madsen.
Strompreisentwicklung am Beispiel Dänemark
Insbesondere Windkraft, sei es Onshore oder auch Offshore, seien derzeit attraktive Käufe. Als Beispiel nennt Madsen einen „Offshore-Windpark, der bereits seit einigen Jahren in Betrieb ist und dessen Stromerträge durch eine nachgewiesene Historie belegt sind. Aber das können genauso gut andere bereits betriebene Anlagen sein, etwa Onshore-Windparks oder Solaranlagen.“
So wiesen Strommärkte in Europa ein nachhaltiges Nachfragewachstum auf, das sich auch in den Strompreisen widerspiegele. „Zum Beispiel der dänische Strommarkt: In Dänemark lag der durchschnittliche Baseload-Strompreis im Jahr 2020 bei etwa 30 Euro pro Megawattstunde. Im Jahr 2025 lag dieser Wert etwa bei rund 80 Euro pro Megawattstunde.“ Darin zeige sich, dass Investoren für ihre Investments deutlich mehr Rendite erwirtschaften könnten.
Auch bei Projektentwicklern sieht Madsen vor allem Chancen im Bereich Windenergie. Ein zentraler Grund ist die geringere sogenannte Kannibalisierung der Strompreise. Während Solaranlagen ihre Produktion weitgehend gleichzeitig einspeisten und dadurch Preisdruck erzeugten, sei die Stromproduktion von Windparks regional deutlich weniger korreliert.
Weniger korrelierte Stromproduktion
„Wind ist eine überwiegend lokale Ressource und die Windverhältnisse unterscheiden sich regional deutlich stärker, weshalb eine wesentlich geringere Korrelation zwischen verschiedenen Windparks hinsichtlich ihrer Stromproduktion besteht.“ Anders bei Solarparks, diese erzeugten gleichzeitig Strom und speisten ihn ins Netz ein. „Zum Beispiel ist in Spanien in den vergangenen Jahren sehr viel Solarkapazität aufgebaut worden. Als Folge davon sind die erzielbaren Preise für Solarstromprofile inzwischen deutlich gesunken“, so Madsen.
Besonders positiv äußert sich Madsen zu Batteriespeichern. „Batteriespeicher sind ein Bereich, den wir äußerst spannend finden. Die Preise sind in den vergangenen Jahren deutlich gefallen, was insbesondere in Deutschland zu einer sehr hohen Investitionstätigkeit geführt hat.“
Preise für Batteriespeicher deutlich gefallen
Batterien könnten zunehmend nicht nur durch Netzdienstleistungen, sondern auch durch Stromarbitrage wirtschaftlich betrieben werden, was die Ertragsbasis verbreitere, sagt Madsen. Ein wichtiger Treiber dieser Entwicklung sei, dass die ersten Batterieinvestitionen stark von sogenannten 'Ancillary Services' abhängig gewesen seien. „Durch die stark gesunkenen Batteriekosten verändert sich nun das Geschäftsmodell“, sagt Madsen. Um den Preisrutsch zu verdeutlichen: Madsens Einschätzung zufolge sind die Preise von Battery Energy Storage Systems (BESS) seit Anfang 2023 um etwa 40 bis 50 Prozent gefallen.
Batterien: Energy Shifting statt bloße Netzdienstleistungen
Batteriespeicher müssten sich nicht mehr überwiegend auf diese Netzdienstleistungen verlassen. „Stattdessen können sie zunehmend von sogenanntem Energy Shifting profitieren. Das bedeutet, Strom zu Zeiten niedriger Preise zu speichern und ihn später zu Zeiten höherer Preise wieder ins Netz einzuspeisen“, erläutert Madsen.
Beim Energy Shifting geht es also darum, die Batteriespeicher für die Stabilisierung des Stromnetzes bereitzustellen. Der Markt für Energy Shifting ist deutlich größer als der Markt für Netzdienstleistungen. „Und weil er wesentlich tiefer und liquider ist, werden die Erträge von Batteriespeichern weniger anfällig für eine steigende Zahl neuer Wettbewerber“, so Madsen von Schroders Greencoat.
Grüner Wasserstoff bleibt langfristig wichtig
Der Co-Head of Hydrogen Investments verteidigt auch die Rolle von grünem Wasserstoff für die Dekarbonierung fossiler Energien, zum Beispiel in der Stahlproduktion, in Luft- und in der Schifffahrt. Elektrifizierung alleine reiche nicht aus, den „nur etwa 20 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs entfallen auf Elektrizität. Fast alle übrigen 80 Prozent basieren noch immer auf fossilen Energieträgern. Grüner Wasserstoff kann helfen, jene Bereiche zu dekarbonisieren, die sich kaum elektrifizieren lassen“, so Madsen.
EU-Wasserstoffziele unrealistisch
Madsen verweist auf das erklärte EU-Ausbauziel von 10 Millionen Tonnen heimischem erneuerbarem Wasserstoff bis 2030. „Es dürfte eine Herausforderung sein, dieses Ziel zu erreichen“, sagt er. Die politischen Erwartungen seien deutlich höher gewesen als die tatsächliche Marktentwicklung, die derzeit bei um die eine Million Tonnen liege, wenn bereits im Bau befindliche Projekte mit einbezogen würden.
„Die Kosten von grünem Wasserstoff sind bislang nicht so stark gefallen wie ursprünglich erwartet. Der Grund: Es wurden zu wenige Projekte tatsächlich gebaut.“ Madsen zieht Parallelen zu Wind- und Solarenergie. Kostensenkungen entstünden erst durch Skalierung und Lernkurven. Deshalb werde Wasserstoff länger auf Förderungen angewiesen sein, mehr staatliche Unterstützung benötigen und langsamer wachsen als viele Marktteilnehmer vor einigen Jahren angenommen hatten.
Weißer Wasserstoff noch Zukunftsmusik
Beim derzeit viel diskutierten weißen Wasserstoff (natürlich vorkommender Wasserstoff) bleibt Madsen zurückhaltend. Es sei noch unklar, wie groß die tatsächlich verfügbaren Ressourcen seien, wie wirtschaftlich deren Förderung sein werde und ob daraus überhaupt ein eigenständiger Industriezweig entstehen könne. „Für eine Bewertung von Investitionschancen ist es aus meiner Sicht noch zu früh“, erklärt Kristian Høeg Madsen von Schroders Capital.
Auch Fernwärmenetze
Schroders Greencoat entstand 2022 durch einen Zukauf von Schroders der Infrastruktursparte Greencoat aus Großbritannien. Als spezialisierter Manager für Erneuerbare Energien und Energiewende-Investitionen verwaltete die Gesellschaft zum Jahresende 2025 rund 12,5 Milliarden US-Dollar in über 445 Einzelassets. Neben Renewables gehören hierzu auch Energiewende-Technologien wie Wasserstoff, Fernwärmenetze und Ladeinfrastruktur. Anlageregionen sind Europa und UK sowie die USA und Asien. (de)



