Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
| Märkte
twitterlinkedInXING

Rekordappetit: Private Equity-Firmen gehen nun auf Schnäppchenjagd

Unternehmen vom Alten Kontinent mögen vielen Investoren als wenig aussichtsreich erscheinen, aber für Private-Equity-Gesellschaften und die von ihnen gespeisten Arbitrage-Fonds bieten die wirtschaftliche Misere und der Brexit Chancen.

private equity
© Pavel / stock.adobe.com

Viele europäische Aktien könnten bald auf den Kauflisten internationaler Finanzinvestoren landen. So haben Private-Equity-Gesellschaften rekordverdächtige Cash-Reserven für Investments und setzen tendenziell auf Underperformer und billige Aktien in ganz Europa - was den Wert von Leveraged Buyouts in Richtung der Nach-Krisen-Höchststände treibt. Die Deals könnten im Unternehmenssektor aus Nachzüglern Stars machen und sich als Turbo für ereignisgesteuerte Hedgefonds erweisen.

“Die Schlagzeilen sind schlecht, die Realität ist gut”, erklärt David Marcus, Leiter des Vermögensverwalters Evermore Global Advisors in Summit, NJ, dessen Global Value Fund in diesem Jahr um 15 Prozent gestiegen ist, gegenüber "Bloomberg". “Es gibt so viel Wert in europäischen Unternehmen.”

Größter Appetit seit der Finanzkrise
Europäische Unternehmen haben seit dem Buyout-Boom kurz vor der Finanzkrise, die die Lebensgeister in einen Dornröschenschlaf versetzte, keinen solchen Appetit mehr seitens der Private Equity erlebt. Laut Bloomberg-Daten belaufen sich die ausstehenden und abgeschlossenen Transaktionen, die westeuropäische Unternehmen als Ziel haben, in diesem Jahr auf insgesamt 51 Milliarden US-Dollar, was die Buyout-Erholung verankert.

Wenn Transaktionen zustande kommen, könnten die Aktionäre große Gewinne erzielen. Der Verkauf des britischen Rüstungs- und Luftfahrtunternehmens Cobham an die US-amerikanische Buyout-Gesellschaft Advent International Corp. für rund vier Milliarden Pfund (5,25 Milliarden Euro) am 25. Juli bescherte der Aktie einen Tagesgewinn von 35 Prozent. Es folgten angekündigte Deals für den Eigentümer der Legoland Themenparks und den deutschen Leuchtmittelhersteller Osram Licht.

Es könnte noch mehr kommen. Thyssenkrupp erwägt, eine Beteiligung an seiner Aufzugsparte zu verkaufen angesichts des Interesses von Buyout-Gesellschaften, und Altice Europe NV hat viele Interessensbekundungen von Private Equity für ihre Werbeplattform Teads erhalten.

Der EurekaHedge Event Driven Hedge Fund Index legte im ersten Halbjahr um 6,1 Prozent zu - unter Hedgefonds die Strategie mit der drittbesten Performance - verglichen mit 1,9 Prozent im Vorjahreszeitraum.

Nach Ansicht von BNP Paribas könnten die sich unterdurchschnittlich entwickelnden Substanzwerte in Europa in diesem Jahr angesichts des Buyout-Booms einen erfreulichen Durchbruch verzeichnen. Nur wenige Anleger, die sich für den Allokationsstil entscheiden, suchen Unternehmen nach ihrem Akquisitionspotenzial aus, aber die optimistische Überzeugung der Bank hinsichtlich des Zyklus hat sie dazu veranlasst, eine neue Handelsstrategie in ihre jüngsten Analysen einzuführen.

Das Unternehmen empfiehlt einen aus 30 Mitgliedern des Stoxx 600 Index bestehenden Korb von Aktien, die reif für LBOs sind. Regional gesehen ist er auf Großbritannien ausgerichtet, wo die Pfund- und Aktienbewertungen mehrjährige Tiefstände ausloten. Die Bank sieht Ähnlichkeiten mit der Phase von Anfang 2006 bis September 2007, als der BNP Paribas Equity Value Europe Index um 46 Prozent stieg.

“Wir glauben, dass eine ähnliche Situation in dieser späten Phase des Nach-Krisen-Konjunkturzyklus eintreten könnte, wobei “Public-to-Private”-Transaktionen als Wertkatalysator fungieren”, führten die Strategen von BNP Paribas um Edmund Shing aus.

Risiko einer "Value Trap" bleibt
Beim Londoner Hedgefonds Antler Capital Partners hat Gründer Georges Gedeon keine potenziellen Ziele ausgesucht. Er verweist auf das Risiko, mit unterdurchschnittlichen Performern, die möglicherweise nie auf Buyout-Interesse stoßen, Verluste einzufahren.

“Das Problem ist, dass es einen Grund gibt, warum ihre Bewertungen niedrig sind, so dass Sie Geld verlieren können, wenn Sie die Aktie halten, während Sie auf das Ereignis warten”, sagte Gedeon.

Die Bullen sagen, das es das Risiko wert sei. Die Finanzierungskraft von Private Equity wächst nach wie vor und beläuft sich aktuell auf 1,3 Billionen US-Dollar, wie aus Daten von Bloomberg Intelligence hervorgeht. Die europäischen Entscheidungsträger bereiten eine neue Runde geldpolitischer Anreize vor, die die Renditen drücken und die Anleger in risikoreichere Bereiche zwingen werden - wie beispielsweise in Anleihen, mit denen Leveraged Buyouts unterlegt sind.

“Brexit schreckt natürlich einige Leute ab”, sagte Gunter Waldner, der bei Tyrus Capital in Private-Equity-Fonds investiert. “Aber da die Bewertungen besonders günstig sind und das Pfund um einiges nachgegeben hat, wird das Interesse vieler Leute immer größer.” (aa)

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unserer Datenschutzerklärung zu. Mehr erfahren