Regierungen manipulieren Daten, um triste Lage zu verschleiern!
In wichtigen Volkswirtschaften werden Makrodaten konstruiert, um die desolate Lage des Finanzsystems zu kaschieren, schreibt Maurizio Novelli von Lemanik. Eine Finanzierungsblase werde künstlich aufgebläht, ihr Platzen hätte dramatische Folgen.

Makrodaten seien heutzutage "total unzuverlässig", da sie mit dem Argument der nationalen Sicherheit manipuliert würden, schreibt Maurizio Novelli vom Schweizerisch-Luxemburger Asset Manager Lemanik. Staaten wie die USA, China, Deutschland und das Vereinigte Königreich manipulierten Daten, um eine Strukturkrise im System zu verschleiern und die Finanzmärkte zu stützen, so der Portfoliomanager. Bestimmte offizielle Daten würden konstruiert, Revisionen, "erfundene" Saisonbereinigungen und "Fantasie" seien heute die Norm.
Offiziell liege das BIP-Wachstum in den USA und in China auf demselben Niveau von 4,3 Prozent, was nicht glaubhaft sei. Denn beide Volkswirtschaften bedürften ständiger fiskalischer Stimuli und monetärer Unterstützung. Dennoch fragten nur wenige Finanzmarktanalysten, wie es möglich sei, dass sich die chinesische Wirtschaft trotz dieser Wachstumsrate in einer Deflation befinde, und warum die US-Inflation zurückgehe, trotz so starken Wachstums und der Importzölle, die faktisch eine Steuer auf den Inlandskonsum seien. Seine Analysen ergäben, dass das tatsächliche Wachstum in den USA bei maximal 1,5 Prozent und in China bei höchstens 2,5 bis drei Prozent liege. Die deutsche Wirtschaft schrumpfe in Wirklichkeit um etwa zwei Prozent und die britische um rund 1,5 Prozent.
Angelegenheit der nationalen Sicherheit
Novelli teilt die Einschätzung des bekannten US-Finanzanalysten Graham Summers, der erklärt hat, der Bullenmarkt an der Wall Street sei eine Angelegenheit der "nationalen Sicherheit". Die US-Wirtschaft basiere auf nicht tragfähiger spekulativer Verschuldung, Leverage und "skrupelloser" Finanzierung, die keinen anderen Zweck habe als Spekulationsblasen zu nähren, um Vermögen zu schaffen, das mit der Realwirtschaft nicht mehr produziert werden könne.
Er verweist auf Sanktionen gegen Persönlichkeiten in den USA, die nicht mit der offiziellen Linie konform seien, und auch die Fed könne bald nicht mehr frei über die Geldpolitik entscheiden.
Ähnlich sei die Lage in China, wo die Aktienmärkte von einem staatlichen Interventionsfonds kontrolliert würden, börsennotierte Firmen von der Regierung subventioniert würden, um Rückkäufe zu tätigen, und Makrodaten ohne die Details veröffentlicht würden, die zu ihrem Verständnis notwendig seien.
Fragile Lage
All dies zeige, dass die Realwirtschaft ohne staatliche Unterstützung die aktuellen Marktniveaus nicht halten könne, trotz ständiger staatlicher Interventionen und Bailouts durch die Fed. Die Gefahr dieser Situation bestehe darin, dass ein Platzen der Spekulationsblase verheerende Folgen hätte. Dabei sei die Lage sehr fragil und das System verwundbarer denn je, sollte die Risikoneigung nachlassen.
Die heutige Situation unterscheide sich stark von früheren Zyklen, die 2001 und 2008 kulminierten. Der aktuelle Zyklus habe mehr Sektoren finanziert als damals und habe das ihn finanzierende Schattenbankensystem extrem aufgebläht, mit einer Summe von rund hundert Billionen US-Dollar an spekulativen Assets, was dem Vierfachen des BIP entspreche. Die "Verluste, die im amerikanischen Schattenbankensytem verborgen liegen", sieht Novelli als den eigentlichen "Schwarzen Schwan", der die Fed umtreibe. Zudem sei der aktuelle Zyklus verglichen mit früheren außerordentlich stark von fiskalischer und monetärer Unterstützung getragen, die ihn vor dem Kollaps bewahren sollen.
"Skrupellose Rückkäufe"
Ein weiterer Beleg für die Fragilität des US-Finanzzyklus ist laut Novelli die extreme Konzentration der Profitabilität auf wenige Monopolisten, während die übrige Wirtschaft stagniere und Rückkäufe "skrupellos" genutzt würden, um die Rendite künstlich hochzuhalten. Die Hälfte der Gewinne werde für Rückkäufe verwendet, die die astronomische Somme von 1,2 Billionen Dollar erreicht hätten, was knapp fünf Prozent des BIP entspreche.
Es werde immer schwieriger, einen Kollaps des US-Finanzzyklus wie 2001 und 2008 zu vermeiden. Das Ausmaß der potenziellen Krise sei direkt proportional zum Umfang und der Länge des Finanzzyklus und seiner Bedeutung für die Wirtschaft gemessen an den betroffenen Sektoren. (dv)

