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Raiffeisen: Österreich wird auf Triple-A-Rating lange warten müssen

2012 wurde Österreich mit der Aberkennung des Triple-A-Status aus dem Bonitäts-Olymp gestoßen. Nun liegt das Land bei allen Ratingagenturen auf der zweitbesten Stufe, und der Trend ist eindeutig positiv. Doch der Weg zum vollen Triple A könnte noch eine Dekade dauern, sagen Raiffeisen-Analysten.

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© gustavofrazao / stock.adobe.com

Bis 2012 zählte Österreich zum erlesenen Kreis der "vollen Triple A-Länder". Das heißt, alle drei großen Ratingagenturen gaben dem Land bis dahin die beste Note AAA. Nur neun Staaten zählen derzeit zu diesem exklusiven Klub. Zwar waren die Auswirkungen auf die Staatsfinanzen überschaubar, als S&P im Zuge der Eurokrise als erste Agentur das Spitzenrating strich. Denn der Zins, denn die Staaten für ihre Anleihen bieten mussten, steuerte bekanntlich in den folgenden Jahren dank EZB-Unterstützung nahezu pauschal auf den Nullpunkt zu. Allerdings zeigt die Analyse von Raiffeisen-Research-Experten, dass das leicht negativere Rating nicht folgenlos für die Refinanzierung Österreichs war.

Der Staatsanleihemarkt preiste die Risikoprämie Österreichs mindestens für die folgenden fünf Jahre tatsächlich näher am AA-Emittenten Frankreich als am AAA-Emittenten Niederlande, heißt es in den Unterlagen. Das obwohl Österreich gemeinsam mit Deutschland und den Niederlanden immer zum Kreis der wirtschaftlichen und fiskalischen Euro-Spitzengruppe gezählt hatte. Frankreich und die Niederlande waren 2012 gemeinsam mit Österreich abgestuft worden. Die Niederlande hatten aber das Toprating vergleichsweise rasch wieder erlangt.

Erste positive Ratingbewegung seit 2013 – Warteposition für die nächsten Jahre
Derzeit notiert Österreich bei allen drei Agenturen – Fitch, Moody’s und S&P – auf der zweithöchsten Stufe AA+. Am 20. Juli 2018 hat allerdings Fitch seinen Ausblick von AA+ stabil auf AA+ positiv angehoben. Für Österreich war es die erste positive Ratingaktion seit Jänner 2013, so die Raiffeisen Research-Analysten. Zu viel Optimismus halten sie aber für unangebracht: Mit einer Rückgewinnung des Triple-A sei "in absehbarer Zeit nicht zu rechnen. Österreich wird noch länger in der Position des Anwärters verharren müssen". Ein Toprating sei ohne fiskalische Maßnahmen (also bei der Politik der Steuern und Ausgaben) und Strukturreformen jedenfalls nicht möglich.

Die Fiskaldaten des Landes hätten sich zuletzt nämlich hauptsächlich wegen der guten Konjunktur verbessert und nur teilweise wegen eines Konsolidierungskurses. Das Problem: der verbesserte Fitch-Ausblick fällt just auf den Höhepunkt des aktuellen Konjunkturzyklusses. "Von der Konjunkturseite ist daher das Potenzial für weitere Verbesserungen in den kommenden zwölf bis 24 Monaten eher begrenzt", heißt es.

Aufstufung "wenn überhaupt" im nächsten Zyklus
Eine Heraufstufung des Fitch-Ratings auf Triple-A erscheint den Experten "wenn überhaupt, eher im kommenden Konjunkturzyklus wahrscheinlich". Generell seien die Ratingagenturen bei der Triple A-Vergabe äußerst vorsichtig. So vergingen im Schnitt zehn Jahre vom Verlust der Höchstnote bis zur Rückgewinnung. Setzt ein positiver Ratingtrend für Österreich ein, dann wäre mit einer Rückgewinnung des "Vollstatus" (das heißt, eine Bestnote von allen drei Agenturen) wohl frühestens im Jahr 2024 oder 2025 zu rechnen.

"Sollten die Ratingagenturen ihr bisheriges Tempo bei der Vergabe des Triple-A auch nur annähernd beibehalten, scheint der Triple-A-Status (bei einer weiter positiven Entwicklung der Fundamentaldaten) aber erst 2027 erreichbar", so die Experten. Nach S&P im Jahr 2012 hatte Fitch Österreich 2015 die Bestnote entzogen und Moody’s im Juni 2016. Im Hintergrund schwebten dabei unter anderem die Ungewissheit über neue Rettungspakete für die Bankenabbaueinheiten Heta und KA-Finanz.

Bankenrisiko wird mit der Bankenuntion abnehmen
Zumindest bezüglich des in Österreich dominanten Bankensektors dürfte es in den kommenden Jahren bei den strengen Ratern Erleichterungen geben: Durch die weitere Implementierung der Bankenunion (SSM, SRM, gemeinsame Einlagensicherung) innerhalb der EU bzw. Eurozone nehmen die Risiken für Staaten durch mögliche Bankenschieflagen ab. "Davon können gerade kleine Länder mit relativ großen und/oder international ausgerichteten Bankensektoren (wie Österreich) profitieren", schreiben die Raiffeisen Research-Analysten.

Was Fitch beim aktuell verbesserten Ausblick überzeugt hatte, war vor allem die vorteilhafte Entwicklung der Staatsschuldenquote sowie die verbesserte Finanzierungsstruktur. Die österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) habe eine signifikante Laufzeitenverlängerung geschafft, so die Analysten. Die durchschnittliche Laufzeit der österreichischen Staatsschulden ist seit 2016 um mehr als zwei Jahre auf aktuell 10,2 Jahre gestiegen. "Dies ist einer der höchsten Werte innerhalb der Eurozone“, heißt es in dem Bericht. Außerdem seien die Auktionen für österreichische Staatsanleihen am Primärmarkt durchgehend deutlich überzeichnet. (eml)

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