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Qimin Fei: „Wir sehen Marktschwächen als Chancen!“

Der bekannte Investment-Analyst Qimin Fei von FSSA Investment Managers zeichnet im Interview mit „Institutional Money“ ein aktuelles Bild der Emerging Markets und erklärt, warum diese allen Krisen zum Trotz ein aussichtsreiches Investment darstellen. Vor allem Asien erachtet er als attraktiv.

Qimin Fei, Investment-Analyst bei FSSA Investment Managers: "Zwar beeinflussen geopolitische Entwicklungen zweifellos die Märkte und Volkswirtschaften, doch orientieren sich unsere Anlageentscheidungen an einer Bottom-up-Analyse einzelner Unternehmen und deren Fähigkeit, langfristig Wertzuwächse zu erzielen." 
Qimin Fei, Investment-Analyst bei FSSA Investment Managers: "Zwar beeinflussen geopolitische Entwicklungen zweifellos die Märkte und Volkswirtschaften, doch orientieren sich unsere Anlageentscheidungen an einer Bottom-up-Analyse einzelner Unternehmen und deren Fähigkeit, langfristig Wertzuwächse zu erzielen." © FSSA Investment Managers

Eckpunkte:

  • Asien bietet Investoren aufgrund guter Unternehmen auf lange Sicht hohes Renditepotenzial
  • Vor allem in China sind viele interessante Investmentgelegenheit

Qimin Fei, Investment-Analyst von FSSA Investment Managers, zeigt sich optimistisch gestimmt für Emerging Markets und glaubt, dass asiatische und dabei insbesondere chinesische Unternehmen auf längere Sicht von den aktuellen Krisen profitieren könnten.

IM: Herr Frei, lassen Sie uns mit einer grundsätzlichen Frage beginnen: Inwieweit könnten geopolitische Krisen (Irankrieg, China vs. Taiwan, Zollkrieg, etc.) und die davon ausgehenden Belastungen für die Lieferketten sowie das potenzielle Wirtschaftswachstum die mittel- und langfristigen Aussichten für Emerging Markets-Aktien-Investments trüben?
Qimin Fei: Es lässt sich nicht leugnen, dass das geopolitische Risiko in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen hat, zunächst durch die Verhängung reziproker US-Zölle und zuletzt durch die militärische Eskalation der USA und Israels im Iran. Der Nahostkonflikt trübt die kurzfristigen Aussichten, und die wirtschaftlichen Auswirkungen könnten erheblich sein, insbesondere für Nettoenergieimporteure in Süd- und Südostasien. Dennoch dürften stärkere Unternehmen besser aufgestellt sein, um auf solche Bedingungen zu reagieren. Phasen erhöhter Unsicherheit können daher Chancen bieten, selektiv in hochwertigere Positionen zu investieren, bei denen Bewertungen und Fundamentaldaten weiterhin überzeugen, selbst wenn die Markstimmung nachlässt.

IM: Sind die aktuellen „Krisen“ nur als kurzfristige, lösbare Probleme anzusehen, die das Langfrist-Potenzial von Emerging-Markets-Aktien nicht deutlich beeinträchtigen?
Qimin Fei: Über die unmittelbaren Turbulenzen hinaus sind wir der Ansicht, dass die jüngsten Ereignisse mehrere längerfristige Trends verstärken könnten, die das Investitionspotenzial in den Schwellenländern prägen dürften. Insbesondere chinesische Unternehmen sind gut positioniert, um davon zu profitieren.

Erstens dürfte eine anhaltende Phase höherer und volatilerer Energiepreise den Fokus auf Elektrifizierung und Energieeffizienz in den Schwellenländern schärfen. Davon sollten Unternehmen wie Shenzhen Inovance profitieren, das Schlüsselkomponenten für die industrielle Automatisierung und die Elektrifizierung von Fahrzeugen liefert, sowie XCMG, ein führender Hersteller von elektrischen Baumaschinen, der sowohl in China als auch international eine steigende Nachfrage nach seinen Produkten verzeichnet.

Zweitens erwarten wir in den Schwellenländern einen erneuten Vorstoß zur Stärkung und Lokalisierung von Lieferketten, insbesondere in den Bereichen Energie und Infrastruktur. Dies dürfte Investitionen in die heimische Energieerzeugung sowie in Übertragungs- und Verteilungsnetze vorantreiben. In diesem Zusammenhang erwarten wir, dass Unternehmen wie Nari Technology, das zentrale Ausrüstung für Stromnetze und die Stromerzeugung liefert, von erhöhten Investitionen in die lokale Energieinfrastruktur profitieren werden.

Drittens könnten die jüngsten Störungen Chinas Rolle als zuverlässiger Lieferant in bestimmten industriellen und chemischen Lieferketten stärken. China importiert lediglich rund 30 bis 40 Prozent seines Öl- und Gasbedarfs aus dem Nahen Osten und verfügt über kohlebasierte Alternativen für die Produktion wichtiger Chemikalien. Führende Unternehmen wie Wanhua Chemical konnten daher ihre Produktion aufrechterhalten, während Wettbewerber in Saudi-Arabien, Japan und Südkorea ihre Produktion einschränken oder einstellen mussten. Langfristig erwarten wir, dass Kunden verstärkt auf chinesische Anbieter setzen werden – gestützt durch diese nachgewiesene Widerstandsfähigkeit der Lieferketten. Ähnliche Entwicklungen waren bereits im Zuge der Covid-19-Pandemie zu beobachten, die chinesische Industrieunternehmen begünstigten.

IM: Sollten institutionelle Investoren aus der DACH-Region jetzt Emerging Market-Aktien kaufen oder besser auf günstigere EM-Aktienkurse hoffen?
Qimin Fei: Wir versuchen nicht, Märkte zu timen, bleiben jedoch positiv hinsichtlich der langfristigen Anlagechancen in qualitativ hochwertigen Unternehmen aus Schwellenländern. Diese Volkswirtschaften erhöhen kontinuierlich ihren Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung und machen mittlerweile mehr als die Hälfte des weltweiten Bruttoinlandsprodukts auf Basis der Kaufkraftparität (KKP) aus. Dennoch sind Schwellenländer in den Portfolios globaler Investoren tendenziell strukturell untergewichtet.

Aus Portfoliosicht kann eine stärkere Allokation in Schwellenländer einen wertvollen Diversifikationsbeitrag leisten, insbesondere vor dem Hintergrund, dass der US-Aktienmarkt derzeit stark auf eine kleine Anzahl großer Technologieunternehmen konzentriert ist und die Bewertungen in einigen Segmenten erhöht erscheinen. Wie immer ist dabei eine selektive Vorgehensweise entscheidend: Nicht alle Schwellenländer – und nicht alle Unternehmen – sind gleich, weshalb ein aktiver, fundamentaler Bottom-up-Ansatz unerlässlich ist.

IM: Welche Emerging Markets-Regionen und EM-Länder erachtet Ihr Haus derzeit als am attraktivsten und empfehlen Übergewichtungen und wo hingegen empfehlen Sie Untergewichtungen?
Qimin Fei: Schwellenländeraktien haben zwischenzeitlich aufgrund makroökonomischer Sorgen, wie dem Iran-Krieg und der daraus resultierenden Energiekrise, an Wert verloren. Als fundamental orientierte Investoren sehen wir Marktschwächen jedoch als Chancen, gezielt Positionen in qualitativ hochwertigen Unternehmen auszubauen, die voraussichtlich nur begrenzt von den Auswirkungen des Konflikts betroffen sind – und möglicherweise sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Mit Blick auf einen längeren Zeithorizont sehen wir die jüngsten Entwicklungen nicht als wesentliche Beeinträchtigung des Investitionsarguments für asiatische Aktien. Asiatische Unternehmen sind historisch in einem inflationäreren und volatileren Umfeld tätig gewesen, sodass Managementteams in der Region über wertvolle Erfahrung im Umgang mit solchen Herausforderungen verfügen. Wir finden weiterhin eine Vielzahl qualitativ hochwertiger Unternehmen in Asien mit starken und nachhaltigen Wachstumsperspektiven.

IM: Was ist mit der Energiesicherheit?
Qimin Fei: Wie bereits erwähnt, erscheint China im aktuellen Umfeld besonders gut positioniert. Die Regierung hat über viele Jahre Maßnahmen ergriffen, um Energiesicherheitsrisiken zu reduzieren – unter anderem durch die Diversifizierung von Bezugsquellen, umfangreiche Investitionen in erneuerbare Energien sowie den Aufbau strategischer Reserven. Daher dürfte ein kurzfristiger Anstieg der Energiepreise nicht zu vergleichbaren Lieferkettenstörungen führen wie in anderen Regionen. Zwar sehen sich auch chinesische Unternehmen steigenden Inputkosten gegenüber, jedoch sind Unternehmen mit starker Marktposition und Marken häufig in der Lage, Preiserhöhungen an ihre Kunden weiterzugeben.

Gleichzeitig haben makroökonomische Probleme, insbesondere der Abschwung am Immobilienmarkt, in den vergangenen Jahren die Stimmung gegenüber China belastet. Wir sehen jedoch erste Anzeichen einer Stabilisierung, da die politische Unterstützung gezielter wird und Maßnahmen zur Stärkung des Konsums umgesetzt werden. Darüber hinaus wird das Verhalten von Unternehmen zunehmend aktionärsfreundlicher, etwa durch höhere Dividenden und Aktienrückkäufe. Viele führende Unternehmen sind konservativ finanziert, generieren starke Cashflows und werden mit Bewertungsniveaus gehandelt, die deutlich unter denen globaler Vergleichsunternehmen liegen.

Wichtig ist zudem, dass China entlang der Wertschöpfungskette weiter aufsteigt, wobei viele Unternehmen dauerhafte Wettbewerbsvorteile in Bereichen wie Markenprodukten und digitalen Dienstleistungen aufbauen.

So hat sich beispielsweise Anta Sports erfolgreich von einer inländischen Massenmarke zu einer führenden Multi-Brand-Sportartikelgruppe mit globalen Premium-Franchises entwickelt. Internetunternehmen wie Tencent sind wiederum gut positioniert, von den jüngsten Entwicklungen im Bereich Künstliche Intelligenz zu profitieren – durch Effizienzsteigerungen und langfristiges Gewinnwachstum, gestützt auf ihre große Nutzerbasis und umfassenden digitalen Ökosysteme.

IM: Erachten sie auch andere Länder bzw. Regionen als aussichtsreich?
Qimin Fei: Auch in Indien und Südostasien sehen wir attraktive Anlagechancen. Beide Regionen waren zuletzt besonders stark von den wirtschaftlichen Nebenwirkungen des Iran-Konflikts betroffen. Zwar stellt die kurzfristig höhere Inflation eine klare Herausforderung dar, wir erwarten jedoch, dass insbesondere qualitativ starke Unternehmen – vor allem mit erfahrenem Management und soliden Bilanzen – gut positioniert sind, um widerstandsfähig zu bleiben. Vor dem Hintergrund der derzeit negativen Marktstimmung entsteht hier ein besonders attraktives Umfeld für eine selektive Bottom-up-Aktienauswahl.

Die langfristige Investmentstory Indiens wird weiterhin durch günstige strukturelle Treiber gestützt: eine junge Bevölkerung, geringe Marktdurchdringung in vielen Konsum- und Finanzsegmenten sowie die fortschreitende Formalisierung der Wirtschaft schaffen die Grundlage für nachhaltiges inländisches Wachstum. Die Bewertungen sind zuletzt attraktiver geworden, und wir sehen Chancen insbesondere im Bereich gut geführter Finanzinstitute. Die HDFC Bank beispielsweise gewinnt kontinuierlich Marktanteile von ineffizienteren staatlichen Wettbewerbern durch vorsichtiges Risikomanagement und einen langfristigen Wachstumshorizont.

Auch in der ASEAN-Region sehen wir überzeugende Investmentchancen. Ähnlich wie in Indien sind die demografischen Rahmenbedingungen günstig, und viele Konsum- und Dienstleistungsbereiche sind strukturell noch undurchdrungen, was erhebliches langfristiges Wachstumspotenzial bietet.

Gleichzeitig entsteht eine wachsende Zahl gut geführter lokaler Marktführer in den Bereichen Finanzdienstleistungen, Konsum und digitale Plattformen, die vom steigenden Binnenkonsum profitieren. So überzeugt beispielsweise die indonesische Bank Central Asia (BCA) durch ein hochwertiges Managementteam, stabile Zinsmargen und eine robuste Vermögensqualität. Ebenfalls positiv sehen wir Philippine Seven, den exklusiven Franchisebetreiber der 7-Eleven-Convenience-Stores auf den Philippinen, der von der im regionalen Vergleich niedrigen Filialdichte profitiert. Das Unternehmen baut sein Filialnetz kontinuierlich aus, und die Same-Store-Sales erholen sich nach einer Phase der Störungen, was einen langfristigen Wachstumspfad unterstützt.

IM: Wir danken für das Interview. (aa)


Redaktioneller Hinweis: In der frisch gedruckten Mai-Ausgabe von "Institutional Money" (2/2026) gibt es einen Beitrag über die Aussichten der Emerging Markets. Nachzulesen ab Seite 182ff oder im E-Magazin.

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