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Q&A zu Photovoltaik: Thomas Schoy im Interview

Investitionen in erneuerbare Energien in Deutschland erweisen sich als guter Einsatz gegen den stetig fortschreitenden Klimawandel und auch als rentable Anlage für die eigene Zukunft. Doch Vieles scheint noch nicht ganz geklärt. Photovoltaik-Experte Thomas Schoy beantwortet unsere Fragen hierzu.

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Thomas Schoy, Mitinhaber und Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Privates Institut
© Privates Institut

„Moderne Crowdinvestments wie sie die Münchner Unternehmensgruppe Privates Institut anbietet, ermöglichen es sogar, dass nicht nur große Investoren, sondern auch gewöhnliche Sparer zu einem Teil eines solchen Vorhabens werden können. Schon mit relativ kleinen Summen lässt sich so die Energiewende in Deutschland unterstützen“, präzisiert Thomas Schoy, Mitinhaber und Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Privates Institut. Das Investitionsinteresse stellt sich als relativ groß dar. Bei den bisherigen vier Projekten, die das Münchner Unternehmen über Crowdfunding finanziert hat, haben schon 862 Anleger Geld investiert. Thomas Schoy als Photovoltaik-Experte hat unsere kritischen Fragen wie folgt beantwortet:

IM: Wie hoch ist die Differenz zwischen der maximal möglichen Kapazität der Erneuerbaren und der durchschnittlich tatsächlich erzielbaren?
Thomas Schoy: Ich möchte mich hier auf die PV konzentrieren: Bei der Projektierung von PV-Anlagen ist es wichtig, zwischen der reinen Nennleistung und dem sog. „spezifischen Ertrag“ zu unterscheiden. Ein Beispiel: Eine PV-Anlage mit einer Nennleistung von 10 kWp würde unter Standardlaborbedingungen 10.000 kWh Strom p.a. erzeugen. Die (physikalische) Realität eines Standortes sähe aber wie folgt aus: Weder die Ausrichtung noch die Neigung der Module gleicht dem Idealbild, die Topographie führt zu nicht optimaler Einstrahlung, sowie die Kabelwege und die Kabelwiderstände weichen ab und die Sonneneinstrahlung, sowie die Sonnenstunden sind gemäß der langjährigen Wetterstatistiken zum jeweiligen Standort geringer. Deshalb erstellt ein unabhängiger Ertragsgutachter ein Gutachten, das einen durchschnittlichen „spezifischen Ertrag“ p. a. von lediglich 860 kWh/ kWp ermittelt. Im Ergebnis bedeutet dies also, dass diese Anlage statt der 10.000 kWh p.a. 8600 kWh p. a. produziert.

Fazit: Für die Wirtschaftlichkeit eines PV-Investment ist also nicht die Nennleistung sondern vielmehr der spezifische Ertrag einer Anlage entscheidend – dieser ist immer für den jeweiligen Einzelfall zu ermitteln. Unsere Erfahrung über die letzten mehr als 10 Jahre an aktuell etwas über 150 Standorten deutschlandweit belegt das.

IM: Wie können PV und Windkraftanlagen bei Dunkelflauten von Nutzen sein?
Thomas Schoy: Hier ist das „A“ und „O“ die Speicherung und/ oder Umwandlung des Stroms, Stichwort hier „power to „X“ (Also Gas, Wasserstoff, e-fuels).

IM: Wie erklärt man den Bürgern die abgekürzten Genehmigungsverfahren?
Thomas SchoyHier möchte ich auch nur für PV sprechen: PV kann zu allererst auf Flächen verbaut werden, die keiner anderen „sinnvollen“ Nutzung zugeführt werden können, also alte Deponien, sonstige Konversionsflächen mit maroder Altbausubstanz versiegelte Flächen etc. In diesen Fällen bedeutet der Bau und der Betrieb von PV wohl eher eine Bereicherung als eine Einschränkung – Stichworte hier: Bürgerbeteiligung, Pachteinnahmen und Gewerbesteuereinnahmen vor Ort. Zusätzlich dazu kommt es bei Freiflächenanlagen entgegen des Vorurteils zu keiner Flächenversiegelung. Unter den Modulen findet Flora und Fauna weiterhin ihren Platz bzw. es müssen Ausgleichsflächen geschaffen werden, falls sich dies nicht für einzelne Tierarten umsetzen lässt.

IM: Was passiert mit den alten Solarpanelen, wenn diese ausgedient haben. Hier hört man von Sondermüll infolge der Verwendung von Cadmium, etc... 
Thomas Schoy: Wir verwenden grundsätzlich keine sog. „Dünnschichtmodule“, die eben genau diese Schwermetalle wie Cadmium enthalten. Die von uns verwendeten Mono- und polykristallinen Module lassen sich in die Rohstoffe in Reinform zerlegen: Glas, Alu, Silizium usw.. Es gibt inzwischen Unternehmen, die sich auf den Rückbau und damit auf die Chancen, die im Wert dieser „Rohstoffspeicher“ liegen, spezialisiert haben.

IM: Was passiert, wenn PV und Wind zu viel Strom produzieren? Wird der überschüssige Strom dann zu negativen Preisen an das Ausland „verkauft“? 
Thomas Schoy: Bei negativen Strompreisen zahlt der Stromerzeuger an den Abnehmer Geld. Im Fall eines konventionellen Kraftwerks muss der Kraftwerksbetreiber diese Kosten selbst übernehmen. Deshalb reagieren mittlerweile auch die aus technischen Gründen bislang eher trägen Kohlekraftwerke immer besser auf die schwankende Stromnachfrage beziehungsweise Stromerzeugung der Erneuerbaren und fahren ihre Produktion bei negativen Strompreisen herunter. Möglich ist dies, weil Teile der Kraftwerksbetreiber in die Flexibilität ihrer Anlagen investiert haben: Ein Kraftwerk runter- und wieder hochzufahren, ist in diesen Anlagen nun günstiger, als die Kosten bei negativen Strompreisen zu tragen. Anders gesagt: Die negativen Strompreise haben dazu beigetragen, dass zumindest ein Teil der großen Kraftwerke flexibler geworden ist und damit zum Erfolg der Energiewende beiträgt. Der andere Teil der konventionellen Kraftwerke läuft jedoch trotz negativer Strompreise weiter und erzeugt Strom, auch wenn er nicht gebraucht wird. Außerdem gibt es derzeit noch zu wenige Stromverbraucher, die ihren Verbrauch zeitlich anpassen und Strom genau dann verstärkt nachfragen, wenn gerade viel ins Netz eingespeist wird. Deshalb muss die Flexibilisierung weiter vorangetrieben werden. Der weitere Umbau von der starren Struktur mit konventioneller Stromerzeugung und -verteilung hin zu einer intelligenten Lösung – Stichwort „smart grid“ ist hier die einzig richtige Lösung. Bezogen auf die Gesamtjahresstunden-Anzahl (8.760 Stunden pro Jahr) nehmen negative Stundenkontrakte mit rund ein bis drei Prozent eine eher geringe Bedeutung ein.

IM: Wie schätzen Sie die wohl gewachsene (In)-Stabilität des deutschen Netzes ein?
Thomas Schoy: Be­trei­ber von En­er­gie­ver­sor­gungs­net­zen be­rich­ten der Bun­des­netz­agen­tur jähr­lich über alle in ih­ren Net­zen auf­ge­tre­te­nen Ver­sor­gungs­un­ter­bre­chun­gen, die län­ger als drei Mi­nu­ten dau­ern. Der je­wei­li­ge Be­richt ent­hält Zeit­punkt, Dau­er, Aus­maß und Ur­sa­che der Ver­sor­gungs­un­ter­bre­chun­gen. Aus al­len un­ge­plan­ten Un­ter­bre­chun­gen, die nicht auf Er­eig­nis­se der hö­he­ren Ge­walt zu­rück­zu­füh­ren sind, er­mit­telt die Bun­des­netz­agen­tur die durch­schnitt­li­che Ver­sor­gungs­un­ter­bre­chung je Strom­kun­de. Mit 12,2 Mi­nu­ten lag Deutsch­land im Jahr 2020 in­ter­na­tio­nal damit un­ter den Län­dern mit der zu­ver­läs­sigs­ten Strom­ver­sor­gung über­haupt.

IM: Vielen Dank, Herr Schoy. (kb)

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