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Problem-Assets restrukturieren ohne Insolvenz oder Fire Sale

Immer mehr Portfoliounternehmen geraten unter Druck, doch klassische Verkäufe oder Insolvenzen haben ihre Nachteile. Im Interview erläutert Rechtsanwalt Tobias Moser „Restructuring as a Service“ als Modell, das Investoren einen alternativen Umgang mit Problem-Assets ermöglichen soll.

Tobias Moser, MR Corporate Solutions
Tobias Moser, MR Corporate Solutions© MR Corporate Solutions

Kernpunkte:

  • Immer öfter Sondersituationen wegen Zinsen und Bürokratie
  • RaaS als Alternative zu Insolvenz und Notverkauf
  • Modell zwischen Verkauf und Dienstleistung

Notleidende Beteiligungen und schwierigere Refinanzierungen zwingen institutionelle Investoren zu neuen Lösungen im Umgang mit Krisenunternehmen. Deshalb nimmt der Bedarf an sogenannten „Restructuring as a Service“(RaaS)-Modellen zu, sagte Restrukturierungsexperte Tobias Moser im Interview mit Institutional Money.

Mit seiner Plattform MR Corporate Solutions übernimmt der Münchener Rechtsanwalt Unternehmen oder Unternehmensteile in Sondersituationen, restrukturiert sie und führt sie später einem geordneten Verkauf zu. Zu seinen Mandanten zählen laut Moser vor allem institutionelle Investoren, Fonds, Versicherungen und Versorgungskassen.

„Die Restrukturierung von Unternehmen ist von einem Nischenthema zum Breitensport geworden. Zugleich gibt es viel zu wenige Berater, die das machen können“, sagte Moser. Die Zahl der Problemfälle habe in den vergangenen Jahren massiv zugenommen.

Restrukturierungsdruck nimmt branchenübergreifend zu
Hintergrund ist das schwierigere Marktumfeld für Unternehmensfinanzierungen. Laut Moser treffen steigende Zinsen, hohe Energiepreise, Bürokratiekosten und geopolitische Belastungen inzwischen nahezu alle Branchen, vor allem Automotive, Maschinenbau, Chemie und große Teile der Bau- und Möbelindustrie. „Es gibt im Moment nur wenige Branchen, die keine Probleme haben. Das deutet ganz klar auf strukturelle Probleme hin“, sagte Moser.

Als wesentliche Ursache nennt er gestiegene Zinsen. „Die abrupte Zinswende ist einer der größten und am meisten unterschätzten Treiber. Viele Geschäftsmodelle können ohne die Niedrigzinsen nicht mehr überleben oder werden besonders hart getroffen, wie beispielsweise Immobilien- und Infrastrukturinvestments.“ Hinzu kommen hohe Bürokratiekosten und regulatorische Belastungen. „Eine Vielzahl von Treibern kommt zusammen. Es ist eigentlich ein perfekter Sturm. Und dabei ist die Krise noch gar nicht richtig angekommen.“

Moser erwartet zusätzlichen Druck durch auslaufende Niedrigzinsfinanzierungen. Viele Unternehmen müssten sich in den kommenden Jahren deutlich teurer refinanzieren. Gleichzeitig steige die Zahl problematischer Beteiligungen in den Portfolios von Banken, Debt-Fonds und Private-Equity-Häusern.

Dienstleister statt klassischer Turnaround-Fonds
RaaS soll eine Alternative zu klassischen Insolvenzverfahren oder Fire-Sale-Transaktionen bieten. „Die Insolvenz ist die Benchmark, mit der sich andere Restrukturierungsformen vergleichen. Eine Insolvenz hat sehr starke negative Reputationsauswirkungen“, sagte Moser. Zugleich werde es immer schwieriger, problematische Assets kurzfristig zu verkaufen. „Die Zeiten, als Insolvenzverwalter immer einen Käufer gefunden haben, sind schlichtweg vorbei.“

Das von MR Corporate Solutions genutzte Modell versteht Moser ausdrücklich als Dienstleistung – trotz eines echten Eigentümerwechsels. „RaaS bedeutet, dass wir als Dienstleister Unternehmen oder Unternehmensteile übernehmen, teilweise zu einem negativen Kaufpreis, als neuer Eigentümer Schuldendienste fortführen und nach einigen Jahren einen geordneten Exit ermöglichen.“

Der Ansatz unterscheide sich deutlich von Lösungen mit typischen Distressed-Investoren: „Der Unterschied zum klassischen Turnaround-Fonds ist der Dienstleistungsansatz. Ein Turnaround-Fonds sucht den Equity Value, wir arbeiten für eine Vergütung und können auch Themen ohne offensichtlichen Equity Value mit hohen Schulden abarbeiten.“

Auch überschuldete Assets könnten übernommen werden. „Wir sind Dienstleister, ich nehme auch ein Unternehmen, wo das Equity keinen ersichtlichen Wert hat. Wir kaufen nicht, weil am Ende ein großer Equity Value entsteht, sondern bieten unsere Expertise in der Restrukturierung von Unternehmen als Dienstleistung Konzernen oder Finanzierungsgläubigern an.“

Im Kern gehe es um eine ausgelagerte Restrukturierung. „Der Verkäufer restrukturiert sich selbst, indem er die schlechten Unternehmensteile loswird. Gleichzeitig restrukturieren wir das Target“, sagte Moser. Durch den Verkauf könnten Unternehmen problematische Beteiligungen entkonsolidieren und ihre Bilanz entlasten. „Wenn Sie ein Unternehmen verkaufen, können Sie es sofort entkonsolidieren. Sie verkaufen quasi ein Problem.“ (dv)

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