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Populismus in Lateinamerika: Ein Blick hinter die Schlagzeilen

Peter Eerdmans vom Asset Manager Ninety One beleuchtet die Hintergründe des zunehmenden Populismus und der sich veränderten politischen Konstellationen in Lateinamerika.

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Peter Eerdmans, Head of Fixed Income bei Ninety One
© Ninety One

In Lateinamerika ist 2018/19 ein erstarkter Populismus, der in der Regel mit einer stärkeren politischen Polarisierung einhergeht, wieder aufgeflammt und wurde durch die Pandemie noch beschleunigt. Die Region hat zwar zu Recht stark auf die Covid-Krise reagiert, aber die Rückführung dieser fiskalischen Unterstützung - obwohl sie für die langfristige Schuldentragfähigkeit unerlässlich ist - hat sich als äußerst unpopulär und politisch nicht vertretbar erwiesen.

Linksruck
In der Folge haben einige bonitätsstarke Länder die Märkte in den letzten Monaten mit einem drastischen Linksruck überrascht: Hohe Staatsausgaben und der Griff in die Rentenkassen haben zu erheblicher politischer Unsicherheit geführt und Zweifel an der gebotenen Haushaltskonsolidierung genährt. Tatsächlich waren die Ergebnisse der jüngsten Wahlen zum Teil jedoch nicht so eindeutig und potenziell abträglich für die Wirtschaft wie befürchtet. Eine genauere Betrachtung dieser Ergebnisse könnte Investoren nützliche Erkenntnisse für die Bewertung der bevorstehenden Wahl in Brasilien liefern.

Chile
Nachdem die Umfragen in Chile auf ein sehr enges Rennen hingedeutet hatten, überraschte der komfortable Sieg des Linkskandidaten Boric in der Stichwahl den Markt. Das Kabinett des neuen Präsidenten hat sich jedoch als marktfreundlicher erwiesen als erwartet. Darüber hinaus hat das starke Abschneiden der Rechten und der Mitte-Rechts-Parteien bei den Parlamentswahlen für einen wichtigen Schutz gegen eine künftige Radikalisierung der Politik gesorgt.

Peru
Im benachbarten Peru löste die unerwartete Amtsenthebung des populären Präsidenten Vizcarra durch den Kongress im November 2020 gewaltsame Proteste aus und führte innerhalb einer einzigen Woche zu drei Präsidenten, während das Land eine der höchsten Covid-19-Infektionsraten weltweit und eine der schlimmsten wirtschaftlichen Kontraktionen erlebte. Vor diesem Hintergrund wurden die Präsidentschaftswahlen 2021 zu einem Rennen zwischen einem Anti-Establishment-Populisten und einem marktfreundlichen Establishment-Kandidaten, aus dem Ersterer - Pedro Castillo - als Sieger hervorging. Castillos anfängliche Versuche, die Macht der Legislative zu untergraben, wurden durch den politisch zersplitterten Nationalkongress vereitelt. Dieser verabschiedete ein Gesetz zur Einschränkung der Befugnisse des Präsidenten. Damit folgte auf die Wahl ein holpriger Weg zur politischen Mäßigung, der das politische Risiko reduzierte und das Vertrauen der Märkte wiederherstellte, sodass sich die Assetpreise wieder erholten.

Ecuador
Das Wahlergebnis in Ecuador hat gezeigt, wie Wähler eines populistischen Regimes überdrüssig werden und sich wieder der politischen Mitte zuwenden können. Nach dem ersten Wahlgang der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Februar 2021 begannen die Märkte, einen Sieg des Oppositionskandidaten Andres Arauz einzupreisen, dessen Ablehnung des IWF-Abkommens mit Ecuador die Investoren alarmierte. Jedoch überraschte die Wählerschaft den Markt einige Monate später mit der Wahl eines marktfreundlichen Mitte-Rechts-Kandidaten, Guillermo Lasso. Dies verhalf Ecuadors Hartwährungsanleihen zu einer kräftigen Rallye, die Anlegern im Jahr 2021 einige der höchsten Renditen im gesamten Universum der Schwellenländeranleihen bescherte.

Kolumbien
In Kolumbien gewann der linksgerichtete Kandidat Gustavo Petro die Präsidentschaftswahlen im Juni 2022. Eerdmans dazu: "Unser Basisszenario ist, dass Petro politisch gemäßigte und marktfreundliche Minister in Schlüsselpositionen ernennt. Es bleibt jedoch abzuwarten, welche Art von Politik er nun, da er an der Macht ist, tatsächlich verfolgen wird."

Brasilien
Eine wichtige anstehende Wahl in der Region ist die Präsidentschaftswahl in Brasilien. Aufgrund seines Missmanagements der Pandemie und seines ruppigen Stils ist Präsident Bolsonaros Beliebtheit auf einem historischen Tiefpunkt angelangt. Seinem Finanzminister Paulo Guedes ist es zwar gelungen, zu Beginn seiner Amtszeit einige wichtige marktfreundliche Reformen durchzusetzen, doch die Agenda ist ins Stocken geraten. Unter dem Deckmantel der Pandemie wurde die verfassungsrechtlich verankerte Obergrenze für die Staatsausgaben missachtet und geschwächt.

Für eine Prognose des Wahlausgangs im Oktober ist es noch zu früh
Brasiliens Ex-Präsident Lula liegt in den Umfragen jedoch mit großem Abstand vorn. Die wichtigste Frage ist jedoch, was für ein Präsident Lula sein würde? Seine Bereitschaft, gemeinsam mit einem Kandidaten der Mitte (dem ehemaliger Gouverneur von Sao Paulo, Alckmin) anzutreten, ist ermutigend. Seine politische Agenda ist jedoch wenig detailliert. Es gilt als unwahrscheinlich, dass er sich an die Regel der Ausgabenbegrenzung halten wird. Daher ist das Risiko weiterer haushaltspolitischer Fehlentwicklungen recht hoch, zumal verschwenderische Regierungen in der Vergangenheit keine übermäßige Kontrolle durch den Kongress fürchten mussten.

Breites Misstrauen gegen das Establishment in lateinamerikanischen Ländern
Viele Schwellenländer befinden sich in einer Zeit, in der ein breites Misstrauen gegenüber dem Establishment herrscht. Eerdmans führt aus: "Dies hat zu einem Anstieg des Populismus geführt und damit zu einer allgemeinen Tendenz, sich nach links im politischen Spektrum zu bewegen. Investoren sollten allerdings das differenzierte Bild hinter den Schlagzeilen berücksichtigen. Selbst wenn eine linksgerichtete Regierung an die Macht kommt, haben die jüngsten Ereignisse gezeigt, dass die negativen Auswirkungen auf die Haushaltspolitik aus einer Vielzahl von Gründen deutlich geringer sein könnten als zunächst befürchtet - und eingepreist. Die Vielfalt und Komplexität dieses Anlageuniversums macht daher einen selektiven und flexiblen Ansatz unabdingbar." (kb)

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