Pimco: Inflations-Sorgen der Fed wachsen
Vor der bevorstehenden Sitzung der Fed Ende Juli verändert sich die Kommunikation der US-Notenbank im Hinblick auf die Inflation. Pimco-Ökonomin Tiffany Wilding schreibt, die Fed scheine zunehmend weniger bereit zu sein, unerwartete Inflationsentwicklungen zu ignorieren.

Eckpunkte:
- Pimco: PCE-Inflationswerte in den USA überraschend hoch
- Die annualisierte PCE-Inflation beschleunigt sich für Mai auf 3,4 Prozent
- Möglichkeit einer Zinserhöhung rückt auf die Agenda
- Pimco erwartet, dass sich Inflation in der zweiten Jahreshälfte abschwächen und die Fed ihre Zinspolitik unverändert beibehalten wird
„Nach mehreren überraschend hohen PCE-Inflationswerten scheint innerhalb der Fed die Sorge zu wachsen, dass die erhöhte Inflation länger anhalten könnte als bislang angenommen“, schreibt Pimco-Ökonomin Tiffany Wilding in einem aktuellen Marktkommentar.
So nimmt sie in ihrem Kommentar Bezug auf eine Rede von Christopher Waller, Gouverneur der US-Notenbank, vom vergangenen Montag vor der New York Association for Business Economics über die Konjunkturaussichten der USA und die Auswirkungen auf die „Geldpolitik am Scheideweg“. Seine Äußerungen fielen Pimco zufolge strenger aus, als viele Beobachter erwartet hatten. Tatsächlich sei er das erste stimmberechtigte Mitglied des Offenmarktausschusses der Federal Reserve (Federal Open Market Committee, FOMC), das öffentlich einen bedingten Kurs in Richtung Zinserhöhungen in diesem Jahr dargelegt habe – sofern erneut „heiße“ Inflationszahlen zu beobachten sein sollten.
VPI versus PCE-Inflationsrate
Anlass für den hawkischeren Kurs des Gouverneurs sei die Inflationsentwicklung der Inflations-Kennzahl PCE (Personal Consumption Expenditures, PCE) im Vergleich mit dem VPI in den USA. Während sich der annualisierte US-Kern-VPI (CPI) in einer Spanne von 2,6 bis 2,9 gehalten habe, habe sich die annualisierte Kern-CPE-Inflation beschleunigt und lag nach den jüngsten Daten für Mai bei 3,4 Prozent – und damit deutlich über dem langfristigen Ziel der Fed von zwei Prozent und dem „Bereich von 2,X Prozent“, den die Fed nach Einschätzung von Pimco zu tolerieren bereit sei.
Kommunikation der Fed wandelt sich
Am vergangenen Dienstag begann Pimco zufolge zudem die halbjährliche Anhörung des Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh vor dem Kongress, bei der er das „entschlossene Bekenntnis der Zentralbank zur Wiederherstellung der Preisstabilität“ bekräftigte und erklärte, dass die Fed ihr Ziel der Preisstabilität trotz des schwächeren Inflationsberichts für Juni noch nicht erreicht habe.
Tiffany Wilding zufolge stellt dies einen Wandel in der Kommunikation der US-Notenbank dar. Sie sieht einen zunehmenden Fokus auf Inflation: „Über die jüngsten Äußerungen hinaus hat die Fed ihren kommunikativen Fokus zuletzt stärker auf die Bedeutung fest verankerter Inflationserwartungen angesichts von Angebotsschocks gelegt.“ Die Fed scheine zunehmend weniger bereit zu sein, unerwartete Inflationsentwicklungen zu ignorieren – „selbst wenn diese auf eine Reihe einmaliger Preisanpassungen und nicht auf eine stärkere zugrunde liegende Nachfrage zurückzuführen sind“, so Wilding.
Juli-Sitzung voraus: Möglichkeit einer Erhöhung gegeben
Die Pimco-Ökonomin rechnet für die kommende Fed-Sitzung Ende Juli noch nicht mit einer Zinserhöhung: „Aus verschiedenen Gründen gehen wir weiterhin davon aus, dass sich die Inflation in der zweiten Jahreshälfte abschwächen und die Fed ihre Zinspolitik unverändert beibehalten wird. Die jüngsten Äußerungen aus den Reihen der US-Notenbank deuten jedoch darauf hin, dass die Währungshüter die Märkte zunehmend auf die Möglichkeit einer erneuten geldpolitischen Straffung vorbereiten, sollte die Inflation nicht wie erwartet zurückgehen.“
Aus Wildings Sicht schien das FOMC bei der Sitzung im Juni „nahezu gleichmäßig zwischen den Mitgliedern gespalten zu sein, die eine weitere geldpolitische Straffung als Basisszenario befürworteten, und jenen, die für eine Beibehaltung des Status quo plädierten. Kevin Warsh, der keine eigenen Projektionen vorlegte, könnte dabei die entscheidende Stimme gewesen sein“, so Wilding.
Positive Aussichten für die Bondmärkte
Wilding sieht darin durchaus positive Auswirkungen für die Anleihenmärkte; „Wir befinden uns jedoch nicht mehr im Jahr 2022. Der Inflationsdruck am Arbeitsmarkt hat spürbar nachgelassen, die Fiskalpolitik ist deutlich weniger expansiv, und – was für Anleger in festverzinsliche Wertpapiere besonders relevant ist – die Realrenditen liegen bereits auf einem wesentlich höheren Niveau. Daher könnte eine Zinserhöhung der Fed heute andere Auswirkungen auf den Rentenmarkt haben als noch vor einigen Jahren.“
Straffung könnte Aufwärtsdruck auf Renditen von Langläufern begrenzen
Sollte eine weitere geldpolitische Straffung die Glaubwürdigkeit der US-Notenbank im Kampf gegen die Inflation stärken und dazu beitragen, die langfristigen Inflationserwartungen zu verankern, könnten sich die Renditen von Staatsanleihen mit mittleren und langen Laufzeiten als vergleichsweise widerstandsfähig erweisen, erwartet Wilding. „Eine glaubwürdige geldpolitische Reaktion könnte letztlich sogar die in langlaufenden Anleihen enthaltene Inflationsrisikoprämie verringern und damit den Aufwärtsdruck auf die Renditen am langen Ende begrenzen – auch wenn die Fed die Leitzinsen weiter anhebt.“ (de)