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Pimco: Dominoeffekte sind zu erwarten

In wie weit sich die Energiekrise über erhöhte Energiepreise und notwendigen Werkschließungen auf die Konjunktur und die Gewinnmargen der Unternehmen auswirken könnte und ob Dominoeffekte drohen, erläutert eine hochrangige Pimco-Expertin.

Geraldine Sundstrom, Pimco
Geraldine Sundstrom, Pimco
© Pimco

"Während wir in den vorangegangenen Quartalen vor allem die Zahl der verabreichten Impfungen beobachtet haben, steht nun die Anzahl der wartenden Frachtschiffe vor den Umschlaghäfen dieser Welt im Fokus. Außerdem schauen wir auf Temperaturen, Wettervorhersagen und Windgeschwindigkeiten", zeichnet Geraldine Sundstrom, Managing Director und Portfoliomanagerin bei Pimco, ein aktuelles Stimmungsbild an den Märkten. Damit seien die Hoffnungen auf einen raschen Wiedereröffnungsboom, gefolgt von einer schnellen Normalisierung im zweiten Halbjahr 2021, so gut wie ausgestorben.

Fabriken in den Tigerstaaten produzieren wieder
Die Auswirkungen der Delta-Welle auf die Lieferketten, insbesondere in Südostasien, kommen Sundstrom zufolge endlich zu einem Ende. Fast alle malaysischen und vietnamesischen Fabriken seien wieder in Betrieb. Darüber hinaus hat sich der chinesische Caixin-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor (Caixin-PMI) im September positiv entwickelt und lag mit 53,4 Punkten gegenüber 46,7 Punkten im August deutlich über den Erwartungen.

Es gäbe Sundstrom zufolge von daher gute Gründe dafür, darauf zu hoffen, dass sich die Versorgungsengpässe zumindest in bestimmten Bereichen in den kommenden Monaten endlich abschwächen könnten. Diese Hoffnungen würden aber durch die derzeitige Energiekrise, die vor allem Europa und China erfasst, ernsthaft auf die Probe gestellt.

Starke Folgewirkungen
Die Auswirkungen dieser Energiekrise werden weitreichend sein. Für einige europäische Haushalte werden die Stromrechnungen stark ansteigen, wodurch die verfügbaren Einkommen deutlich sinken werden und die Konsumentenstimmung ins Wanken geraten könnte.

Nachdem sich China eine Zeit lang gegen diese Entwicklung gewehrt hat, sieht es nun so aus, als ob es auch hier zu weiteren Erhöhungen der Strompreise kommen wird. Dazu soll die Obergrenze für Preiserhöhungen von zehn Prozent auf 20 Prozent ansteigen, auch für Privathaushalte. Allerdings sind es die Unternehmen, die in aller Regel weitaus stärker von den Energiegroßhandelspreisen abhängig sind, sofern sie keine festen Vertragspreise festgeschrieben haben.

Zusätzlich zu den Preiserhöhungen wird es in China bis Ende 2021 auch zu teilweisen Stromabschaltungen kommen, wobei die Zufuhr für viele Industriezweige um 10-30 Prozent gedrosselt wird. In Europa führen die Energiegroßhandelspreise zu vereinzelten Werksschließungen, während Düngemittel- und Aluminiumhersteller sowie Gewächshäuser in den Niederlanden bereits den Strom abstellen. "Ein Dominoeffekt wird wahrscheinlich auch in anderen Branchen zu spüren sein. Insgesamt könnte es in den kommenden Monaten erneut zu Engpässen kommen, die aber wahrscheinlich andere Ausprägungen aufweisen als die bisherigen", prognostiziert Sundstrom.

Hoffen auf höhere Gaslieferungen
Sowohl Europa als auch China streben danach, sich zusätzliche Energieressourcen zu sichern, allerdings gibt es hierfür keine Musterlösung. Zwar könnte Nord Stream 2 in Betrieb genommen werden, doch Gazprom produziert bereits Rekordmengen an Gas und muss auch die niedrigen Gasreserven Russlands berücksichtigen. Zudem ist nicht klar, ob die deutsche Infrastruktur weitere Lieferungen stemmen kann.

Fluten behindern Kohleproduktion
China hat seine Kohlebergwerke angewiesen, ihre Produktion zu erhöhen. Jedoch ist die wichtigste Kohleförderregion des Landes momentan von Überschwemmungen betroffen, was die Produktion beeinflusst. Letzten Endes werden diese Umstände Regierungen rund um den Globus die Dringlichkeit der Erlangung von Energieunabhängigkeit erkennen lassen.

Energieautarkie rückt stärker in den Fokus
Erst in dieser Woche hat das Vereinigte Königreich einen Plan zur Erreichung einer Quote von 100 Prozent erneuerbaren Energien bis 2035 vorgestellt. Gleichzeitig kam die Eurogruppe zu dem Schluss, dass grüne Energie nicht das Problem, sondern Teil der Lösung ist und bekräftigte die Notwendigkeit, die Abhängigkeit von Energieimporten zu verringern.

Knappheiten und höhere Kosten belasten die Gewinnmargen
Für die kommende Berichtssaison stehen Sundstrom zufolge Preisgestaltungsmöglichkeiten, Margenentwicklung, Lohndruck und Hinweise auf die Knappheitssituation mit Sicherheit im Rampenlicht. Eine Reihe großer multinationaler Unternehmen hat bereits vor Produktionskürzungen gewarnt und ihre Prognosen für das dritte Quartal aufgrund von Problemen mit ihren Lieferketten und Arbeitskräftemangel nach unten korrigiert.

"Auf der makroökonomischen Seite werden die Inflationsdaten sicherlich erneut auf Interesse stoßen und die Zentralbanker in Atem halten", erklärt Sundstrom abschließend. (aa)

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