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Pimco-CIO Ivascyn: „Vorsichtiges und selektives Vorgehen angebracht“

Der Anlagechef der Pimco Group erläutert, warum sein Haus in der Basiseinschätzung für eine Erholung und riskante Anlagen optimistischer geworden ist und warum Pimco gerade Privatfinanzierungen derzeit für eine einmalige Gelegenheit hält.

Daniel Ivascyn
Daniel Ivascyn, Pimco
© Wolf Heider-Sawall für FONDS professionell

Pimcos Group CIO Dan Ivascyn legt in einem Video-Interview, das auf der Pimco-Webseite abrufbar ist, im Gespräch mit David Fisher, Head of Product Management, seine derzeitige Marktmeinung dar. Beginnend mit den Konsequenzen der US-Wahl spannt sich der Themenbogen von Inflation, Zinsen und Anleiherenditen über die Auswirkungen der Corona-Krise und den jüngst entwickelten Impfstoffen hin zu jenen Segmenten, die Ivascyn derzeit für besonders interessant hält: Private Debt und Real Estate Debt. Vorsicht sollten Investoren jedoch bei High Yield Bonds walten lassen. (aa)


David Fisher: Beginnen wir mit der politischen Situation in den USA: Im Vorfeld der Wahlen war die Volatilität sehr hoch. Zuletzt waren die Märkte optimistisch, dass es zu einer Biden-Präsidentschaft in Kombination mit einem eher geteilten Kongress kommen wird. Die Idee dahinter ist meiner Meinung, dass, selbst wenn die Fiskalpolitik etwas weniger expansiv ausfallen könnte, es dennoch fiskalpolitische Hilfsmaßnahmen und anhaltende geldpolitische Unterstützung geben wird, während die Reregulierung und beträchtliche Steuererhöhungen vermutlich in den Hintergrund rücken.

Wie beurteilt das Investmentkomitee die Entwicklung der Zinssätze  und der Spreads angesichts dieser politischen Rahmenbedingungen?

Dan Ivascyn: Wenn sich die Republikaner tatsächlich im Senat behaupten, wird das Ergebnis ein recht moderates sein und dem Status quo ähneln. Was den Märkten für gewöhnlich gefällt. Wenn wir uns Szenarien für die nächsten Jahre ansehen, insbesondere für die Inflation und im weiteren Sinne für die Zinssätze, dürften einige der Extremszenarien, die uns mehr Sorgen bereitet hätten, wenn der Kongress und die Präsidentschaft vollständig in demokratischer Hand wären, nun mit wesentlich geringerer Wahrscheinlichkeit eintreten. Mit anderen Worten glauben wir, dass die Inflation recht gedämpft bleiben dürfte, zumindest in den nächsten Jahren.

Entsprechend werden sich die Zinssätze in einer engeren  Bandbreite bewegen, jedenfalls auf längere Sicht. Wenn man über die Politik im weiteren Sinne nachdenkt, gilt: Solange keine äußerst aggressive Fiskalpolitik betrieben wird, werden die Zentralbanken wenigstens versuchen müssen, in diesem vollständigen Zyklus mehr zu tun, als sie es sonst getan hätten.

Unseres Erachtens verheißt das auch Gutes für die Kreditspreads, zumindest im Basisszenario. Meiner Meinung ist der einzige negative Aspekt dieser politischen Ordnung, wenn sie denn Realität wird, die Tatsache, dass es Zeiten geben kann, in denen die Volkswirtschaften und die Märkte einem unvorhergesehenen negativen Schock ausgesetzt sind, für dessen Bewältigung es schwerer sein wird, finanzpolitische Unterstützung auf den Weg zu bringen.

Der Covid-Situation vom März wurde mit einer äußerst kraftvollen und  koordinierten Reaktion der Zentralbanken und Finanzpolitiker begegnet. In einer Welt mit einem noch extremeren politischen Patt oder sogar einer absoluten Funktionsstörung besteht immerhin das Risiko, dass die Zentralbanken weniger effektiv sein könnten als in der Vergangenheit, sodass die Märkte fiskalpolitischer Unterstützung bedürfen, die dieses Mal schwieriger zu bewerkstelligen sein könnte als im März. Wir haben viel darüber gesprochen.

Selbst wenn unsere Basiseinschätzung also vorsichtig optimistisch in Bezug auf die Wertentwicklung von Risikoanlagen ist, könnte eine solcher politischer Rahmen die Anfälligkeit noch erhöhen, insbesondere eine Fragilität, die sich im Zuge unvorhergesehener negativer Marktschocks offenbaren könnte.

David Fisher: Sie erwähnten auch die Covid-Pandemie, die selbstverständlich das zweite Hauptrisiko ist. In letzter Zeit nahmen die Fallzahlen in vielen Regionen der Welt zu, wobei es unlängst positive Neuigkeiten von der Impfstoff-Front gab. Wie fließt dies in die Diskussionen des Investmentkomitees ein, insbesondere in Bezug auf Risikoanlagen und Kreditspreads?
Dan Ivascyn: Die Covid-Pandemie wird gewiss eine besonders große Herausforderung für die Märkte sein. Gegenwärtig steigen die Infektionszahlen relativ schnell an. Auch im Lauf der vergangenen Wochen, quer durch Amerika, quer durch Teile Europas. Wir denken, dass dies auf kurze Sicht eine ziemlich angespannte Lage hervorrufen wird, die möglicherweise abermals mit erheblichen Lockdowns zentraler Wirtschaftsbereiche einhergeht. Wir von Pimco blicken indessen zuversichtlich auf die bald verfügbaren Impfstoffe, die wirksamer sein könnten, als der Markt derzeit erwartet.

In der Tat glauben wir, dass sich die Verteilung dieser Impfstoffe effizienter gestalten lässt – schneller, als der Markt derzeit antizipiert. Ferner erwarten wir, dass es darüber hinaus Therapien geben wird, die die Auswirkungen des Virus auf die Erkrankten erheblich schmälern. Und es ist sehr wohl möglich, dass die Auswirkungen der Pandemie auf die Volkswirtschaften bereits Ende dieses Jahres, Anfang nächsten Jahres, deutlich geringer ausfallen. Dies könnte uns eine recht deutliche Erholung im nächsten Jahr bescheren.

Jeglicher bedeutender Erfolg in Sachen Coronavirus dürfte den Aktienmärkten signifikanten Auftrieb verleihen. Und den Kreditmärkten insbesondere jenen Segmenten, die durch das Virus bis dato am stärksten beeinträchtigt wurden: Das sind Gewerbeimmobilien, das Gastgewerbe, die Unterhaltungsbranche, der Einzelhandel. Eine derartige Erholung könnte also auch mit einer recht markanten Umschichtung zwischen einzelnen Segmenten der Anleihen- und der Aktienmärkte einhergehen. Des Weiteren halte ich es für wichtig, mich zu den Zinssätzen zu äußern.

Wie ich eingangs erwähnte, gehen wir davon aus, dass sich die Zinsen  mittel- bis längerfristig in einer relativ engen Bandbreite bewegen. Jegliche Beschleunigung der Erholung, die in Verbindung mit  größeren Erfolgen bezüglich Covid steht, dürfte gewissen  Aufwärtsdruck auf die Renditen ausüben.

Wobei wir nicht erwarten, dass die Renditen um viel mehr als etwa einen Viertelprozentpunkt anziehen, im Fall der Zehn-Jahres-Rendite vielleicht auch etwas mehr. Meines Erachtens ist es ein wichtiger Hinweis, dass uns vermutlich zwar eine kurze Schwächephase bevorsteht, wir aber nicht mit einer mehrjährigen Zinsschwäche rechnen, von der zumindest einige wenige Marktteilnehmer ausgehen.

David Fisher: Wir hatten viele Kundenanfragen in Bezug auf spezifische Marktsektoren. Deshalb dachte ich, wir könnten eine kurze Fragerunde einlegen, um Ihre Ansichten zu einigen dieser Sektoren zu beleuchten. Beginnen wir ein wenig allgemeiner mit Hochzinspapieren. Was denken Sie darüber?
Dan Ivascyn: Hier ist Vorsicht angebracht. Das Beta von Hochzinsanleihen hat sich seit März hervorragend entwickelt. Sicherlich könnte es zu einer weiteren Einengung der Spreads kommen. Doch selbst bei einer V-förmigen Erholung der Wirtschaft wird der Schaden immer noch erheblich sein, und sollten Unternehmen in Schieflage oder in Not geraten, müssen die Anleger bedenken, dass ihre Erholung deutlich schlechter ausfallen könnten als in der Vergangenheit. Das ist also ein Bereich, in dem wir viel selektiver vorgehen, viel zurückhaltender als noch vor einigen Monaten.

David Fisher: Wie sieht es mit asiatischen Festzinspapieren aus?
Dan Ivascyn: Asiatische Anleihen sind für uns strategisch von entscheidender Bedeutung. Dieses Segment wird wiederum enger an China gebunden sein, an Chinas Wirtschaftswachstum, an Chinas Politik.

Meines Erachtens wird dies ein wichtiger Bereich für Anleger sein, um nach Renditen in einer Welt zu suchen, in der die Renditeerwartungen um einiges zurückgehen müssen. Zumindest auf mittlere bis längere Sicht sind wir diesem Bereich also recht wohlgesinnt. Doch auch hier ist ein vorsichtiges und selektives Vorgehen angebracht, wenn man die kurzfristige wirtschaftliche Unsicherheit bedenkt, der wir uns gegenübersehen.

David Fisher: Wie steht es mit europäischen Vermögenswerten, insbesondere im Hinblick auf den Brexit?
Dan Ivascyn: Wir gehen davon aus, dass der Brexit für anhaltende Volatilität sorgen wird, ebenso wie die Regulierung und andere wirtschaftliche Unsicherheiten in ganz Europa. In diesem Zusammenhang sollte man Vorsicht in Bezug auf die allgemeineren Marktbereiche walten lassen. Banken mögen wir weiterhin, im Kontext von traditionelleren Mandaten.

Da die aktuelle Covid-Situation vermehrte Anleihenemissionen europäischer Unternehmen und anderer Bereiche dieses Markts zur Folge hat, rechnen wir in den kommenden Jahren mit einer weiteren Runde von Bankdispositionen die abermals dem Ziel dienen, deren Bilanzen in Ordnung zu bringen. Nicht all diese Anlagearten sind für traditionelle Investmentfonds geeignet.

In eher alternativ orientierten Mandaten, in Mandaten, die nicht auf Liquidität angewiesen sind, dürfte es unseres Erachtens aber eine Reihe wirklich attraktiver Chancen in Europa geben in Verbindung mit notleidenden Krediten, Re-Performing Loans und ähnlichen Anlageformen. Hier muss aber wiederum das richtige Vehikel vorhanden sein,  um diese Art von Strategien umzusetzen.

David Fisher: Letzter Punkt: Private im Vergleich zu öffentlichen Kreditinstrumenten.
Dan Ivascyn: Privatfinanzierungen muten aus relativer Sicht außerordentlich attraktiv an. Das wird nicht immer der Fall sein. Es kam zu einer Situation an den Märkten, in der die Zentralbanken recht grobe Instrumente einsetzten einfach deshalb, weil sie die einzigen Instrumente sind, die ihnen zur Verfügung stehen, um die liquidesten, traditionellsten Marktbereiche zu unterstützen.

Ein gutes Beispiel ist das Segment der Unternehmensanleihen, in dem die US-Notenbank gezielte Ankäufe tätigte – überwiegend von traditionelleren Large-Cap-Unternehmen.

Ein großer Teil dieser Liquidität ist noch nicht in die privaten Bereiche der Unternehmensanleihenmärkte, die privaten Bereiche der Immobilienmärkte vorgedrungen. Daher scheinen die Bewertungen derzeit unglaublich attraktiv. Und wenn man in einer Welt mit äußerst geringen Renditeaussichten für relative Illiquidität und Komplexität bezahlt werden kann, anstatt mehr Aktien oder Unternehmensanleihen erwerben zu müssen, ist das Wertversprechen eines der besten, die aktuell am Markt vorhanden sind. Das gilt für die USA, für Europa und sogar für Asien, und ist eben eine, wenn nicht sogar die überzeugendste Gelegenheit, die wir hier bei Pimco derzeit sehen.

 

 

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